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Endspurt für Rasta Vechta: Sportdirektor fordert mehr Konstanz

Im OM-Online-Interview spricht Gerrit Kersten-Thiele über den Abstiegskampf in der 2. Basketball-Bundesliga ProA.

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Einschwören für den Endspurt: Rastas Coach Vladimir Lucic, hier in Bremerhaven. Foto: Bente

Einschwören für den Endspurt: Rastas Coach Vladimir Lucic, hier in Bremerhaven. Foto: Bente

Am 1. März hat Gerrit Kersten-Thiele beim heimischen Basketball-Zweitligisten Rasta Vechta die neu geschaffene Position des Sportdirektors übernommen. Der 41 Jahre alte gebürtige Göttinger, der in Meerbusch bei Düsseldorf wohnt, ist verantwortlich für den gesamten Leistungssport im Verein – vom ProA-Team bis zum Nachwuchsbereich. Im OM-Medien-Interview spricht Rastas Sportchef über den Abstiegskampf in der 2. Bundesliga ProA, die Ziele für den Endspurt und die ProB-Ambitionen des Farmteams. Vor dem ProA-Heimspiel am Samstagabend (19.30 Uhr) gegen den Tabellenzweiten Science City Jena nimmt Kersten-Thiele das Team von Coach Vladimir Lucic in die Pflicht. Er sagt: „Die Mannschaft muss jetzt noch mal Konstanz aufs Feld bringen.“

Niederlage gegen Hagen, Sieg in Karlsruhe – in Ihrer ersten Woche als Sportdirektor gab's gleich eine wilde Achterbahnfahrt. Das ist nichts für schwache Nerven. Ja, das ist auf jeden Fall eine neue Herausforderung. Und im Verein ist ja gerade auch viel in Bewegung, es tut sich viel. Da gibt's viele Baustellen und Themen, die auf einen zukommen.

Die letzten zwei Spiele stehen stellvertretend für eine Saison voller Schwankungen. Ist Rasta eine launische Diva? Launische Diva – das trifft's ganz gut. Rasta ist aber auch ein Klub, der den eigenen Ansprüchen und Erwartungen hinterherläuft, das kann man nicht anders sagen. Die Mannschaft lässt aber immer wieder aufblitzen, zu was sie in der Lage ist. Die Aufholjagd gegen Hagen war ja nicht die erste, und der Start am Sonntag war furios. Da sieht man, was diese Mannschaft doch kann.

Seit dem 1. März im Amt: Rastas Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele (Mitte), hier mit den Klubchefs Stefan Niemeyer (rechts) und Lukas Middendorf. Foto: BenteSeit dem 1. März im Amt: Rastas Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele (Mitte), hier mit den Klubchefs Stefan Niemeyer (rechts) und Lukas Middendorf. Foto: Bente

Umso ärgerlicher dürfte es sein, dass Rang zwölf bislang die beste Platzierung in dieser Saison ist? Das ist das, was ich meine mit den Ansprüchen, die man im Sommer hatte und denen man nun deutlich hinterherhinkt.

Das Polster auf die Abstiegsplätze beträgt wieder sechs Punkte. Hat sich Entspannung eingestellt? Ich kann mich mit dem Wort Entspannung nicht anfreunden. Wir haben jetzt noch sechs Spiele, in denen wir konstant zeigen müssen, was wir können – unabhängig davon, was dann am Ende in der Tabelle steht. Die Mannschaft muss jetzt noch mal Konstanz aufs Feld bringen.

Geht's jetzt um Schadensbegrenzung? Um Wiedergutmachung? Was ist der richtige Begriff für den Saisonendspurt? Alle müssen zeigen, dass sie es verstanden haben, dass es hier um attraktiven Basketball mit Vollgas geht. Dass nicht alles funktioniert, gehört zum Sport dazu. Aber der Einsatz sollte bedingungslos sein. Und man muss mit maximalem Fokus an die Sache herangehen. Der Verein und die Fans haben es verdient, dass das jeder Einzelne tut.

Voller Einsatz, voller Fokus – das haben in der Vergangenheit nicht immer alle hingekriegt ... Absolut. Wenn es so gewesen wäre, müssten wir jetzt nicht über diese Fragen sprechen.

Selten ist ein BBL-Absteiger im ersten ProA-Jahr so sehr ins Straucheln geraten wie Rasta in dieser Saison. Wie lautet Ihre Erklärung für diesen Absturz? Ich hab' Rasta Vechta natürlich die ganze Zeit verfolgt und einen guten Kontakt zum Verein gehabt. Trotzdem möchte ich nicht so sehr in die Vergangenheit gucken. Ich möchte mich mehr mit der Zukunft befassen. Und mir steht es nicht zu, über das Vergangene zu urteilen. Das würde ich nur ungern tun.

Rasta hat 21 Spieler eingesetzt. Fünf Spieler aus dem Anfangskader wurden aussortiert, es gab sechs Nachverpflichtungen. Ist es Ihre wichtigste Aufgabe, dieses Heuern und Feuern zu stoppen? Eine gute Planung, ein gutes Gefühl für die Spieler, die man holt, ist natürlich immer einer der Schlüssel für eine erfolgreiche Saison. Das geht nicht immer auf, es gibt keine Garantien.

Rasta Vechta hat 13 Profis unter Vertrag, und alle Verträge laufen nach der Saison aus. Bahnt sich der nächste große Umbruch an? Oder gibt's ein Wiedersehen mit dem einen oder anderen? Natürlich gibt's einige Spieler, die wir auch in der nächsten Saison gerne wieder in Vechta sehen würden. Wir schauen jetzt sehr genau hin, aus welchem Holz sie geschnitzt sind, ob sie auch jetzt noch alles reinschmeißen. Aber das sollte eigentlich jeder generell für sich tun. Am Ende guckt jeder Trainer, jeder Verein genau hin, was die Spieler gemacht haben. Für uns ist es auf jeden Fall sehr wichtig, was jetzt noch passiert.

Kommen wir zum Trainer: Bleibt Vladimir Lucic auch 2022/23? Zunächst einmal muss man festhalten, dass Vladi das Team in einer schwierigen Situation übernommen hat. Ein Team, das er nicht selbst zusammengestellt hat. Er hat es geschafft, das Team zu stabilisieren. Aber auch bei diesem Thema gilt, dass wir uns voll auf die letzten sechs Spiele konzentrieren. Erst danach werden wir alles besprechen.

In Richard Washington, Sheldon Eberhardt und Jannes Hundt sind zuletzt drei Spieler aufs Abstellgleis geraten. Hat Lucic seine 9er/10er-Rotation gefunden? Vladi und sein Trainerstab haben sich zuletzt sehr genau angeguckt, was wie funktioniert hat. Sie probieren Sachen aus, wie ja auch der Sonntag gezeigt hat. Aber Abstellgleis? Nein, so würde ich es nicht formulieren. Das waren sehr situationsabhängige Entscheidungen, die vom Trainer getroffen wurden.

Fakt ist aber auch, dass Hundt, Washington und Eberhardt in den letzten fünf, sechs Spielen wenig bis gar nicht gespielt haben. Ja, das ist richtig.

Richard Washington wurde nach dem Aus für A.J. Turner nachverpflichtet und spielt bislang überhaupt keine Rolle. Steht er stellvertretend für die Personalmisere in dieser Saison? Nein, auf keinen Fall. Da muss man im Blick behalten, dass die ganze Situation bei Rasta Vechta nicht leicht ist – erst recht nicht für jemanden, der frisch vom College kommt. Seine Verpflichtung war ein Risiko, das man bewusst eingegangen ist. Richard ist ein sehr talentierter Spieler, der sich noch in einem Anpassungsprozess für Europa befindet. Das würde ich nicht so negativ sehen, wie es vielleicht auf Außenstehende wirkt.

Ex-Erstligisten wie Jena, Bremerhaven, Hagen, Trier oder Tübingen haben den sofortigen Wiederaufstieg verpasst und spielen mittlerweile schon einige Jahre in der ProA. Wie will Rasta es schaffen, dass es mit der BBL-Rückkehr nicht so lange dauert? Zunächst einmal muss man im Blick haben, dass die letzten zwei Jahre im Sport, auch im Basketball, nicht einfach waren. Corona hat alles erschwert. Rasta Vechta hat eine sehr stabile Führungsebene mit der Familie Niemeyer/Middendorf. Diese Führung ist klar und präsent. Gepaart mit der Infrastruktur gibt es hier sehr gute Voraussetzungen. Das ist bei den genannten Vereinen nicht überall so gewesen. Deshalb glaube ich fest daran, dass wir wieder nachhaltig einen erfolgreichen Standort entwickeln und auch nach oben angreifen können.

Am Samstagabend geht's gegen Jena, das das beste Dreier-Team der Liga ist. Was erwarten Sie vom Spiel gegen den Tabellenzweiten und BBL-Anwärter? Ich erwarte, dass sich die Spieler zerreißen. Man hat gegen Hagen gesehen, zu was uns die Fans anpeitschen können. Mit Jena kommt ein Topteam der Liga, das sehr tief besetzt ist und viel Qualität auf allen Positionen hat. Das sind solche Spiele, in denen es ja oft leichter ist, sich zu motivieren. Ich hoffe, dass wir den Fans ein gutes Spiel bieten können.

Apropos Fans: Gegen Hagen hätten 2300 Dauerkarten-Besitzer kommen können. Es kamen allerdings längst nicht alle, vielleicht gut die Hälfte. Muss sich Rasta Vechta die Gunst des Anhangs ganz neu erarbeiten? Ja, ganz klar. Dass die Fans von dieser Saison enttäuscht sind, ist absolut nachvollziehbar. Aber ich erinnere auch gerne an Freitag: Toll, wie schnell die Fans wieder im Spiel waren, wenn sich ein Spieler auf den Ball geworfen hat. Dieser Einsatz wird gefeiert und honoriert. Man hat das Kribbeln gemerkt, wenn die Fans da sind. Unsere Spieler sind nun gefordert, den Fans zu zeigen, dass wir das verstehen, dass wir alles in die Waagschale werfen.

Für Rastas Farmteam in der 1. Regionalliga Nord läuft's prächtig. Platz eins, viele Siege, die Playoffs vor Augen, den Aufstieg im Visier. Macht eine ProA/ProB-Konstellation Sinn für Rasta? Das macht für den Basketball-Standort Vechta auf jeden Fall Sinn – mit so vielen lokalen, jungen Talenten, die in den Startlöchern stehen und auch schon ein wichtiger Teil des Teams sind. Wir wollen sie nachhaltig entwickeln. Da ist es fast schon eine logische Konsequenz, sich ganz konkret mit dem Thema ProB auseinanderzusetzen.

Ein Team in der ProA, eins in der ProB – ist das organisatorisch und finanziell zu stemmen? Auch diese Frage wird im Moment diskutiert. Der finanzielle Mehraufwand ist da, keine Frage. An einigen Stellen ist sicher auch mehr Manpower vonnöten. Es wird auf jeden Fall heiß diskutiert – und das Interesse, es zu machen, ist sehr, sehr groß.


Rasta Vechta gegen Jena: Infos zum Spiel

  • Samstag (12. März), 19.30 Uhr.
  • Das Hinspiel: Rasta siegte beim damaligen Spitzenreiter mit 82:81. Eine Sekunde vor Schluss traf Josh Young per Freiwurf. Seine Quote an der Linie: 12/12.
  • Rastas Bilanz gegen Jena: In der ProA gab's bislang neun Duelle (inkl. Finale 15/16), Jena führt mit 6:3. Die BBL-Bilanz lautet 2:2.
  • Jenas Topscorer: Julius Wolf ist mit 15,0 Punkten pro Partie die Nr. 1, gefolgt von Routinier Brandon Thomas (14,3), Alexander Herrera (13,5), Rayshawn Simmons (10,9) sowie Ex-Rasta-Center Clint Chapman (10,4), der nach Ablauf seiner Rekordsperre (zwölf Spiele nach Kopfstoß-Attacke) seit Mitte Februar wieder dabei ist.
  • Zuschauer: 2355 Fans sind erneut das erlaubte Maximum. Neben den Dauerkarten gingen 200 Tageskarten in den Verkauf.
  • Kostenloser Livestream bei sportdeutschland.tv

Rasta Vechta trauert um Dylan Talley

Es war eine traurige Nachricht, die Rasta Vechta Mitte der Woche aus Amerika erreichte: Dylan Talley, der in der Saison 2013/14 dem ersten BBL-Kader des aktuellen Basketball-Zweitligisten angehörte, ist in den USA im Alter von nur 32 Jahren verstorben. Die Todesursache ist nicht bekannt. Ex-Rasta-Coach Pat Elzie hatte Talley im Sommer 2013 als Rookie von der University of Nebraska verpflichtet. Talley, der später noch für Nürnberg in der ProA spielte, kam in der Saison 2013/14 auf 16 BBL-Einsätze für Rasta und verbuchte dabei 7,1 Punkte im Schnitt. Unvergessen: Er war mit zwei Dreiern in der Schlussphase der Matchwinner beim historischen ersten BBL-Sieg in Trier. Sein Vertrag wurde im Februar 2014 aufgelöst, seinen Platz im Kader übernahm Will Conroy.

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