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Ein guter Start, aber noch keine Entwarnung

Rasta Vechta zieht erste Zwischenbilanz seiner Aktion „#wirsindrasta“. Kader für Fortsetzung der Saison steht.

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Flagge zeigen für Rasta: Maskottchen Bob bei der Präsentation der Aufstellung. Foto: Becker

Flagge zeigen für Rasta: Maskottchen Bob bei der Präsentation der Aufstellung. Foto: Becker

Es ist ein Ritual bei den Heimspielen von Rasta Vechta: Wenn die Profis des Basketball-Bundesligisten bei der Präsentation der Aufstellung durch das Spalier der tanzenden „Marleys“ laufen, schwenken Maskottchen Bob oder ein Mitglied aus dem Fanclub Klettverschluss im Mittelkreis der Arena eine riesige Rasta-Fahne. Das letzte Heimspiel, der 73:72-Zittersieg gegen Gießen, ist bereits knapp sechs Wochen her – und dennoch gilt gerade: Flagge zeigen für Rasta! Im Zuge der Coronavirus-Pandemie und der Aussetzung des Spielbetriebs in der BBL hat der Klub die Aktion „#wirsindrasta“ gestartet, um den drohenden finanziellen Schaden in Grenzen zu halten. Inhaber von Tages- und Dauerkarten für die letzten fünf Heimspiele von Rasta, die bei einem Saisonabbruch oder im Falle von Geisterspielen auf eine Erstattung verzichten möchten, können dies seit gut zwei Wochen per Formular tun.

Am Mittwoch gab Rasta eine erste Zwischenbilanz bekannt. Im Bereich der Dauerkarten (insgesamt 2442), wo sich mögliche Rückforderungen zwischen 47 Euro für eine ermäßigte Stehplatzkarte und 153 Euro für eine Premium-Sitzplatzkarte bewegen, liegen bislang 1277 Rückmeldungen (52,3 Prozent) vor. Ergebnis: Für 1203 Dauerkarten erhielt Rasta eine Verzichtserklärung, 74 Mal soll die restliche Summe zurückerstattet werden. Im Bereich der 3008 verkauften Einzelkarten liegt die Rückmeldequote bislang bei 23 Prozent. Und hier gilt: 421 Mal Verzicht, 280 Mal Geld zurück. Rastas Klubchef Stefan Niemeyer freute sich über die „positiven Signale“, über eine „erfreuliche erste Tendenz“. Allein die rund 14600 Tickets für die letzten fünf Heimspiele gegen Pokalsieger Alba Berlin, Hamburg, Ulm, Göttingen und Crailsheim haben einen Gesamtwert von mehr als 330000 Euro. Für die Partien waren nur insgesamt 1094 Tickets noch nicht verkauft worden.

Im Bereich der rund 190 Sponsoren hat Rasta bislang Kontakt zu gut einem Drittel der Unterstützer aufnehmen können. Fast 50 Sponsoren sagten zu, ihr Engagement auch im „worst case“ eines Saisonabbruchs vollends fortzuführen. „Das ist ein starkes Zeichen, ein tolles Bekenntnis“, sagte Niemeyer. Ohne diese Unterstützung könnte der Klub aufgeschmissen sein. Bei aller Freude über die ersten Fortschritte beim Kassensturz war Niemeyer aber weit davon entfernt, bereits Entwarnung zu geben: „Stand heute stünden wir im schlimmsten Falle immer noch Forderungen von mehr als 550000 Euro gegenüber. Dass wir eine solche Summe stemmen könnten, ist illusorisch.“

Parallel zur ersten Phase der Verzichtserklärungen von Fans und Sponsoren hat der Klub die Kurzarbeit umgesetzt. Nach den hauptamtlichen Jugendtrainern und den Angestellten auf der Geschäftsstelle sind nun auch der vierköpfige BBL-Trainerstab um Chefcoach Pedro Calles sowie die verbliebenen neun Profis um Kapitän Josh Young in Kurzarbeit gegangen. „Wir müssen dieser existenzbedrohenden Situation gerecht werden und an allen Ecken und Enden sparen – natürlich fängt das in einem Profi-Sportklub beim Personal an“, erklärte Niemeyer und ergänzte noch: „An weiteren Stellschrauben wird gedreht, um die Kosten in dieser Krise so gut es eben geht herunterzufahren.“

Steve Vasturia, Jordan Davis, Kamari Murphy und Ishmail Wainright stehen nach ihrer Rückreise in die USA inklusive Vertragsauflösungen nicht mehr auf der Gehaltsliste des Tabellensechsten. Wainright würde aber bei einer Saisonfortsetzung zurückkehren, die Option wurde vor seiner Abreise fixiert. Klar ist allerdings auch: Der Power Forward müsste ebenso wie Max DiLeo, der auch zu seiner Familie in die USA gereist ist, dessen Vertrag aber noch gültig ist, nach der Rückkehr erst einmal in eine häusliche Quarantäne.

An der Pariser Straße wurde zudem beschlossen, dass die beiden Rasta-II-Spieler Tim Insinger (Center) und Malte Stenzel (Aufbau) bei einer Rückkehr zum Spielbetrieb in den BBL-Kader aufrücken würden. Calles stünden dann für die restlichen elf Hauptrundenspiele insgesamt zwölf Spieler zur Verfügung – neben Young, Wainright, Insinger und Stenzel noch Michael Kessens, Zabian Dowdell, Max DiLeo, Trevis Simpson, Philipp Herkenhoff, Justin Raffington, Jarelle Reischel und Luc van Slooten. Robin Christen befindet sich nach seiner Knie-Operation weiter in der Reha.

Eine Rückkehr in den Trainingsbetrieb ist bei Rasta Vechta aktuell kein Thema – sie wäre mit der Kurzarbeit nicht zu vereinbaren. Das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport hatte am Dienstag allen Spitzensportlern grünes Licht für die Rückkehr in die Trainingseinrichtungen erteilt. „Natürlich unter Einhaltung aller geltenden Abstands- und Hygienevorschriften“, so Innenminister Boris Pistorius. Die Landesregierung hielt fest, dass für Athleten, die mit dem Sport ihren überwiegenden Lebensunterhalt bestreiten, das Training als Berufsausübung anerkannt wird.

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