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Ein Gründervater und sein liebstes Kind

Außen vor: In einer Serie rückt OM online ehrenamtliche Mitarbeiter heimischer Sportvereine in den Vordergrund. Heute Matthias Soika, Jugendwart des TV Lohne.

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Haut sich rein: Der 62-jährige Matthias Soika ist Jugendleiter und Ressortleiter Sport beim TV Lohne. Fotos: von Holt 

Haut sich rein: Der 62-jährige Matthias Soika ist Jugendleiter und Ressortleiter Sport beim TV Lohne. Fotos: von Holt 

Matthias Soika macht Asche – und zwar ordentlich. Und mindestens einmal pro Woche. Da schlendert der 62-jährige Lohner dann über die Anlage des Tennisvereins und schaut nach dem Rechten. Hier mal ein Netz reparieren, da mal Linien nachziehen, hier mal Unebenheiten ausglätten, da mal Plätze abziehen. Ascheplätze, versteht sich. Denn die müssen und sollen im Sommer natürlich ordentlich aussehen.

Auf der Tennisanlage fühlt sich Soika „wie zu Hause“, wie er sagt. Selbst ist er noch bei den Herren 50 in der Bezirksliga aktiv. Der Trainingsbetrieb ist nach der Corona-Unterbrechung wieder angelaufen, die acht Plätze des TV Lohne seien wieder voll belegt, erklärt Matthias Soika. Die Trainingsbeteiligung nach Wiederbeginn sei gut, „die Leute kommen alle wie verrückt“, sagt er. Der Start des Punktspielbetriebs ist für den 13./14. Juni vorgesehen – ohne Duschen, Umkleiden und wohl auch ohne Doppel-Paarungen. Aber immerhin – Ende April hatte Soika gegenüber dieser Zeitung noch gemutmaßt, dass ein Punktspielbetrieb Mitte Juni „wohl utopisch ist“.

Bei Erreichen der Rente soll's erst richtig losgehen

In erster Linie ist Matthias Soika beim TVL der Ressortleiter Sport und seit 2003 als Jugendleiter Mitglied im Vereinsvorstand. Kurz nachdem der Verein 1971 gegründet wurde, war Soika schon mit von der Partie. Mit einer Unterbrechung vom Ende der 70er bis 1998 war er ununterbrochen Klubmitglied. Ein Stopp? Kommt höchstens auf dem Platz infrage. Soika denkt noch nicht ans Aufhören. In knapp vier Jahren geht der ehemalige Lehrer und heutige Lehrerausbilder in Rente, und dann soll's erst richtig losgehen: „Da will ich noch mal Gas geben, an Konzeptionen, Trainings- und Ernährungsplänen feilen.“ Denn: Nach dem Spiel „braucht man zum Bier auch Wasser“, erklärt Soika.

Zudem würde er die Integrationsarbeit des Vereins gern noch vertiefen. Im Moment kooperiert der TVL mit dem Lohner Jugendtreff sowie der Marienschule, sodass regelmäßig Kinder zu Gast auf der Anlage sind. Soika: „Es ist eine Freude, wenn man sieht, dass zum Beispiel Kinder von der Hauptschule mit Gymnasiasten zusammenspielen und keiner fragt, woher man eigentlich kommt.“ Es sind solche Begebenheiten, die der Lohner als Triebfeder für seinen ehrenamtlichen Einsatz sieht. Wenn die Kinder mit einem Strahlen zum Tennis kommen, „das ist die höchste Motivation“, sagt Soika.

Die Filzkugel im Blick: Matthias Soika spielt mit dem TV Lohne in der Bezirksliga der Herren 50.Die Filzkugel im Blick: Matthias Soika spielt mit dem TV Lohne in der Bezirksliga der Herren 50.

An sein erstes eigenes Punktspiel erinnert er sich noch: In Visbek habe er „zehn Asse geschlagen – und 50 Doppelfehler“. Zum Vergleich: Deutschlands aktuell erfolgreichster Tennisspieler Alexander Zverev kommt auf knapp 400 – im kompletten Jahr 2019 (Quelle: Sportschau). Und das war noch eines seiner schlechteren, zumindest, was den Aufschlag angeht. Soika verlor sein Spiel übrigens „haushoch“, wie er sagt.

Was die Mitgliederzahl betrifft, sind die Lohner auf gutem Weg zurück zu ihrer Blüte. „Zu Zeiten von Boris und Steffi hatten wir rund 600 Mitglieder“, erklärt der Ressortleiter Sport. Zwischenzeitlich nahm diese Zahl um rund ein Drittel ab, mittlerweile pendelt sie wieder um die 540, davon knapp 250 Kinder. Der TV Lohne stellt aktuell 20 Jugend- und 15 Erwachsenenmannschaften und möchte das Areal an der Steinfelder Straße gerne erweitern. Angesichts der aktuellen Corona-Krise ist Matthias Soika jedoch „skeptisch“, dass dieses Projekt umgehend „in die Gänge kommt“.

Tenniscrack Soika hat einen fußballerischen Albtraum

Trotz der Regelung des Tennisverbandes Niedersachsen-Bremen, die kommende Sommersaison als Übergangsphase einzustufen und auf Auf- und Absteiger zu verzichten, denken die Lohner übrigens nicht an einen Rückzug aus dem Punktspielbetrieb: „Wir wollen den Leuten das Spielvergnügen nicht nehmen“, sagt Soika. Die Jugendlichen legen sowieso erst nach den Sommerferien los und bis dahin hofft der TVL noch auf weitere Lockerungen der aktuellen Corona-Beschränkungen.

Da zwei seiner Hobbys (Reisen und Klassik-Konzerte) derzeit durch die Pandemie auf Eis gelegt sind, kann sich Matthias Soika weiter voll aufs Vereinswesen konzentrieren. Sein großer Traum, eine Küstenrundreise durch Irland, muss zunächst mal bis mindestens 2021 weitergeträumt werden. Da kommt es dem nach eigenen Angaben „leidgeprüften HSV-Fan“ auch gelegen, dass hierzulande zumindest die Fußball-Bundesligen wieder losgelegt haben. Ein Albtraum für ihn wäre dagegen ein mögliches Relegationsspiel zwischen dem HSV und Werder Bremen. Da hat der beim Offizialat angestellte Soika eine klare Meinung: „Gott bewahre beide Teams davor.“

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