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Ein Traum wird wahr: Alexander Kosenkow in Tokio dabei

Der 44 Jahre alte Leichtathlet aus Steinfeld, der auf 4 Olympia-Teilnahmen zurückblickt, begleitet als "Guide" den sehbehinderten Marcel Böttger (28) zu den Paralympischen Spielen.

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Nominiert für die Paralympics: "Guide" Alexander Kosenkow (links) und sein Sprintpartner Marcel Böttger. Foto: Mika Volkmann

Nominiert für die Paralympics: "Guide" Alexander Kosenkow (links) und sein Sprintpartner Marcel Böttger. Foto: Mika Volkmann

Die Blicke gingen gespannt nach Duderstadt – auch die von Alexander Kosenkow. Auf einer digitalen Pressekonferenz präsentierte die Nominierungskommission des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) das "Team Deutschland Paralympics". Schauplatz der Zeremonie, mit der der Countdown für die Paralympischen Spiele in Tokio (24. August bis 5. September) eingeläutet wurde, war der Sitz der Unternehmensgruppe Ottobock, einer Firma für Prothesen, Schienen, Rollstühle etc.

Alexander Kosenkow wusste nicht, was ihn dort erwartet. Klappt's mit Tokio oder nicht? Eine Frage, die den 44 Jahre alten Leichtathleten aus Steinfeld seit Tagen, besser gesagt seit Wochen und Monaten, umtrieb. "Wir hatten bis zur offiziellen Bekanntgabe keine Ahnung, ob's für Tokio reicht", sagt der Sprint-Routinier. Und dann gab es die frohe Botschaft aus Duderstadt: Ja, es hat gereicht. Kosenkow wird als "Guide" den sehbehinderten Marcel Böttger zu den Paralympics begleiten – sie werden im 100-m-Sprint starten.

"Wir freuen uns riesig, dass es geklappt hat. Das ist für uns beide sportlich eine richtig große Nummer, eine tolle Geschichte", erzählt Kosenkow. 4-mal war er schon bei Olympia – 2004 in Athen, 2008 in Peking, 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro. Nun also folgt die Premiere bei den Paralympics. Kosenkow, der früher zu den besten Kurvenläufern in Europa zählte und mit der 4x100-m-Staffel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) 4-mal EM-Silber gewann, ist ehrgeizig wie eh und je. Mit Blick auf Tokio sagt er: "Wir haben eine reelle Chance auf den Endlauf."

Nummer 7 der Weltrangliste: Marcel Böttger und Alexander Kosenkow. Foto: Mika VolkmannNummer 7 der Weltrangliste: Marcel Böttger und Alexander Kosenkow. Foto: Mika Volkmann

Die Olympia-Norm von 10,87 Sekunden konnte das Duo Böttger/Kosenkow in den vergangenen Monaten nicht knacken. Der Traum von Tokio ging dennoch in Erfüllung. Denn: Viele Läufer blieben unter der „extrem schweren Norm“ (Kosenkow). Um das 13er-Feld für die Paralympics zu komplettieren, wurde die Weltrangliste herangezogen – und dort liegen Böttger/Kosenkow mit einer Zeit von 11,08 Sekunden, aufgestellt Mitte Juni bei einem Meeting in Dortmund, auf Platz 7. "Unsere Stabilität in den letzten 2 Jahren hat vielleicht auch eine Rolle gespielt", vermutet Kosenkow: "Egal, wo wir gelaufen sind und wie die Bedingungen waren: Wir haben eigentlich immer gute Zeiten auf die Bahn gebracht."

Kosenkow und Böttger sind seit März 2019 ein Team. Bei der Para-WM 2019 in Dubai gab es Rang 7, bei der Para-EM im polnischen Bydgoszcz folgte vor anderthalb Monaten ein 4. Rang (10,95 Sekunden im Vorlauf mit etwas zu viel Rückenwind, dann 11,10 im Finale). "Wir sind absolut konkurrenzfähig", sagt Kosenkow mit Blick auf das Highlight in Tokio.

Das Duo, das während des Sprints mit einem Bändchen am Handgelenk verbunden ist, startet in der Klasse "T/F 12" für Athleten mit einer Sehkraft von 2 bis 5 Prozent. Es kann mit oder ohne Guide gelaufen werden. Letzteres kommt für Böttger, der für die BSG Bad Oeynhausen startet, nicht infrage. Der 28-Jährige, der gebürtig aus Kassel kommt, in Witten bei Dortmund lebt und dort tagsüber als Physiotherapeut arbeitet, hat auf einem Auge eine Sehkraft von 2 Prozent, auf dem anderen liegt sie gar bei null Prozent.


Alexander Kosenkow bei Olympischen Spielen:

  • 2004 in Athen: Einzelstart 100 m (Vorlauf 10,28 sec., Zwischenlauf 10,24); mit der 4x100-m-Staffel Aus im Halbfinale (6./38,64).
  • 2008 in Peking: Die Staffel qualifiziert sich für den Endlauf; dort Platz 5 in 38,58 Sekunden.
  • 2012 in London: Die drittschnellste jemals gelaufene Zeit einer deutschen Staffel (38,37) reicht nicht für die Final-Qualifikation.
  • 2016 in Rio de Janeiro: Kosenkow gehört zum Staffelkader, kommt aber nicht zum Einsatz.

Kosenkow, in seiner Glanzzeit 3-mal Deutscher Meister über 100 m, einmal über 200 m sowie 6-maliger WM-Teilnehmer, ist einer von 2 Guides im deutschen Para-Leichtathletik-Team für Tokio, hinzu kommt noch ein Pilot im Para-Radsport. Böttger ist indes einer von 134 Athletinnen und Athleten im Alter von 16 bis 66 Jahren, die vom DBS nominiert wurden. Begleitet werden sie von 119 Trainern, Betreuern und Ärzten. Als „Chef de Mission“ fungiert Karl Quade aus Dinklage – und das schon zum 13. Mal. "Wir haben trotz schwieriger Bedingungen durch die Corona-Pandemie, die Verschiebung der Spiele sowie die komplexe Qualifikation wieder eine schlagkräftige Mannschaft nominieren können", so Quade.

Für Kosenkow und Böttger geht es Ende Juli ins einwöchige Trainingslager nach Kienbaum. Der Steinfelder fährt zudem einmal pro Woche nach Witten, um dort mit Böttger an der Harmonie beim Sprint zu arbeiten. An den Wochenenden gibt es zusätzliche Kurz-Trainingslager in Warendorf oder Bad Oeynhausen. Abflug nach Tokio ist wahrscheinlich am 19. August.

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