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Ein Vechtaer schnuppert Bundesliga-Luft

Handballer Christian Herz stand beim TBV Lemgo zum ersten Mal im Erstliga-Kader. Ein Riesenerlebnis für den 19-Jährigen, auch wenn er noch nicht zum Einsatz kam.

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Teamgeist auf der Bank: Christian Herz freut sich mit den Kollegen. Foto: TBV Lemgo Lippe/Paul Cohen

Teamgeist auf der Bank: Christian Herz freut sich mit den Kollegen. Foto: TBV Lemgo Lippe/Paul Cohen

Den Triumph im Derby erlebte er nur von der Bank aus mit, dennoch genoss Christian Herz seine Schnupperstunde in der Handball-Bundesliga in vollen Zügen. „Es war auf jeden Fall cool, eine ganze Woche mit den Profis zu verbringen. Natürlich hätte ich gerne auch ein paar Minuten gespielt, aber das Team geht vor, das ist das Wichtigste“, sagt der 19-Jährige. Und dieses Team hatte am vergangenen Sonntag reichlich Grund zum Feiern. In einer dramatischen Partie setzte sich der TBV Lemgo Lippe mit 29:27 (14:14) gegen den ostwestfälischen Rivalen GWD Minden durch. Christian Herz aus Vechta, eigentlich in der zweiten Mannschaft der Lemgoer in der 3. Liga zu Hause, stand dabei erstmals im Kader der Profis.

Der Grund dafür war Corona. Neben drei Langzeitverletzten fielen beim TBV gleich sieben Spieler quarantänebedingt aus. So rückten mit Christian Herz, Maxim Schalles, Thore Oetjen und dem A-Jugendlichen Max Hollstein vier Nachwuchsspieler in den Kader der Ersten auf.

„Das war alles sehr kurzfristig“, erinnert sich Christian Herz. „Ich war über die Ostertage in Vechta. An Karfreitag hatte ich dann einen verpassten Anruf auf meinem Handy – und der war von Florian Kehrmann.“ Der 43-jährige Weltmeister von 2007 ist seit 2014 Chefcoach des TBV. Christian Herz rief den einstigen Weltklasse-Rechtsaußen sofort zurück. „Er fragte mich dann, ob ich nach Lemgo kommen könne, um am Dienstag vorsorglich einen PCR-Test zu machen.“

Der Rückraumspieler, der seit 2017 in Lemgo lebt, ließ sich nicht zweimal bitten. Nach zwei negativen PCR-Tests erhielt er Zugang zur Corona-„Bubble“ des Bundesliga-Kaders. Und absolvierte von Mittwoch bis Samstag das komplette Training mit den Profis, inklusive Krafttraining und Videovorbereitung. Ins Training der Profis hatte der junge Rückraumspieler auch in Vor-Corona-Zeiten schon mal reinschnuppern dürfen. Auch in Testspielen kam er schon zum Einsatz. „Aber jetzt war es zum ersten Mal das volle Programm.“

Sein Traum vom Profihandball lebt weiter

Je näher der Spieltag rückte, desto nervöser wurde er. „Ich hatte schon schwitzige Hände“, gibt er zu: „Lemgo gegen Minden – das ist hier so ein Derby wie Werder - HSV oder Schalke - Dortmund.“ Doch Kehrmann nahm den Neulingen ihre Nervosität: „Er hat gesagt: Wenn ihr reinkommt, macht einfach euren Job und macht euch keine Gedanken“, berichtet Christian Herz. Und auch die Profis – darunter Stars wie Christoph Theuerkauf, der Schwede Jonathan Carlsbogård oder die Spanier Gedeon und Isaias Guardiola – nahmen die Neuen freundlich auf. „Das ist eine sehr nette und herzliche Mannschaft“, sagt Christian Herz. Nach dem Einlaufen legte sich dann auch seine Nervosität. „Als ich auf der Bank saß, hatte ich richtig Lust aufs Spiel.“

In der bis zum Ende umkämpften Partie kam von den Aushilfen nur Maxim Schalles zum Einsatz – Christian Herz' früherer WG-Mitbewohner und heutiger Trainingspartner sowie Mit-Azubi bei den Stadtwerken, wo der Vechtaer eine Lehre als Kaufmann für Marketingkommunikation absolviert. Der 21-jährige Schalles hatte bereits vor zwei Jahren seine ersten Bundesliga-Tore erzielt und wurde nun gegen Minden mit vier Treffern zu einem der Matchwinner. Nach dem Schlusspfiff ließen die Mitspieler ihn hochleben.

Doch auch für Christian Herz und die anderen Youngster gab es ein Lob. „Auch wenn sie nicht zum Einsatz kamen, waren sie eine wichtige Absicherung für das Team während des Spiels und eine große Hilfe im Training und in der Vorbereitung“, hieß es auf der TBV-Homepage.

In dieser Woche trainierte Christian Herz weiter bei den Profis mit. Ob er auch mit zum Auswärtsspiel am Samstag (18.30 Uhr) beim HSC Coburg reisen würde, hing auch von der Personalsituation ab. Sein letztes Spiel mit dem Team HandbALL Lippe II in der 3. Liga Nord-West absolvierte der Vechtaer am 31. Oktober. Beim 30:27 gegen den HSV Hannover erzielte er in der Schlussphase zwei ganz wichtige Tore. Nach einer Pause ab Mitte Dezember ist das Team seit dem 8. März nun wieder voll im Training. „Das erste Mal wieder Harz an den Fingern und den Ball ins Netz werfen – das war schon ein super Gefühl“, erinnert er sich.

Sein Vertrag in Lemgo läuft noch bis zum 31. Juli 2023. Und auch wenn es jetzt mit dem ersten richtigen Bundesliga-Einsatz noch nicht geklappt hat – sein Traum vom Profihandball lebt weiter. „Auf jeden Fall“, sagt er: „Wenn nicht, würde keiner von uns fünf- bis sechsmal pro Woche trainieren.“

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