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Einfache Rechnung, schwere Umsetzung

Gegen Alba Berlin war Rasta Vechta absolut chancenlos. Am Montag steigt nun das „Endspiel“ gegen Bamberg. Ob Kapitän Josh Young spielen kann, ist sehr fraglich.

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Pokern im Quarantäne-Quartier: Rastas Betreuer Sebastian Südkamp, Ishmail Wainright, Physiotherapeutin Theresa Heuritsch, Luc van Slooten und Philipp Herkenhoff (von links) beim Kartenspielen auf der Terrasse des BBL-Hotels. Foto: Wiedensohler / Duda

Pokern im Quarantäne-Quartier: Rastas Betreuer Sebastian Südkamp, Ishmail Wainright, Physiotherapeutin Theresa Heuritsch, Luc van Slooten und Philipp Herkenhoff (von links) beim Kartenspielen auf der Terrasse des BBL-Hotels. Foto: Wiedensohler / Duda

Nein, so hatten sich die Basketballer von Rasta Vechta ihren kurzen Auftritt im ZDF-Sportstudio gewiss nicht vorgestellt. Der Sonntag war bereits eine knappe halbe Stunde alt, als im TV-Klassiker über das Finalturnier der BBL in München berichtet wurde; genauer gesagt über das Spiel von Vechta gegen Alba Berlin. Ob der eine oder andere Rasta-Profi beim nächtlichen Zappen durch das TV-Programm auf seinem Einzelzimmer im Leonardo Royal Hotel, dem Quarantäne-Quartier der BBL, beim Sportstudio hängen geblieben ist, ist nicht überliefert. Falls ja, könnte es schwer geworden sein mit dem Einschlafen. Denn: Rasta war beim 72:102 (31:58) absolut chancenlos, das Team von Coach Pedro Calles spielte eine trostlose erste Halbzeit, der Außenseiter war nur ein Spielball für den Pokalsieger – und am Ende stand die dritthöchste Niederlage in Rastas BBL-Historie.


Rastas höchste Niederlagen in der 1. Bundesliga

  • Saison 2016/17 gegen Bayern München 57:101 (-44)
  • Saison 2018/19 bei Alba Berlin 67:104 (-37)
  • Saison 2019/20 gegen Alba Berlin 72:102 (-30)
  • Saison 2016/17 bei Brose Bamberg 75:104 (-29)
  • Saison 2016/17 gegen Brose Bamberg 68:96 (-28)

Kurios: Im Prinzip war das Alba-Spiel bedeutungslos, erst in der Partie gegen Ex-Serienmeister Brose Bamberg am Montag (16.30 Uhr) entscheidet sich, ob Rasta ins Viertelfinale kommt oder nicht. Pedro Calles sieht zumindest Teil eins anders, für den Rasta-Coach war das Kräftemessen mit Alba sehr wohl von Bedeutung. Nicht wegen des nackten Resultats, sondern eher wegen der Art und Weise, wie sein Team auftrat. „Wir brauchen gar nicht an Bamberg denken, wenn wir so spielen wie in den ersten 20 Minuten gegen Alba“, sagte Calles am späten Samstagabend. Man müsse sich Gedanken machen, „wie wir unseren Basketball besser spielen“. Um gegen Bamberg eine bessere Leistung abrufen zu können, sei die „richtige Einstellung“ nötig.

Zu den Fakten: Rasta geht mit 0:6 Punkten und als Schlusslicht der Gruppe B in den letzten Vorrundenspieltag im Audi-Dome, kann aber noch aus eigener Kraft ins Viertelfinale einziehen. Dafür reicht gegen Bamberg schon ein Sieg mit nur einem Punkt Differenz. Sollte Rasta die Franken schlagen, käme es zum Dreiervergleich mit Bamberg, Frankfurt und Vechta, die dann alle 2:6 Punkte hätten und jeweils einen Sieg und eine Niederlage in den Dreiervergleich einbringen würden. Das Korbverhältnis aus den Partien untereinander würde die Entscheidung bringen – und hier hätte Rasta bessere Karten als Frankfurt. Schlägt Rasta die Bamberger mit zehn oder mehr Punkten Differenz, würde Vechta gar auf Platz drei vorrücken.

Calles interessieren diese Rechenspielchen nur am Rande. Er fordert vor allem „mehr Gegenwehr“, „mehr Energie“ und „dass wir uns von unserer besseren Seite zeigen“. Gegen Alba lag Rasta nach 16 Minuten mit 30 Punkten zurück (16:46) – der höchste Rückstand für Vechta in der BBL zu einem so frühen Zeitpunkt.

Rasta, personell eh nicht gerade auf Rosen gebettet, musste auf den verletzten Kapitän Josh Young (Patellasehne) verzichten und taumelte in der ersten Halbzeit über das Parkett. Erst nach der Pause wurde es etwas besser. Und im Windschatten von Trevis Simpson (21 Punkte) und Jaroslaw Zyskowski (16), die zum dritten Mal in Serie das Topscorer-Duo bildeten, sammelte auch Philipp Herkenhoff (14) Selbstvertrauen für Montag.

Kessens trifft einen alten Bekannten

„Wir müssen unser Spiel über 40 Minuten spielen, nicht nur 20. Das heißt nicht, dass wir dann auch gewinnen. Aber dann haben wir zumindest die Chance auf den Sieg“, sagte Rastas Center Michael Kessens am Sonntag in der BBL-Pressekonferenz im Hotel. Neben ihm saß Bambergs Retin Obasohan und hörte gut zu. Der Belgier und Kessens spielten von 2014 bis 2016 gemeinsam für die University of Alabama. „Wir waren die einzigen Europäer im Team. Wir sind gute Freunde geworden“, sagte Kessens. Eine Freundschaft, die am Montagnachmittag ebenso ruhen wird wie in den vier Duellen zuvor (3:1 für Kessens).

Bamberg würde sogar eine Niederlage mit 28 Punkten für Platz vier reichen. „Wir wollen gewinnen und nicht rechnen“, sagte Obasohan. Sein Teamkollege Christian Sengfelder pflichtete ihm bei: „Dass wir verlieren dürfen, sollte uns egal sein. Wir müssen unseren Rhythmus finden. Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir wollen uns jetzt eine gute Ausgangslage für das Viertelfinale verschaffen.“ Bamberg, das sich kurz vor der Corona-Zwangspause noch mit Ex-NBA-Spieler Jordan Crawford verstärkt hat, präsentierte sich in München sehr wechselhaft – eine Parallele zur Vor-Corona-Zeit. Gegen Alba hielt Bamberg gut mit (91:98), gegen Ludwigsburg gab's Prügel (74:103) und beim 99:83 gegen Frankfurt ließ man nach einer guten ersten Halbzeit (58:36) deutlich nach. „Bullshit, this is Bullshit!“, tobte Coach Roel Moors in einer Auszeit.

Ob Rasta, das fünf der letzten sechs Spiele gegen Bamberg gewonnen hat, am Montag wieder auf Josh Young zurückgreifen kann, ist sehr fraglich. „Es sieht nicht gut aus“, gab Calles zu. Er hätte seinen Kapitän natürlich gerne dabei, „aber es gibt auch den Punkt, wo man den Spieler schützen muss“. Kessens meinte dazu: „Wenn Schlüsselspieler nicht dabei sind, ist es nie einfach. Aber es darf keine Ausrede sein.“ Und so gab Jarelle Reischel das Motto aus: „Kämpfen und Herz zeigen“. Er versprach: „Wir werden bereit sein.“



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