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Ein gern gesehener Gast aus dem Nachbarkreis

Schiedsrichter Helmut Wessels ist auch oft in Cloppenburg im Einsatz. Heute ist er noch als Beobachter unterwegs.

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Alles akkurat dokumentiert: Helmut Wessels hat die Unterlagen zu seinen mehr als 220 Spielen als Fußballschiedsrichter sorgfältig archiviert.Foto: Langosch

Alles akkurat dokumentiert: Helmut Wessels hat die Unterlagen zu seinen mehr als 220 Spielen als Fußballschiedsrichter sorgfältig archiviert.Foto: Langosch

Er hat nicht weniger als 50 „Dienstjahre“ angesammelt. Der Schiedsrichter Helmut Wessels ist eine der Größen schlechthin im hiesigen Fußballgeschäft. Der 69-jährige Dinklager hat in seiner Laufbahn rund 220 Begegnungen geleitet, so manches Mal war er auch im Kreis Cloppenburg zu Gast.

„Rund 150 Spiele habe ich im Nachbarkreis gepfiffen“, erzählt Helmut Wessels. Das passierte schon lange, bevor sich die beiden Fußballkreise Vechta und Cloppenburg auf einen Austausch mit ihren Unparteiischen verständigten, der heute gang und gäbe ist und sich auch auf die übrigen Nachbarkreise ausgedehnt hat. In den allermeisten Fällen war (und ist) er auf den Plätzen sehr gern gesehen. Helmut Wessels strahlt Souveränität aus, mit seiner besonnenen Art lenkt er die Partien auch durch schwierige Phasen.

Als A-Jugendlicher hatte er mit der Vechtaer Kreisauswahl in Oldenburg die Bezirksmeisterschaft errungen. Schnell fasste er in der ersten Herrenmannschaft seines Heimatvereins, TV Dinklage, Fuß. „Aber die Schiedsrichterei hat mich schon immer angezogen“, sagt Wessels. 1971 entschied er sich, allein dieser Leidenschaft zu frönen und beendete seine Laufbahn als Spieler.

Fast ein Vierteljahrhundert war er im Bezirk unterwegs

Fast ein Vierteljahrhundert war er im Bezirk unterwegs, von 1978 bis 1993 kam er auch auf Verbandsebene zum Einsatz, in der Amateuroberliga Nord, der heutigen Regionalliga, war er als Assistent dabei. Über seine Spiele führt Helmut Wessels akribisch Buch. Jede einzelne Partie hat er notiert und in Aktenordnern abgeheftet, einschließlich der Spielberichte, die er sich von den jeweiligen Zeitungen vor Ort besorgt hatte. „Das ist heutzutage online kein Problem, damals habe ich ein paar Tage vorher einen Brief an die Redaktion geschrieben, mir eine Montagsausgabe zuzusenden. Das Porto hatte ich beigelegt“, meint Wessels.

Unter seinen zahllosen Spielen waren auch so manche kuriose. „Am Silvestertag 1972 hatte die DJK seinen Nachbarn jenseits der Kreisgrenze, BW Lüsche, herausgefordert. Über 200 Elstener Fans bejubelten die DJK-Führung, am Ende aber setzte sich Bezirksligist Lüsche mit 6:1 durch“, erinnert sich Wessels, der am 6. April 1975 auch die Bezirksligapartie des VfL Löningen gegen den BV Essen leitete: „Über 700 Zuschauer sahen dieses Nachbarschaftsderby, der damalige Bundesminister Kurt Schmücker war Stadionsprecher. Von der Stimmung her aber war es drei Wochen später noch beeindruckender, als der BV Varrelbusch gegen den TuS Syke II mit 2:1 gewann. Der BVV-Torwart, ich meine, er hieß Göring, hielt zwei Elfmeter. Die 300 Zuschauer sorgten nach dem Schlusspfiff für einen Jubel, wie ich ihn nur selten erlebt habe.“

Liste packender Partien im Kreis Cloppenburg ist lang

Die Liste packender Partien im Kreis Cloppenburg ist lang. „Ich erinnere mich auch noch gut an den 1. Oktober 1978, als der FC Lastrup in der Verbandsliga gegen den BV Cloppenburg schon mit 3:0 führte, sich vor 700 Zuschauern aber mit einem 3:3 begnügen musste. Am 27. März 1994 habe ich das Heimspiel des SV Molbergen in der Bezirksoberliga gegen Tura Melle (2:1) gepfiffen. Unter den Gästefans stand auch der Exnationalspieler Horst Szymaniak, der seinerzeit Vereinswirt bei Tura war.“

Eine besondere Begegnung hatte Helmut Wessels mit Trainerlegende Werner Biskup. Es war am 29. November 2008 im Kreisligaspiel des SC Sternbusch gegen den SV Cappeln. „Sternbusch lag zur Pause 0:1 zurück und ich konnte aus meiner Schiri-Kabine jedes Wort verstehen, das Biskup an seine Spieler richtete. Das war eine der besten Ansprachen, die ich je gehört habe, ,Wenn ihr verlieren wollt, macht also weiter. Wenn wir aber gewinnen wollen, müssen wir etwas anders machen‘. Dieser Satz ist mir noch sehr präsent. Biskup hatte eine überzeugende, klare und harte Linie, aber immer fair. Solch‘ einen Umgang mit Spielern habe ich selten erlebt“, erzählt Wessels. Die Ansprache verfehlte ihre Wirkung übrigens nicht: Sternbusch gewann noch mit 3:2.

Heute ist er noch als Beobachter unterwegs

Ein tragisches Ereignis verbindet Helmut Wessels mit der Kreisligapartie der SF Sevelten gegen den TuS Emstekerfeld II (0:2) am 19. November 2011: „Nach dem Spiel habe ich erfahren, dass sich Schiedsrichterkollege Babak Rafati vor einer Bundesligabegegnung des 1. FC Köln versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Das hat mich ziemlich schwer getroffen. Babak Rafati hatte ich schon Jahre vorher im Regionalligaspiel des VfL Osnabrück gegen den VfL Herzlake noch mit Bestnote beurteilt.“

Helmut Wessels‘ Schiedsrichtereinsätze beschränken sich heute zwar auf den Kreis Vechta, aber als Beobachter – diese Tätigkeit übt er seit 1974 aus – ist er regelmäßig im Kreis Cloppenburg unterwegs. „Ich sehe zwar immer zu, dass ich ein ruhiges Plätzchen finde, um den Schiedsrichter auch konzentriert beobachten zu könne. Aber viele Leute kennen mich natürlich und es ist eine schöne Anerkennung für mich, wenn sie mich freundlich begrüßen und einen kleinen Plausch halten.“


Fakten:

  • Helmut Wessels begann als Fußballer in der Jugend des TV Dinklage. 1969 gewann er als A-Junior die Bezirksmeisterschaft. n Seine Spielerlaufbahn beendete er früh, um sich von 1971 an der Schiedsrichterei zu widmen.
  • Von 1971 bis 1995 pfiff Wessels auf Bezirks-, von 1978 bis 1993 auf Niedersachsenebene. Bis heute ist er noch auf Kreisebene im Einsatz.
  • Insgesamt hat der Dinklager bislang rund 220 Begegnungen geleitet.
  • Seit 1994 ist Helmut Wessels auch als Schiedsrichterbeobachter unterwegs; von 1996 bis 2004 im Norddeutschen Fußballverband, von 1996 bis 2010 im Niedersächsischen Fußballverband. Mehr als 600 Beobachtungen sind bis heute zusammengekommen.

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