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Die Vereinigung der Wolf-Brüder

Lange hat's gedauert, jetzt hat's geklappt: Enosch und Julius Wolf spielen erstmals zusammen – und zwar beim Basketball-Zweitligisten Rasta Vechta.

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Tipps vom Kapitän: Julius Wolf (Mitte) mit Andrew Jones (links) und Enosch Wolf. Foto: Schikora

Tipps vom Kapitän: Julius Wolf (Mitte) mit Andrew Jones (links) und Enosch Wolf. Foto: Schikora

Der kleine Abstecher zum Fußball muss erlaubt sein: In der Kabine von BW Lohne, dem Aufsteiger in die Regionalliga Nord, sind Sprüche zur Motivation an die Wand gemalt. Einer davon lautet: „Die Kraft des Wolfes liegt in seinem Rudel.“ Die Botschaft ist klar: Als Team ist man stark, als Einheit kann man vieles erreichen. Rasta Vechta hat seit diesem Sommer auch ein „Wolfs-Rudel“. Okay, es besteht nur aus zwei Exemplaren, aber immerhin: Es ist ein Novum, dass die Brüder Enosch und Julius Wolf zusammen auf die Jagd nach Körben und Siegen gehen. Lange getrennt, jetzt vereint – Rasta macht es möglich.

„Wir freuen uns riesig, dass es geklappt hat“, sagen Enosch und Julius Wolf unisono. Alleine waren sie schon stark (zuletzt in Trier und Jena), gemeinsam wollen sie noch stärker sein. „Es motiviert uns beide unheimlich, dass wir jetzt in einer Mannschaft spielen, dass wir das gleiche Ziel haben“, so Julius Wolf.

Er ist 29 Jahre alt und damit der jüngere Wolf, Bruder Enosch wird Mitte Oktober 32 Jahre alt. Der große Bruder ist auch tatsächlich groß. 2,15 m – ein Gardemaß für einen Center. Und den Titel „Größter Rasta-Spieler“ hat Enosch Wolf schon mal sicher, er zieht an Dennis Clifford (2,13 m) und Björn Rohwer (2,12 m) vorbei. Julius Wolf, der vor allem auf der Power-Forward-Position zu Hause ist, ist 2,03 m groß – ihn als kleinen Bruder zu bezeichnen, ist faktisch richtig, hört sich trotzdem irgendwie komisch an.

Das Basketball-Gen haben die Wolf-Brüder in die Wiege gelegt bekommen. Vater Horst, 2,10 m groß, war dreimal Nationalspieler und 1992 mit der BG Ludwigsburg Pokalsieger. Mutter Inken spielte lange für die BG Göttingen in der Bundesliga. Die Familie, in der sich nach wie vor viel um Basketball dreht, freut sich riesig über die Vereinigung der Brüder. „Jetzt muss sich keiner mehr entscheiden, welches Spiel am Wochenende geguckt wird“, schmunzelt Enosch Wolf.

Warten auf den Einsatz: Julius Wolf. Foto: SchikoraWarten auf den Einsatz: Julius Wolf. Foto: Schikora

Er selbst war in der „Off-Season“ der erste Neuzugang, den Rasta unter Vertrag genommen hat. Gerrit Kersten-Thiele, Rastas Sportdirektor, war jahrelang der Berater von Enosch Wolf. „Wir kennen uns schon ewig, so nahm das dann seinen Lauf“, erklärt der Center. Bei der Bekanntgabe des Wechsels hatte Enosch Wolf gesagt: „Ich sehe mich als einen der Top-Spieler in dieser Liga und will jetzt in einem Top-Team zeigen, dass ich auch da erfolgreich Basketball spielen kann.“

Forsche Worte, denen nun Taten folgen sollen. Enosch Wolf bringt reichlich ProA-Erfahrung mit. Er absolvierte 154 Zweitliga-Spiele für die Nürnberg Falcons (2013/14), die Kirchheim Knights (2014/15), die Hamburg Towers (2016 bis 2018), die Tigers Tübingen (2018 bis 2021) und die Gladiators Trier (2021/22). Für Trier kam Wolf in der letzten Saison im Schnitt auf 9,8 Punkte, 6,9 Rebounds und 2,0 Assists pro Spiel. Beim Sieg in Vechta war er mit 20 Punkten und 17 Rebounds überragend. Auf ähnliche Auftritte hofft nun Rastas Coach Ty Harrelson: „Enosch ist jemand, der hochprozentig abschließt und effizient spielt.“

Enosch Wolf hat auch jeweils neun BBL-Spiele für die Telekom Baskets Bonn (2013) und Bayreuth (2015) in seiner Vita, dazu Auslandserfahrungen in Spanien (Ametx Zornotza) und Luxemburg (Musel Pikes). Nicht zu vergessen seine College-Zeit in den USA (2010 bis 2013). Mit den Huskies der University of Connecticut holte er 2011 die NCCA-Meisterschaft – an der Seite des heutigen NBA-Stars Kemba Walker und des Ex-Berliners Niels Giffey. Das Finale fand vor 70.000 Zuschauern im Football-Stadion von Houston statt. Ein Erlebnis, das man nie vergisst.

In den letzten neun Jahren, in denen Enosch Wolf für neun verschiedene Klubs spielte, war Julius Wolf ausschließlich in Jena. Von 2013 bis 2022 bei einem Klub – eine Seltenheit im schnelllebigen Basketball-Kosmos. Beim Auf und Ab der Thüringer avancierte Julius Wolf zur Konstante bei Science City, am Ende war er auch Kapitän. „Ich hab' mich immer wohl gefühlt, diese Verlässlichkeit hat mir gefallen“, sagt er.

Autogramm vom Neuzugang: Enosch Wolf beim Fanfest. Foto: SchikoraAutogramm vom Neuzugang: Enosch Wolf beim Fanfest. Foto: Schikora

Enosch Wolf beschreibt die unterschiedlichen Karrieren der Brüder so: „Julius ist sehr strukturiert den deutschen Weg gegangen. Ich war da anders, ich wollte raus in die Welt und bin ja auch schon früh nach Amerika gegangen. Ich war immer irgendwie getrieben, mir konnte es nicht schnell genug gehen, etwas Neues zu sehen oder zu erleben. Da war anfangs natürlich auch ein gewisser jugendlicher Leichtsinn dabei. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Aber Hauptsache, man ist glücklich mit dem, was man tut. Und ich glaube: Das waren bzw. sind wir beide.“

Neues sehen, Neues erleben – diesen Drang verspürte zuletzt auch Julius Wolf. „Natürlich ist mir der Abschied aus Jena nach neun Jahren extrem schwer gefallen. Aber ich hatte jetzt einfach Lust auf eine neue Herausforderung“, erzählt der neue Rasta-Kapitän, der insgesamt 270 Pflichtspiele für Jena absolviert hat, 81 in der BBL, zwei im BBL-Pokal sowie 187 in der ProA. Für seinen Wechsel nach Vechta war die Anwesenheit von Enosch „natürlich ausschlaggebend“.

In den 187 ProA-Spielen für Jena kam er auf 9,4 Punkte und 5,0 Rebounds pro Partie, die letzte Saison war die statistisch beste in seiner Karriere. Mit seinen neuen Teamkollegen Joschka Ferner und Robin Lodders hat er bereits in Jena zusammengespielt. Dass Coach Harrelson ihn zum Kapitän ernannte, ist für Julius Wolf eine „große Ehre“. Er werde dieses Amt, assistiert vom Co-Kapitän Chavares Flanigan, voller Überzeugung ausführen.

Julius Wolf, geboren in Bruchsal und aufgewachsen in Göttingen, fühlt sich in Vechta wohl: „Ich hab' mich super eingelebt. Es ist klein, aber fein. Das mag ich. Hier kann ich mich sehr gut auf das Wesentliche konzentrieren.“ Die Wohnung ist auch eingerichtet, an der Wand im Flur hängt das Meisterfoto von Jena aus der ProA-Saison 2015/16, aufgenommen im Rasta-Dome. „Ich hab' schöne Erinnerungen an diese Halle, das nimmt mir hoffentlich keiner übel“, sagt er.

Und warum gibt's keine Brüder-WG? „Wir haben tatsächlich kurz darüber nachgedacht, es hätte auch eine passende Wohnung für uns gegeben. Aber es ging nicht“, sagt Julius Wolf. Die Erklärung ist ganz einfach: Er hat eine Tierhaar-Allergie – und Bruder Enosch hat einen Hund. „Kobe“, ein silberner Labrador, benannt nach dem im Januar 2020 verstorbenen NBA-Superstar Kobe Bryant, ist zwei Jahre alt.

Beide Wolf-Brüder haben unterdessen ein Faible für Tattoos. Bei Enosch ist es deutlich ausgeprägter, er hat neun, Julius nur zwei. Enosch Wolf erzählt: „Mein erstes Tattoo hab' ich mit 16 per Photoshop selbst entworfen. In meinem ersten Sommer in den Staaten, ich war knapp 20, hab' ich es dann für 70, 80 Dollar machen lassen. Das war bei einem Bekannten irgendwo in Hartford/ Connecticut. Astrein war das alles nicht. Und in der Küche hat irgendeiner etwas zusammengemischt, das war echt krass und garantiert nicht legal.“

Zurück in der Gegenwart: Fußball ist das Thema, das Hobby von Julius Wolf. „Ja, da bin ich sehr interessiert“, sagt er. Und das nicht nur am Bundesliga-Zirkus. Lamine Diop, ein Kumpel aus Göttinger Zeiten, spielt beim Lohner Mitaufsteiger Bremer SV in der Regionalliga. „Ich hab' ihn beim Spiel gegen den HSV II besucht. Es sind ja kurze Wege“, erzählt Julius Wolf. Zwei weitere Bekannte, Maximilian Wolfram und Leon Bürger, sind im Sommer von Carl Zeiss Jena zum SC Verl in die 3. Liga gewechselt. Als Verl im August beim VfB Oldenburg gastierte, schaute Julius Wolf zu – begleitet wurde er von seinen Teamkollegen Andrew Jones und Ryan Schwieger. In der Bundesliga drückt er Hertha BSC die Daumen. „Ich weiß nicht, was da schiefgelaufen ist“, sagt er mit einem Schmunzeln. Schuld daran sind wohl Spielmacher Marcelinho und Torjäger Michael Preetz. Wolf: „Die fand ich damals gut.“

Zum Sportlichen: Ist Rasta ein Aufstiegskandidat? Enosch Wolf sieht „enormes Potenzial im Kader“, warnt aber vor der großen Konkurrenz: „Es gibt viele Standorte, die hervorragende Arbeit leisten.“ Julius Wolf formuliert seinen Ausblick so: „Die Charaktere passen perfekt zusammen, wir verstehen uns untereinander richtig gut. Wir haben sehr viel Talent und kennen unsere Ziele. Und wir wissen, dass wir diese hohen Ziele nur als Mannschaft erreichen können.“ Man ist geneigt zu sagen: Die Kraft des Wolfes liegt in seinem Rudel.

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