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Es gibt Hoffnungen - und auch böse Vorahnungen

Der Countdown läuft: Am Dienstag startet die deutsche Nationalmannschaft in die Fußball-EM. Wie ticken die heimischen Experten? OMonline hat elf Fußballer aus dem Oldenburger Münsterland befragt.

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Am Dienstag geht's los: Bundestrainer Joachim Löw und sein Team beim Training in Herzogenaurach. Foto: dpa/Gambarini

Am Dienstag geht's los: Bundestrainer Joachim Löw und sein Team beim Training in Herzogenaurach. Foto: dpa/Gambarini

Was denken die OM-Fußballer über die Chancen von Jogi Löws Truppe? Hat er das richtige Personal? Wer sind die Favoriten? Diese und weitere Fragen zur Fußball-Europameisterschaft haben wir einigen Fachleuten aus der Branche gestellt. EM-Umfragen werden ab jetzt regelmäßig auf OMonline erscheinen.

Simon Engelmann (Visbek/ Torjäger von RW Essen): „Ich bin nicht so pessimistisch. Ich glaube, dass wir eine gute EM spielen können, dass wir weit kommen können – auch wenn wir in einer sehr starken Gruppe sind. Dass Hummels und Müller zurückgeholt wurden, war ein richtiger Schritt. Ich hab' vorher eh nicht verstanden, warum der Bundestrainer sie abgesägt hat. Mit den beiden haben wir einfach mehr Stabilität. Wir haben eine gute, talentierte Truppe. Der Kader ist gut, ich vermisse eigentlich keinen. In der Offensive haben wir viele Typen, die richtig wirbeln können. Jeder hat seine Klasse. In einem 3-4-3-System würde ich vorne auf einen Bayern-Block mit Müller, Sane und Gnabry setzen.“

Tobias Millhahn (Fußballobmann Hansa Friesoythe): „Ob die deutsche Nationalmannschaft wirklich um den EM-Titel mitspielen kann, ist aus meiner Sicht fraglich. Die enttäuschende WM und auch die vielen schwachen Länderspiele danach, der geplante Umbruch von Löw, der durch die Nominierung von Müller und Hummels zum Teil rückgängig gemacht wurden und dann der Rücktritt Löws selbst sprechen nicht unbedingt für ein erfolgreiches Abschneiden. Dennoch glaube ich, dass die Mannschaft top besetzt ist und eine gute Rolle spielen kann. Sehr viele (junge) gute Spieler sind dabei und daraus eine passende Elf zusammenzustellen, wird sicherlich eine Herausforderung. Wenn es Löw gelingt, das zu schaffen und die entsprechende Formation zu finden, dann kann es wie bei vielen vergangenen EM-Endrunden sehr weit gehen. Ich bin also vorsichtig optimistisch.“

Jürgen Westendorf (Co-Trainer BW Lohne): „Die Vorfreude bei mir ist schon da. Endlich gibt's wieder ein Turnier, sogar teilweise mit Zuschauern. Das sollte schon Spaß machen. Ich glaube, die deutsche Mannschaft wird es besser machen als bei der letzten WM. Die Einstellung ist besser, es ist Teamgeist da. Die Mannschaft ist auch in einer Bringschuld. Ich glaube, Deutschland kann weit kommen. Für den EM-Titel habe ich keinen klaren Favoriten. Da lege ich mich nicht fest. Ich habe mich hier auch beim EM-Firmentipp rausgehalten. Aber Frankreich und Belgien werden stark sein, auch die Niederlande, England und Portugal. Unser Auftaktspiel gegen Frankreich wird schwer, aber mit etwas Glück können wir vielleicht gewinnen.“

Olaf Blancke (Trainer SV Bevern): „ Bisher hatte ich ein eher schlechtes Gefühl. Nach dem Sieg gegen Lettland bin ich etwas optimistischer. Auch wenn es nur Lettland war, da ist schon Potenzial in der Truppe. Wir können von daher sicher für Überraschungen sorgen. Mein Problem ist allerdings, dass wir keinen Stoßstürmer haben, aber den kann selbst Jogi Löw sich nicht schnitzen. Viel wird von dem Auftaktspiel gegen Frankreich abhängen. Wenn Deutschland dort eine ordentliche Leistung abruft und vielleicht sogar ein Remis holt, ist einiges möglich.“

Felix Schumacher (Spieler TuS Emstekerfeld): „Ich denke, dass die Chancen für die deutsche Nationalmannschaft bei der EM nicht so gut stehen. In den Testspielen vor dem Turnier haben mir der absolute Siegeswillen und die Kaltschnäuzigkeit einfach gefehlt. Einzige Ausnahme war das Spiel gegen ein allerdings auch schwaches Lettland, wobei das auch nicht der souveräne Auftritt war, den man vielleicht erwartet hatte. Ich glaube, dass nach der Gruppenphase für Deutschland Endstation sein wird. Ich hoffe allerdings, dass die Mannschaft mich eines Besseren belehrt und ein tolles und erfolgreiches Turnier spielt.“

Juliane Futtermann (Spielerin TuS Neuenkirchen): „Es wird total schwer, die Gruppenphase zu überstehen. Unsere Gruppe ist ja der Oberhammer. Viel hängt davon ab, wie das erste Spiel gegen Frankreich läuft. Gut ist, dass unsere Spieler vor Energie sprühen, den Eindruck hab' ich jedenfalls. Bei Jogi Löw bin ich mir da nicht so sicher, er ist auf den Pressekonferenzen ja immer sehr reserviert. So richtiges Feuer sehe ich da nicht. Es wirkt fast so, als glaube er selbst nicht so richtig dran. Ich würde mir da mehr Emotionen wünschen. Den Kader finde ich insgesamt gut, vor allem in der Offensive sind wir stark besetzt. Aber was Niklas Süle im Kader soll, hab' ich nicht verstanden. Da wäre mir Jerome Boateng lieber gewesen.“

Drei für den Angriff:  Thomas Müller, Serge Gnabry und Kai Havertz  (von links). Foto: dpaDrei für den Angriff:  Thomas Müller, Serge Gnabry und Kai Havertz  (von links). Foto: dpa

Georg Möhlmann (Holdorf, Herren-Spielleiter NFV-Kreis Vechta): „Ich glaube, Deutschland kommt nicht weit. In den letzten Monaten ist einiges schief gelaufen. Es war keine Einheit zu erkennen, man hat sich schlecht verkauft. Und ich weiß nicht, ob die kurze Zeit in Seefeld ausgereicht hat, um einen Teamspirit zu entwickeln. Aber auch bei einem frühen K.o. wäre mir wichtig, dass die Mannschaft vernünftig Fußball spielt und sich gut verkauft. Einen Favoriten habe ich nicht, eventuell die Franzosen. Vielleicht holen wir gegen die im Auftaktspiel mit Glück ein Unentschieden. Generell finde ich die Idee mit den elf Städten in elf Ländern nicht gut. Diese ganze Kommerzialisierung gefällt mir nicht. Eine EM in ein oder zwei Ländern fände ich auf jeden Fall besser.“

Christian Düker (wechselt zur neuen Saison vom SV Bevern zu BW Lohne): „Jogi Löw hat sich jetzt endlich dazu entschieden, Kai Havertz spielen zu lassen. Auch Thomas Müller und Mats Hummels sind absolute Verstärkungen. Sie bringen vor allem die nötige Kommunikation auf den Platz. Ob es zum Titel reicht, da bin ich eher skeptisch. Frankreich ist für mich der klare Topfavorit, denn sie sind auf allen Positionen Weltklasse besetzt. Für Deutschland ist aber das Halbfinale allemal drin.“

Timi Kastanis (Trainer BV Essen): „Deutschland besitzt einen guten Kader aus Spielern mit Erfahrung sowie jungen und unberechenbaren Akteuren. Die Mannschaft wird sich für die K.o.-Runde qualifizieren. Danach hoffen wir mal , dass das gewohnte deutsche Losglück wieder da ist.Damit werden wir dann ins Halbfinale kommen. Da dürfte dann aber gegen den Dritten der Weltmeisterschaft und für mich neuen Europameister Belgien verlieren.“

Willi Hoping (Klubchef SC Bakum): „Ich bin sehr skeptisch, was die Vorrunde angeht. Ich hab' meine Zweifel, ob alle Schwachpunkte beseitigt sind. Nach dem 7:1 gegen die Letten glauben ja viele, dass die Welt wieder in Ordnung ist. Ich bin da vorsichtig. Ich hoffe einfach, dass wir uns da irgendwie durchmogeln. Die Franzosen sind zu stark, die Portugiesen können wir aber schlagen. Der Kader ist im Großen und Ganzen gut zusammengestellt, auf die letzten zwei Positionen kommt's eh nicht an. Kimmich auf rechts – das ist für mich eine gute Lösung. Nach vorne haben wir einige Spieler dabei, die ein Spiel entscheiden können, bei denen es aber leider auch die Gefahr gibt, dass sie harmlos sind. Ich bin gespannt.“

Michael Macke (Trainer SV Thüle): „Bei der Betrachtung des Kaders zähle ich Deutschland zu den besten Teams. Ein großer Block besteht aus Münchener Bayern, eine der besten Mannschaften der Welt. Dazu kommen Säulen vom Champions-League-Sieger und mit Gündogan und Kroos zentrale Spieler europäischer Topklubs. Wenn der Bundestrainer Kimmich auf der rechten Seite spielen lässt und sich ein Torjäger findet, kann die deutsche Nationalmannschaft jeden Gegner schlagen. Mein Tipp: Wir starten mit einem achtbaren Remis gegen die Franzosen und steigern uns im Laufe des Turniers. Am Ende geht's mindestens bis ins Halbfinale.“

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