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Ein passendes Mittel – und ein Mangel an Seriosität

Kolumne: WM in der Wüste – Thema: Die deutsche Auftaktniederlage gegen Japan.

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Ich muss schon sagen, dass ich nach dem Abpfiff des ersten Deutschland-Spiels total enttäuscht war. Angesichts der Wichtigkeit so einer Auftaktpartie ist es sehr ernüchternd, mit null Punkten dazustehen.

Die ersten 60 Minuten waren gut, das kann man schon so festhalten. Ein, zwei Wackler am Anfang – aber das ist normal bei einem Turnierstart. Danach war's besser, wobei uns allerdings ganz klar die Effizienz abhanden gekommen ist. Die Japaner bekamen schrittweise Oberwasser, die Wende hat sich irgendwie angebahnt.

Ich fand es wirklich sehr interessant, wie Hansi Flick das taktisch gemacht hat. Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu taktisch, nicht zu kompliziert: Wir waren erst immer im 4-2-4 aufgestellt, die vier Spieler vorne haben Japans Viererkette gut gebunden. Aus diesem 4-2-4 sind wir in den Dreier-Aufbau gegangen. Raum wurde extrem hochgeschoben, quasi als Linksaußen. Rüdiger, Schlotterbeck und Süle haben den Aufbau gemacht.

Es war eine sehr interessante Variante, weil wir es dadurch oft geschafft haben, über die rechte Seite flach anzuspielen und dann über das Zentrum, über Kimmich und Gündogan, die Seite zu verlagern. Wir hatten extrem viel Platz auf der anderen Seite, Japan hatte große Zuteilungsprobleme. Dadurch gab's viele gefährliche Situationen, aber leider nur ein Tor.

Es war ein passendes taktisches Mittel, das gut umgesetzt wurde. In der Phase hat auch die Restverteidigung gut geklappt. Alles lässt sich nicht verhindern, dafür sind die Japaner zu agil, zu wendig. Insgesamt war es eine Stunde lang nicht überragend, aber gut. Eins müssen wir uns ankreiden lassen: Wenn du eine Top-Nation sein willst, musst du konsequenter sein. Das sagt sich leicht von außen, aber es ist halt auch eine Qualität.

Bei den Ursachen für die Wende bin ich mir nicht ganz sicher, aber ich habe zwei, drei Ansätze. Ich fange mit Rüdiger an. Er hat für mich ein überragendes Spiel gemacht. Aber bei zwei Laufduellen so um die 60., 65. Minute, die er klar gewinnt, in denen er den Gegner stark abkocht, hatte er beim Auslaufen einen komischen Laufstil mit übertrieben langen Schritten. Für mich kam es so arrogant rüber. Da habe ich gleich gedacht: Okay, das wird bestraft. Ich habe in dem Moment wirklich befürchtet, dass sich so eine Haltung noch rächt. Auch wenn man es als Mitspieler nicht so bewusst wahrnimmt, es macht etwas mit dir. Denn es macht kein 18-Jähriger, sondern der Abwehrchef Rüdiger. Es war ein Zeichen in die Richtung: Wir haben das Ding sicher im Sack.

Danach kam eine gewisse Nachlässigkeit zustande, die sich beim 1:1 zeigt und die sich dann vor allem beim 1:2 zeigt. Süle, der sich außen an der Linie einfach nicht so wohl fühlt wie innen, hebt das Abseits auf, Schlotterbeck verliert das direkte Duell, Rüdiger hebt ewig lange den Arm und will Abseits haben, weil er Süle hinter sich nicht sieht. Er hätte, wenn er durchzieht, Schlotterbeck helfen können. Das stört mich. Mit diesem kleinen Mangel an Seriosität nimmt er sich die Chance auf ein sehr, sehr gutes Spiel.

Dazu hat mir die Struktur und die Statik mit Gündogan und Müller besser gefallen als mit Goretzka und Hofmann. Müller hat sicher kein super Spiel gemacht, aber er hat Japan vor Aufgaben gestellt und das Pressing gut organisiert. Alles zusammen hat dazu geführt, dass man Japan stark gemacht hat. Mit ihren Wechseln haben die Japaner auch gezeigt, was für einen starken Kader sie haben. Und die Reaktion in der zweiten Halbzeit, als sie mit einer Dreier- bzw. Fünferkette das Überladen ihrer linken Seite verhindert haben, war auch gut.

Und eins noch: Das Spiel hat gezeigt, wie gut ein Mats Hummels der Abwehr getan hätte. Gar nicht rein sportlich, eher als Typ, als gestandener Führungs- und Charakterspieler, der schon alles erlebt hat und in solchen Phasen sehr wertvoll wäre.

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