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Ein Märchen mit Herz und Pferdelunge

Rasta gegen Bamberg – das ist für den heimischen Basketball-Bundesligisten inzwischen ein Klassiker voller Emotionen.

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Eng dran: Rastas Josh Young (rechts) in der Defense gegen Bambergs Titelsammler Nikos Zisis – eine Szene vom 21. März 2019. Rasta verlor mit 95:101 nach Verlängerung. Foto: Schikora

Eng dran: Rastas Josh Young (rechts) in der Defense gegen Bambergs Titelsammler Nikos Zisis – eine Szene vom 21. März 2019. Rasta verlor mit 95:101 nach Verlängerung. Foto: Schikora

Gegen kein BBL-Team hat Rasta Vechta häufiger gespielt. Am Freitagabend steigt bereits Duell Nummer 14. Nachfolgend eine Zeitreise durch die Vergangenheit.

Die Zeit der Lehrstunden
In den ersten vier Duellen mit Bamberg hatte Rasta nicht den Hauch einer Chance. Dem kleinen David aus Vechta, 2013/14 und 2016/17 jeweils Aufsteiger in die BBL, wurden vom übermächtigen Goliath viermal die Grenzen aufgezeigt. In Rastas BBL-Premierenjahr konnten Richie Williams, Dirk Mädrich und Co. die Niederlagen gegen den amtierenden Meister noch halbwegs in Grenzen halten, drei Jahre später waren Frank Gaines, Moses Ehambe und Kollegen dann gegen den Titelverteidiger und späteren Meister hoffnungslos unterlegen. In Summe verlor Rasta die ersten vier Duelle mit Bamberg im Schnitt mit 21 Punkten Differenz.

Der Durchbruch
Der 12. Januar 2019 gehört zu den Sternstunden in Rastas BBL-Historie. Angeführt von Topscorer Josh Young (19 Punkte), der in Austin Hollins und T.J. Bray zwei bärenstarke Mitstreiter an seiner Seite hatte, siegte die Pedro-Calles-Crew in Bamberg mit 85:67. Es war eine Lehrstunde in Sachen Defense; eine Sensation, die Bambergs Coach Ainars Bagatskis den Job kostete. Rastas Kollektiv brachte die „Frankenhölle“, einst gefürchtet und nur schwer einnehmbar, zum Staunen und Schweigen. „Dass wir ein Team mit drei Euroleague-Champions so dominieren, war unglaublich“, sagte Calles später. „Wir befinden uns in einem Traum“, erklärte Klubchef Stefan Niemeyer nach dem 11. Sieg im 16. Spiel. Auch das Rückspiel im März erreichte Kultstatus – weil's Drama pur war. Tyrese Rice rettete den wiedererstarkten Pokalsieger aus Bamberg 1,9 Sekunden vor der Schlusssirene per Dreier in die Verlängerung, Rasta verlor am Ende mit 95:101.

Die Playoffs
Zwei Monate nach dem Krimi in Vechta hieß es: „Playoffs 2019 – Rasta ist dabei.“ Und der Gegner im Viertelfinale war wieder Bamberg. Trotz großer Verletzungssorgen auf den Big-Men-Positionen – Clint Chapman, Seth Hinrichs und Tyrone Nash verpassten alle vier Spiele, Robin Christen und Michael Kessens fehlten jeweils zweimal – gewann Rasta die Best-of-5-Serie mit 3:1. „Wir haben Geschichte geschrieben“, sagte Pedro Calles danach. In der Tat: Was zwischen dem 19. und 28. Mai passierte, war eine der größten Sensationen in der BBL-Historie. Die „Glorreichen Sieben“ wurden angeführt vom überragenden Taktgeber T.J. Bray (17,8 Punkte und 12,8 Assists im Schnitt) sowie vom unermüdlichen Austin Hollins, der auf über 37 Minuten und 23 Punkte pro Partie kam und in den vier Spielen 21 Dreier traf. Rastas Fans feierten ihre „Guardians of the Rasta-Dome“ und präsentierten in Anlehnung an US-Comics Zeichnungen von Rastas „Superhelden“. In den sozialen Netzwerken und bundesweiten Medien löste „Vechtas BBL-Märchen“ ein großes Echo aus. Von „Basketball zum Zunge schnalzen“ war die Rede, Rasta habe mit „Herz und Pferdelunge“ triumphiert. Als Calles, inzwischen Trainer der Hamburg Towers, am vergangenen Samstag vor dem Duell mit seinem Ex-Klub drei Dinge nennen sollte, die er auf ewig mit Vechta verbindet, sagte er: „Dass meine zwei Kinder in Vechta geboren sind, dass ich viele tolle Menschen getroffen habe – und die Playoff-Serie gegen Bamberg“.

Der größte Moment: T.J. Bray und Max DiLeo feiern in Bamberg den Playoff-Coup. Foto: LöbDer größte Moment: T.J. Bray und Max DiLeo feiern in Bamberg den Playoff-Coup. Foto: Löb

Die Simpson-Show
Auch in der Saison 2019/20 untermauerte Rasta seine Vorliebe für Bamberg, beide Spiele in der Hauptrunde gingen an Vechta – weil Trevis Simpson nicht zu stoppen war. Beim 86:85 in Bamberg machte er 32 Punkte (9/14 Dreier), davon drei per Dunking und Freiwurf 2,3 Sekunden vor dem Ende. Und im Rückspiel – für Rasta die erste Partie nach dem K.o. im Europacup – war er mit 23 Punkten erneut Topscorer. Beim Finalturnier in München war Rastas Rumpfteam chancenlos und verlor deutlich. Topscorer? Natürlich Simpson, diesmal mit 28 Punkten.

Der Ausblick
Duell Nummer 14 am Freitagabend (19.00 Uhr) hat klare Vorzeichen: Gastgeber Rasta steht als siegloses Schlusslicht der BBL (0:22 Punkte) enorm unter Zugzwang. Aber auch die Bamberger sind mit ihrem Herumdümpeln im grauen Mittelfeld nicht zufrieden, bei den Franken ist reichlich Druck auf dem Kessel.

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