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Die Zeichen stehen auf Aufbruch

Aufsteiger BW Lohne geht voller Tatendrang in die Oberliga-Saison. Im Fokus steht der Klassenerhalt. BWL will neue Wege gehen, aber auf dem Teppich bleiben.

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BW Lohne: Hinten von links Gerrit Menkhaus, Christopher Schepp, Bernard Suffner, Claude Videgla, Nico Gill, Kai Westerhoff, Sandro Heskamp, Aaron Goldmann und Trainer Henning Rießelmann; Mitte von links Co-Trainer Jürgen Westendorf, Torwarttrainer Uwe Schumacher, Philipp Selke, Malte Beermann, Tom Behrendt, Andrej Homer, Felix Oevermann, Gino Lago-Bentron, Betreuer Daniel Fässler und Betreuer Danny Meyer; vorne von links Lennard Prüne, Jan Leiber, Martin Kaufmann, Felix Schumacher, Christoph Bollmann, Philip Kreimer, Leo Kamke, Peter Sieve und Rilind Neziri. Foto: Schikora

BW Lohne: Hinten von links Gerrit Menkhaus, Christopher Schepp, Bernard Suffner, Claude Videgla, Nico Gill, Kai Westerhoff, Sandro Heskamp, Aaron Goldmann und Trainer Henning Rießelmann; Mitte von links Co-Trainer Jürgen Westendorf, Torwarttrainer Uwe Schumacher, Philipp Selke, Malte Beermann, Tom Behrendt, Andrej Homer, Felix Oevermann, Gino Lago-Bentron, Betreuer Daniel Fässler und Betreuer Danny Meyer; vorne von links Lennard Prüne, Jan Leiber, Martin Kaufmann, Felix Schumacher, Christoph Bollmann, Philip Kreimer, Leo Kamke, Peter Sieve und Rilind Neziri. Foto: Schikora

Neue Saison, neue Liga, neuer Spruch an der Kabinenwand. „Keiner von uns kommt hier lebend raus. Also hört auf, euch wie ein Andenken zu behandeln. Esst leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Habt Spaß, seid fröhlich und haltet zusammen. Für nichts anderes ist diese Zeit.“ Mit diesem leicht abgewandelten Zitat von Schauspieler Anthony Hopkins und einer spürbaren Aufbruchstimmung starten die Fußballer von BW Lohne ihr Abenteuer namens Oberliga. Nach 14 Jahren kehrte BWL im Sommer zurück in die Fünftklassigkeit. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung ist getan – weitere sollen folgen.

Durch den coronabedingten Abbruch der Saison hatte Lohne Ende Juni offiziell seine selbst erklärte Vorgabe „Aufstieg“ erfüllt. Zeit für neue Ziele. „Wir wollen uns step by step weiterentwickeln“, sagt Trainer Henning Rießelmann. Der Lohner Drei-Jahres-Plan sieht in dieser Spielzeit den Klassenerhalt, in der nächsten eine Top-5-Platzierung und in der übernächsten den Aufstieg in die Regionalliga vor. Rießelmann merkt an, dass der Standort Lohne alle wichtigen Zutaten dafür mitbringe, sagt aber auch: „Ein Aufstieg ist nie planbar.“ Ohnehin spricht bei BWL aktuell niemand von Aufstieg – sondern eher von Nichtabstieg.

„Jedes Spiel ist fifty-fifty“, betont der Coach und hebt aus der Lohner Oberliga-Staffel Weser-Ems/Lüneburg insbesondere den SC Spelle-Venhaus und den Heeslinger SC hervor. Deren Kader seien insgesamt stärker als der Lohner. Dennoch gelte die Prämisse: „Wir fahren überall hin, um zu gewinnen.“

„Wir sind jetzt auf der nächsten Stufe.“Lohnes Trainer Henning Rießelmann

In der sogenannten Qualifikationsrunde werden zunächst Hin- und Rückspiele ausgetragen. Die besten Fünf beider Staffeln qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde, die Teams ab Platz sechs gehen in die Abstiegsrunde. „Mannschaften der Meisterschafts- bzw. Abstiegsrunde, die in der Qualifikationsrunde bereits gegeneinander gespielt haben, spielen nach der Neueinteilung nicht mehr gegeneinander. Für diese Spiele werden die Ergebnisse aus den Qualifikationsspielen gewertet“, heißt es in der Ausschreibung. Das bedeutet: In der Meister- oder Abstiegsrunde hätte Lohne nur noch fünf Gegner. Es gibt einen Aufsteiger, der Zweite geht in die Relegation. Mindestens die sechs schlechtesten Teams steigen ab. Lohne täte gut daran, der Abstiegsrunde aus dem Weg zu gehen.

Rießelmann, der in seine zweite Saison geht, ist zuversichtlich, dass innerhalb eines Jahres die Strukturen geschaffen wurden, um in der Oberliga zu bestehen. „Wir bleiben auf dem Teppich“, bekräftigt er, das Wort „Demut“ fällt häufiger. Aber er betont dennoch: „Wir wollen auch neue Wege gehen.“ Innerhalb der letzten Spielzeit sei bereits extrem viel verändert worden – sportlich, aber auch infrastrukturell. Rießelmann spricht von „außergewöhnlichen Rahmenbedingungen“, wenngleich noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien. „Wir sind jetzt auf der nächsten Stufe“, sagt er. So hätten auch immer mehr Leute im Verein registriert, dass sich bei BW Lohne etwas bewegt – und zwar zum Guten. Man wolle „ein neues Wir-Gefühl entfachen“. Rießelmann weiß auch, dass sein Entwicklungsdrang phasenweise einen kleinen Kulturschock ausgelöst haben könnte. „Ich bin manchmal zu ungeduldig“ gibt er zu.

Die Atmosphäre im Verein, das bedingungslose Vertrauen der Verantwortlichen, ist ihm besonders wichtig. Im „Inner Circle“ mit Fußball-Abteilungsleiter Manuel Arlinghaus und Stellvertreter Lars von Lehmden ziehe man absolut an einem Strang, auch die Zusammenarbeit mit A-Jugendtrainer Andreas Hinrichs und Reserve-Coach Thorsten Plogmann sei sehr harmonisch. Ein perfektes Klima ist für Rießelmann auch innerhalb der Mannschaft das oberste Gebot, um erfolgreich zu sein. Deshalb auch das Zitat von Anthony Hopkins. „Du spielst besser mit Freunden als mit Kollegen“, erklärt er. Daher habe man die Mannschaft auch nur „konservativ, aber punktuell verstärkt“ und keinen Umbruch herbeigeführt.

Auf der Torhüterposition ist BWL mit Christoph Bollmann nun hervorragend besetzt, auch neben dem Platz sieht Rießelmann ihn für seine „charakterlich super Mannschaft“ als großen Gewinn. Das gilt auch für Bernard Suffner, der nach zwei Jahren beim VfB Oldenburg jetzt in Lohne spielt – dort, wo er auch in der A-Jugend aktiv war. Ihn bezeichnet der Coach als „unheimlich wissbegierig“ und „unheimlich zweikampfstark“. Die Zugänge aus der eigenen A-Jugend wie Peter Sieve und Leo Kamke seien „technisch sehr stark“.

Einer der Neuen: Rilind Neziri (rechts) bei seinem ersten Auftritt im Lohner Dress gegen den SV Meppen. Foto: SchikoraEiner der Neuen: Rilind Neziri (rechts) bei seinem ersten Auftritt im Lohner Dress gegen den SV Meppen. Foto: Schikora

Und auch über Rückkehrer Christopher Schepp („ein unheimliches Talent“) ist Rießelmann besonders froh. Vor allem seine Qualitäten im Abschluss seien beeindruckend. Mit Rilind „Lindi“ Neziri wurde kurzfristig noch eine Verstärkung vom BSV Rehden geholt – insbesondere von seiner Flexibilität möchte Lohne profitieren.

Mit Jakub Bürkle (Mittelfuß-OP) fällt ein Neuzugang dagegen für die gesamte Hinrunde aus. Er teilt sich das Schicksal mit Frank Placke, bei dem aufgrund einer Verletzung im Spiel beim 1. FC Köln eine Operation am Syndesmoseband vonnöten war.

Mit der Qualität im Kader ist Rießelmann hochzufrieden. „Sechs, sieben Positionen sind besetzt“, sagt er und gibt dem Gerüst Namen: Christoph Bollmann, Malte Beermann, Kai Westerhoff, Felix Oevermann, Gerrit Menkhaus, Sandro Heskamp (auch Co-Trainer) und Aaron Goldmann. Im Laufe der Vorbereitung haben sich aber noch weitere Akteure in den Blickpunkt gespielt. Einer davon: Claude Videgla. Der Sechser sei „wie ein Neuzugang“, weil er fit und verletzungsfrei sei.

Der Trainer hebt auch Lennard Prüne hervor, der sich seit seinem Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft herausragend entwickelt habe – und auch in der Oberliga eine Waffe im Offensivspiel sein soll.

Alle Zutaten für ein Regionalliga-Gericht

Taktisch setzt Rießelmann auf Variabilität. In der Vorbereitung zeichnete sich aber schon ab, dass BWL sehr gut mit einer Dreierkette klarkommt. 4-2-3-1 sei aber ebenfalls möglich, so der Coach. In erster Linie zählen für ihn die Spieler, nicht das System. In der Gesamtheit sei das Team „extrem lernwillig“ und „pflegeleicht“. Man will technisch guten Fußball mit wenigen Kontakten bieten. Beim Kapitänsamt werden die Lohner übrigens auch in dieser Saison auf das Rotationsprinzip setzen, um die Verantwortung auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Die zurückliegende Saisonvorbereitung bezeichnet Rießelmann als „spannend und erfolgreich“. Gerade Testspiele wie gegen Antwerpen (0:1), Köln (1:2), Osnabrück (1:10) und Meppen (1:1) werden wohl vielen in Erinnerung bleiben. „Wir machen das nicht, um anzugeben, sondern um uns weiterzuentwickeln“, begründet Rießelmann die Gegner-Auswahl. Er will die Messlatte bewusst höher legen, um an Gegnern zu wachsen. In anderen Sphären schwebt BWL deshalb trotzdem nicht. Da gibt sich auch Rießelmann keinen Illusionen hin. „Die Oberliga ist Neuland für uns“, betont der Dinklager, „es werden auch Niederlagen dabei sein.“

Von dem Ziel, mittelfristig in die Regionalliga aufzusteigen, sollen diese Lohne nicht abbringen. „Den größten Druck machen wir uns sowieso selbst“, sagt Rießelmann. Er sieht es durchaus auch als Anreiz, den Leuten, die das Lohner Vorhaben kritisch beäugen, „zu beweisen, dass wir es können“. Er meint aber auch: „So viel zu kritisieren gibt's da nicht. Wir verhalten uns loyal.“ Zudem stellt er klar: „Die Ziele, die wir uns stecken, sind ja nicht aus der Luft gegriffen.“ Lohne bringe als Industriestandort auch die Finanzkraft für Regionalliga-Fußball mit – alle Zutaten für dieses Gericht seien vorhanden. Der Coach weiter: „Die Spieler kommen zu uns, weil sie sehen, dass sich hier etwas entwickelt.“

Dem Helmut-Schmidt-Zitat „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ können sie in Lohne gar nichts abgewinnen. „Ich finde es wichtig, dass wir Visionen haben, aber realistische“, meint Henning Rießelmann. Auf dem Weg zur Umsetzung der Ziele orientiert sich BWL lieber an Anthony Hopkins. Im Film „Die Vorsehung“ spielt der Brite den Psychologen John Clancy, einen Mann mit seherischen Fähigkeiten. Gerne würde man ihn nach der Lohner Zukunft fragen. Doch niemand weiß, wie es kommt – vor allem nicht im Fußball. Es gibt lediglich Vorzeichen. Für BWL stehen sie gut.


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BW Lohne - Kader 20/21

  • Abgänge: Christian Bröring (Karriereende), Jannik Wetzel (Emden), Sebastian Plog (Friesoythe), Michael Kolbeck (GW Mühlen).
  • Zugänge: Christoph Bollmann (TuS Bersenbrück), Christopher Schepp (Verl II), Bernard Suffner (VfB Oldenburg), Jakub Bürkle (SV Bevern), Rilind Neziri (BSV Rehden), Tom Behrendt, Peter Sieve, Leo Kamke, Felix Schumacher (alle eigene A-Jugend).
  • Tor: Philip Kreimer (29), Christoph Bollmann (29), Felix Schumacher (19).
  • Abwehr: Malte Beermann (28), Felix Oevermann (25), Bernard Suffner (21), Philipp Selke (21), Frank Placke (29), Tom Behrendt (18).
  • Mittelfeld: Sandro Heskamp (26), Gino Lago-Bentron (28), Claude Videgla (30), Gerrit Menkhaus (26), Kai Westerhoff (26), Andrej Homer (27), Aaron Goldmann (26), Peter Sieve (19), Jakub Bürkle (27), Martin Kaufmann (20), Leo Kamke (18), Jan Leiber (20), Rilind Neziri (25).
  • Angriff: Nico Gill (25), Lennard Prüne (25), Christopher Schepp (20).
  • Trainer: Henning Rießelmann (37), 2. Saison.
  • Saisonziel: So schnell wie möglich den Klassenerhalt sichern.
  • Meistertipp: Spelle, Heeslingen, Germania Egestorf/Langreder.
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