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Eine herbe Packung mit vielen Fragezeichen

Nach der dritten Niederlage im dritten BBL-Spiel sucht Rasta Vechta nach Erklärungen. Hier der Nachbericht zum 78:96 in Braunschweig - inklusive Highlight-Video.

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Die Einsamkeit des Kapitäns: Josh Young nach dem Spiel in Braunschweig. Foto: Susanne Hübner

Die Einsamkeit des Kapitäns: Josh Young nach dem Spiel in Braunschweig. Foto: Susanne Hübner

Als der Karren längst im Dreck feststeckte, griffen die Fehlstarter noch mal tief in die Zauberkiste. Jordan Barnett ließ es zweimal krachen. Seine Alley-Oop-Dunkings nach Pässen von Josh Young und Dennis Clifford waren schön anzusehen und seine Bewerbungen für die nächste Nominierung für das Highlight-Video „Top 10 der Woche“. Aber – und auch das gehörte zur bitteren Wahrheit von Rasta Vechta: Die zwei Aktionen aus dem letzten Viertel brachten nichts ein, Rasta lag bei beiden Barnett-Dunks mit jeweils 21 Punkten zurück. Brotlose Kunst könnte man also auch sagen.

Fakt ist: Rasta verlor am Samstagabend sein Auswärtsspiel in der Basketball-Bundesliga bei den Löwen Braunschweig mit 78:96 (46:44) – eine herbe Klatsche gegen das jüngste Team der BBL, das voll auf die deutsche Karte setzt und nur drei ausländische Profis im Kader hat. Rasta zeigte eine gruselige zweite Halbzeit und offenbarte erneut große Probleme in der Defense.

Rastas Trainer Thomas Päch trat die Rückreise mit „einigen Fragezeichen“ im Kopf an. „Ich kann es im Moment noch nicht nachvollziehen“, gab er zu: „Wir sind mit einem guten Gefühl ins Spiel gegangen, weil wir eine gute Trainingswoche hatten. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir es überhaupt nicht mehr aufs Feld gebracht.“ Ein 0:12-Lauf zu Beginn des dritten Viertels warf Rasta völlig aus der Bahn, aus einem 50:44 wurde ein 50:56.

Im dritten Jahr in Folge ein Start mit 0:6 Punkten

Von diesem Hänger erholten sich die Gäste nicht mehr – obwohl noch genug Zeit auf der Uhr war und „obwohl wir ja nur sechs Punkte hinten waren“, so Päch. Und er konstatierte: „Die schlechte Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit hat uns aus allem rausgenommen. In der Offense hat die Klarheit gefehlt, in der Defense die Kommunikation und die Energie.“ Und so startete Rasta im dritten Jahr in Folge mit 0:6 Punkten in eine BBL-Saison, inklusive Pokal sind's sogar fünf Niederlagen in Serie.

„Wir haben nicht gut gespielt“, stellte Josh Young ebenso nüchtern wie treffend fest. Er sagte es auf Deutsch, in seiner Muttersprache hätte der Amerikaner wahrscheinlich noch deutlichere Worte gefunden. Minutenlang saß der Rasta-Kapitän nach dem Spiel auf einem Stuhl und analysierte den Statistikbogen. Woran hat's gelegen? „Keine Ahnung“, sagte Young: „Wir brauchen mehr Energie. Jetzt ist es ernst, wir müssen mehr Gas geben.“ Er monierte abermals die fehlende Kommunikation in der Defense. Und: „Wir müssen aggressiver spielen.“ Rasta verbuchte lediglich zwei Steals und stellte seinen Negativrekord ein. Nur zwei Ballgewinne in der BBL – das hatte Rasta vorher nur dreimal, im Oktober 2013 gegen Ludwigsburg, im September 2016 gegen Braunschweig sowie im Februar 2017 in Tübingen.

Apropos Abwehr. „Unsere 'transition defense' war eine Katastrophe“, haderte Young. Gemeint ist das Umschalten von Angriff auf Verteidigung. Rastas Rückwärtsbewegung nach einem eigenen Korberfolg oder einem Ballverlust war in der Tat mangelhaft. In den sechs Pflichtspielen der Saison kassierte Rasta im Schnitt 91,2 Punkte sowie über zwölf Dreier pro Partie. Braunschweig traf sogar 15 Mal von jenseits der 6,75-m-Linie – und das bei einer Quote von über 40 Prozent. Die Gegenspieler? Oft viel zu weit weg.

Dabei war die erste Halbzeit von Rasta noch „sehr solide“, wie Päch betonte. Rasta war gut im Spiel, der erste Sieg keine Utopie. Umso gravierender kam der Einbruch nach der Pause daher. „In so einer Phase muss einfach mehr von den Leistungsträgern kommen. Da brauchen wir dann mehr Stabilität und Führung. Sie müssen Verantwortung übernehmen, haben es aber leider nicht hinbekommen“, monierte Päch. Gemeint waren die Guards Stefan Peno, Jean Salumu und Josh Young. Peno und Salumu erwischten einen schwarzen Tag, bei Young war's einen Tick besser.

Prominenter Gast mit Pudelmütze: NBA-Profi Dennis Schröder, alleiniger Gesellschafter der Löwen Braunschweig. Foto: Susanne HübnerProminenter Gast mit Pudelmütze: NBA-Profi Dennis Schröder, alleiniger Gesellschafter der Löwen Braunschweig. Foto: Susanne Hübner

Dennis Clifford, der vierte Anführer im Bunde, verbuchte immerhin mit zwölf Punkten und zehn Rebounds sein erstes Double-Double in der BBL überhaupt, konnte damit das Unheil aber auch nicht abwenden. Rastas Topscorer war Jordan Barnett mit 15 Punkten, gefolgt von Will Vorhees (13). Zweistellig punktete auch Jannes Hundt (10), der jenen Biss zeigte, der manchem Kollegen fehlte. „Er war einer der wenigen Lichtblicke in der zweiten Halbzeit und hat gute Impulse gegeben“, sagte Päch. Hundts zweiter Dreier zum 69:82 brachte kurz die Hoffnung zurück, aber die bissigen Löwen konterten per 9:0-Lauf.

Braunschweig konnte sich auf seine „Fantastischen Vier“ verlassen. Lukas Meisner (19 Punkte), Kostja Mushidi, Karim Jallow (je 18) und Luc van Slooten (15) bildeten das überragende Quartett des Abends und kamen zusammen auf 70 Punkte. Rechnet man noch die Ausbeute von Gavin Schilling (10) hinzu, sind's sogar 80 Punkte aus der Schwarz-Rot-Gold-Fraktion. Ein Wert für die BBL-Geschichtsbücher – und ein Wert, der Dennis Schröder strahlen ließ. Der NBA-Profi, seit Mai alleiniger Gesellschafter bei seinem Heimatklub, verfolgte die Partie dick eingepackt mit Winterjacke, Rollkragenpullover und Pudelmütze.

Vor den Augen des neuen Guards der L.A. Lakers drehte vor allem Luc van Slooten auf. Der 18-Jährige, der im Sommer nach vier Jahren bei Rasta Vechta die Zeit für einen Tapetenwechsel gekommen sah („Ich wollte raus aus der Komfortzone“), traf fünf Dreier – einen weniger als in 25 BBL-Spielen für Rasta zusammen. Mit 15 Punkten überbot er auch seine bisherige Bestmarke im Rasta-Trikot (11 Punkte gegen Crailsheim beim Finalturnier in München). „Schön, dass ich dem Team helfen konnte. Ich bin glücklich“, sagte der in Vechta geborene und in Quakenbrück aufgewachsene van Slooten, der von einem „verdienten Sieg“ sprach. „Ich bin sehr stolz auf Luc. Er hat gut gespielt“, sagte auch Young.

Salumu und Peno mit Nationalteams unterwegs

Rastas Kapitän und seine Kollegen haben nun viel Arbeit vor sich. „Wir müssen defensiv stabiler werden“, sagte Päch erneut. Mit einem Doppeleinsatz am 4. und 6. Dezember gegen Bayreuth und in Ulm geht's weiter. Über weite Strecken des anstehenden Trainingsblocks werden Salumu und Peno nicht dabei sein. Die EM-Qualifikation ruft. Salumu spielt mit Belgien in Vilnius gegen Litauen und Tschechien, Peno trifft mit Serbien in Espoo auf die Schweiz und Gastgeber Finnland. Eine Konstellation, die für Rasta alles andere als optimal ist. „Es ist, wie es ist“, so Päch. Für Samstag ist ein Test gegen Oldenburg geplant. Päch hofft, dass dann auch Philipp Herkenhoff, der in Braunschweig erneut pausierte und seine Länderspiel-Reise nach Pau absagte, wieder mitwirken kann. „Wir müssen jetzt Schritte nach vorne kommen“, meinte Päch.


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