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„Es hätte nicht besser laufen können“

Fußballer Simon Engelmann (31) aus Visbek spricht über die Hinrunde mit Regionalliga-Spitzenreiter RW Essen, den DFB-Pokal-Coup gegen Fortuna Düsseldorf und die überragende Trefferquote.

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Der Torjäger von der Hafenstraße: Simon Engelmann aus Visbek. Foto: RWE

Der Torjäger von der Hafenstraße: Simon Engelmann aus Visbek. Foto: RWE

Die finale „Dienstanweisung“ seines Trainers nach dem Paukenschlag im Pokal ignorierte Simon Engelmann guten Gewissens. Der gebürtige Visbeker wollte zurück in die Heimat, zurück nach Bakum, wo Ehefrau Sandra und Sohn Mats bereits seit Montag warteten. Und so saß der 31 Jahre alte Goalgetter des Fußball-Regionalligisten RW Essen am Vormittag des Heiligabends am Steuer seines Autos und fuhr heim zur Familie. Sein Trainer Christian Neidhart hatten den Spielern am Abend zuvor, unmittelbar nach dem 3:2-Sieg in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, eine Art Party-Freigabe erteilt. „Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen sich zu Hause schon mal abmelden. Weihnachten wird ein bisschen später gefeiert“, so Neidhart.

Die Engelmanns waren pünktlich vereint. Die Ereignisse vom letzten Spiel des Jahres wirkten aber natürlich noch nach. „Das war der krönende Abschluss der Hinserie“, erklärte Engelmann. Erstmals seit 13 Jahren steht der Traditionsverein wieder im Achtelfinale des DFB-Pokals. Und das wurde gefeiert. Gut 200 Fans versammelten sich nach dem Coup gegen den ungeliebten Nachbarn aus Düsseldorf zur Spontanparty vor dem Stadion an der Hafenstraße.

Die Glückseligkeit begann mit einem Autokorso mit Hupkonzert, danach wurden Feuerwerkskörper gezündet und Lieder gesungen. Die TV-Bilder ließen den Schluss zu, dass Abstandsregeln und das Zusammenkunftsverbot mehrerer Haushalte wohl missachtet wurden. Die Polizei stellte vor dem Stadion aber keine Verstöße gegen die Corona-Bestimmungen fest. „Es haben sich etwa 150 bis 200 Personen versammelt. Die Gruppe hat sich coronakonform verhalten und kurz darauf auch aufgelöst“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Engelmanns Liga-Bilanz: 18 Tore in 20 Spielen

Die Mannschaft saß während der Fan-Party in der Kabine und genoss den Moment. „Ein paar Bierchen gab's schon“, berichtete Engelmann. Und für einen kurzen Augenblick ging's auch raus zu den Fans. „Wir sind aber hinter dem Zaun geblieben, im Innenbereich des Stadions, mit großem Abstand. Die Fans waren happy, dass wir gekommen sind – und dann hat sich das auch irgendwann aufgelöst“, sagte der Angreifer.

Er selbst hatte großen Anteil am rot-weißen Freudentaumel – mal wieder. Engelmann erzielte nach einem Patzer von Fortuna-Keeper Raphael Wolf das frühe 1:0 (15.), das Essen in die Karten spielte. Bereits beim 1:0-Erstrundensieg gegen Bundesliga-Aufsteiger Bielefeld hatte der ehemalige Oyther das RWE-Tor erzielt. Engelmann kommt jetzt auf vier Tore in fünf DFB-Pokalspielen, nur gegen die Bayern hat er nicht getroffen.

Engelmann, der im Sommer vom SV Rödinghausen nach Essen gewechselt ist und bereits seine elfte Saison in der Regionalliga West absolviert, ist mit dem Verlauf der Hinserie mehr als zufrieden. Essen ist Spitzenreiter, in 20 Spielen gab's 15 Siege, fünf Remis und keine einzige Niederlage. „50 Punkte – das ist überragend“, so Engelmann. Dazu der Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale, der dem Klub eine „sehr wertvolle“ Einnahme von 700.000 Euro beschert. „Es hätte nicht besser laufen können“, sagte Engelmann. Das gilt auch für ihn selbst. Nach dem Rekordjahr in Rödinghausen (26 Tore in 26 Spielen) produziert er auch in Essen Tore am Fließband. 18 der 46 RWE-Treffer gingen auf sein Konto, Platz eins in der Torjägerliste. „Ich glaub', viel besser hätte ich nicht einschlagen können“, so Engelmann. Der Traum von der 3. Liga – sein Traum und der von RW Essen – lebt.

Im DFB-Pokal geht's am 2./3. Februar weiter. Die Auslosung der acht Partien erfolgt am 3. Januar in der ARD, als Glücksfee fungiert Ex-Skisprung-Star Sven Hannawald. Essen ist der einzige Viertligist im Lostopf, hinzu kommen noch acht Erstligisten und fünf Zweitligisten. Die Zweitrundenpartien Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt (12.1.) und Holstein Kiel - Bayern München (13.1.) stehen noch aus. Im Januar 2008, als Essen letztmals im Achtelfinale stand, hieß der Gegner Hamburger SV, ein 0:3 besiegelte das Aus. Und nun, wen hätten sie denn gerne? „Nicht Dortmund, Leipzig oder Bayern. Ich hoffe auf einen Gegner, den man auch schlagen kann“, sagte Engelmann.

Der Tag der Auslosung ist übrigens der letzte freie Tag für Engelmann und Co. „Schön, dass wir jetzt noch ein paar Tage haben, um runterzukommen. Wir haben in den letzten vier Monaten alles stramm durchgezogen, es ging ja Schlag auf Schlag“, so der Stürmer. Ab dem 4. Januar wird wieder trainiert, das erste Spiel 2021 steigt am 16. Januar beim SC Wiedenbrück. Und spätestens dann wird Engelmann auch wieder darauf hören, was der Trainer sagt.

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