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Elf junge Männer im Trikot der „DJK“

Ein altes Foto führt auf die Spur der katholischen Sportvereine in unserer Region vor 1933.

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Elf Männer nach Spielende: Diese Fußballmannschaft hat Clemens Bokern um 1930 fotografiert. Gesucht werden die Namen und die Herkunft. Foto: Heimatverein Bakum/Sammlung Bokern

Elf Männer nach Spielende: Diese Fußballmannschaft hat Clemens Bokern um 1930 fotografiert. Gesucht werden die Namen und die Herkunft. Foto: Heimatverein Bakum/Sammlung Bokern

Elf knackige junge Männer im Fußballdress. Und niemand weiß bislang, um wen es sich handelt. Der Bakumer Heimatverein hat diese Aufnahme in einer erstaunlichen Sammlung von 800 Fotoglasplatten des früheren Carumer Malermeisters Clemens Bokern gefunden.

Die Fotos sollen nun nach und nach ausgewertet werden. Beginn wir als Beispiel mit dem Fußball-Team.

Das Foto dürfte, der Sportkleidung nach, auf das Ende der 1920er/den Beginn der 1930er Jahre verweisen. Auf dem Trikot ein Aufnäher: „DJK“: „Deutsche Jugendkraft“.

Die jungen Männer gehören also zu einem Team eines Vereins dieses katholischen Sportverbandes, der deutschlandweit 1920 gegründet wurde.

Es gibt nur sporadische Informationen

Willy Schulze hat im „Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1996“ beschrieben, dass sich in Vechta Ende 1927 zwölf bereits bestehende Sportgruppen zu einem DJK-Bezirk „südliches Oldenburg“ zusammenfanden.

Schulze hat die leider nur sporadischen Informationen über die Frühgeschichte der katholischen Sportler zusammengestellt. So gab es 1929 die Gründung eines „DJK-Gaues Oldenburg“ mit verschiedenen Bezirken, in deren Grenzen jeweils Fußball-Meisterschaften oder andere sportliche Wettkämpfe ausgetragen wurden.

Es gab daneben aber auch überregionale DJK-Wettkämpfe, sogar Fußball-Länderspiele des deutschen DJK gegen die Niederlande.

Katholische Sportvereine wurden vom Klerus abgelehnt

Katholiken und eigene Sportvereine: Das war lange umstritten, wurde vom Klerus abgelehnt, bis sich vor allem jüngere Priester des Themas annahmen und die jungen Männer – Frauensport war damals gesellschaftlich noch sehr umstritten – aus den kirchlichen Vereinen wie Gesellenverein oder Arbeiterverein  in den DJK-Gruppen sammelten.

Ein Beispiel ist Dinklage, wo sich neben dem bestehenden Turnverein von 1904 eine sehr aktive DJK-Abteilung entwickelte. Sie erhielt sogar hinter dem Gesellenhaus eine eigene Turnhalle, die auch als Fest- und Theatersaal genutzt werden konnte.

Im südlichen Oldenburg ragte eine 1929 gegründete DJK-Fußballmannschaft heraus: Blau-Weiß-Lohne. Alfons Batke hat einen Lohner Triumph in seinem Buch zum 100-jährigen Bestehen des BWL genau beschrieben: 1932 wurde Blau-Weiß sensationell durch einen Sieg über den DJK Zwickau Mitteldeutscher Fußballmeister.

Spieler des Tages war Linksaußen Clodius: „Wenn er am Ball ist, geht ein Raunen durch die Menge.“

Wettbewerbe aller Sportverbände wurden ab Mitte 1933 zusammengefasst (siehe OV-Bericht vom 31. Juli 1933).Wettbewerbe aller Sportverbände wurden ab Mitte 1933 zusammengefasst (siehe OV-Bericht vom 31. Juli 1933).

Im Oldenburger Münsterland hatte zu Beginn der 1930er Jahre der DJK eine starke Stellung. So gab es laut Schulze in den drei Bezirken Cloppenburg, Friesoythe und Vechta insgesamt über 40 aktive Gruppierungen. Die größeren Vereine schufen sich jeweils eigene Sportanlagen, die feierlich eingeweiht wurden.

In den örtlichen Tageszeitungen wurde die nicht unbedingte üppige regionale Sportberichterstattung damals unterteilt nach den Dachverbänden DJK, Deutscher Turnerbund (DT) und Norddeutscher Sportverband (NSV).

Blicken wir jetzt auf das Bakumer Mannschaftsfoto, sehen wir offensichtlich eine sehr ländliche Umgebung; ein Sportplatz ist nicht zu erkennen.

Sollte Clemens Bokern damals im Bakumer Bereich fotografiert haben, könnten die Spieler aus den bestehenden DJK-Abteilungen in Carum, Lüsche oder Bakum stammen. Es gab in der unmittelbaren Umgebung aber auch weitere DJK-Verbände.

Die Nazis zogen einen Schlussstrich

Mit Hitler endete der Aufschwung des katholischen Sportwesens. Im Zuge der reichsweiten „Gleichschaltung“ aller Verbände wurden dem DJK schon ab Mitte des Jahres 1933 öffentliche Auftritte verboten.

In Barßel durfte am 29. Juni das große Sportfest noch stattfinden. Das Anfang Juli in Meppen geplante große Niedersachsenfest der DJK in Meppen musste aber abgesagt werden.

Ein vorläufiger Schlussstrich wurde von den Nazis dann Ende Juli 1933 gezogen: Im Zuge der „Neuorganisation des deutschen Sports“ blieben die Vereine zwar bestehen, der Spiel- und Wettkampfbetrieb musste aber in das System des Reichssportbundes eingegliedert werden.

Unter diesem massiven Druck kam es dann zum Beispiel in Lohne 1934 zur Vereinigung der bestehenden Sportvereine; an anderen Orten verlief es ähnlich.

Der Reichsleiter des DJK wurde 1934 ermordet

Für den DJK selbst kam es aber noch schlimmer: Im Zuge des sogenannten „Röhmputsches“ – mit dieser Mordaktion wollte Hitler sich von unliebsamen Gegner befreien – wurde am 1. Juli 1934 auch der Reichsleiter der DJK Adalbert Probst ermordet.

Sein Verband wurde im Jahr darauf komplett verboten. Nach dem Kriegsende lebten auch im Oldenburger Münsterland eine Reihe von DJK-Sportvereinen wieder auf oder wurden neu gegründet, die heute in den allgemeinen Sportbetrieb integriert sind.

  • Leser, die Personen auf dem Foto erkennen, können sich an den Heimatverein Bakum (Franz-Josef Göttke, Hubert Kröger) wenden bzw. die Angaben auch an die OV senden.

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