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„Die Teams werden nach ganz unten durchgereicht“

Den Zweitligafußballerinnen und dem BVC-Männerteam in der Landesliga drohen die sportliche Bedeutungslosigkeit. Das wurde bei einer Info-Veranstaltung des Vereins deutlich.

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Gespannte Zuhörer: Etwa 50 Vereinsmitglieder lauschten den Ausführungen von Cloppenburgs Notvorstand Professor Dr. Lucien Olivier. Foto: Hermes

Gespannte Zuhörer: Etwa 50 Vereinsmitglieder lauschten den Ausführungen von Cloppenburgs Notvorstand Professor Dr. Lucien Olivier. Foto: Hermes

Es brodelte gewaltig bei den über 50 Mitgliedern des BV Cloppenburg, die an einer vom vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Hanken anberaumten Informationsveranstaltung auf der Tribüne des Stadions teilnahmen. Während Hankens Ausführungen mit Beifall bedacht wurden, musste sich Notvorstand Professor Dr. Lucien Olivier zum Teil heftigste Kritik gefallen lassen.

Der Mediziner erläuterte zu Beginn seine Beweggründe, die Insolvenz zu beantragen, in der er durchaus die Chance für einen Neuanfang sieht. „Den Verein am Leben zu halten, gestaltet sich schwierig. Bereits bei meiner Übernahme gab es immense Schulden. Allerdings hat derjenige, der die Botschaft überbringt, sie nicht zwangsläufig verbockt.“

Ob Olivier bei einem wie auch immer gestalteten Neuanfang zur Verfügung steht, ließ er offen. „Ich werde mir die personelle Situation genau anschauen.“ Ganz und gar nicht zufrieden war er mit der mangelnden Unterstützung. „Ich habe gleich zu Beginn gesagt, dass ich vom Fußball keine Ahnung habe. Meine Bitte um Hilfe wurde aber nicht erfüllt. Gewundert habe ich mich über die gegenseitige Kommunikation. Da hatte ich das Gefühl, man gönnt sich gegenseitig nichts.“

Kooperation mit JFV ein Teilerfolg

Der vom Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, Christian Hanken, machte hernach deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einer Frauenmannschaft in der 2. Bundesliga und einem Männerteam in der Landesliga zu starten, gegen Null tendiere. „Beide Mannschaften haben zwar ein Startrecht, aber nahezu alle Spielerinnen und Spieler sind weg. Es ist zu erwarten, dass beide Teams bis in die unterste Klasse durchgereicht werden. Das ist unter rein sportlichen Gesichtspunkten schon traurig.“

Einen Erfolg hatte Hanken indes auch zu vermelden. Mit dem Jugendförderverein (JFV) ist eine Absprache getroffen worden, dass die A-, B- und C-Junioren dort spielen können. Die Jugendlichen sollen nicht unter der Misere leiden.“

Insgesamt bezeichnete Hanken die Situation, die er zu Beginn seiner Tätigkeit vorfand, als „chaotisch“. Wichtige Unterlagen, wie etwa eine aktuelle Mitgliederliste, seien nicht vorhanden.

Redete Klartext: Christian Hanken, vom Amtsgericht eingesetzter vorläufiger Insolvenzverwalter. Foto: HermesRedete Klartext: Christian Hanken, vom Amtsgericht eingesetzter vorläufiger Insolvenzverwalter. Foto: Hermes

Eingehend auf die finanzielle Situation des Klubs redete der Rechtsanwalt Klartext. „Der BVC ist nach jetzigem Stand zahlungsunfähig. Das wird mit ganz großer Wahrscheinlichkeit auch in vier Wochen nicht anders sein. Es gibt nicht nur Forderungen von Trainern und Betreuern, sondern auch von Krankenkassen, vom Finanzamt, der Berufsgenossenschaft sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.“

Auch zur weiteren Vorgehensweise äußerte sich Hanken präzise: „Die Kosten des Verfahrens sind gedeckt. Daher werde ich dem Insolvenzgericht am 1. September vorschlagen, das Verfahren zu eröffnen. Sollte dies geschehen, folgt eine Diskussion mit den Gläubigern. Der BVC bleibt nur bestehen, wenn diese Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten.“


Ein Kommentar zu dem Thema von Rolf Wulfers (Sportredakteur):

Man soll nur das Geld ausgeben, das man auch eingenommen hat. Diesen Grundsatz vernünftigen kaufmännischen Handelns mag mancher für antiquiert, gar für naiv halten. Was allerdings rein gar nichts an der Richtigkeit der Aussage ändert. Der Bundesgerichtshof verwendet die Formulierung eines „wirtschaftlich vernünftig denkenden Menschen“ immer dann, wenn jemand etwas für zweckmäßig und notwendig halten darf. Ist ein derartiger Schuldenberg, der den Klub in seinen Grundfesten erschüttert, bei einem ehrenamtlich geführten Sportverein notwendig oder zweckmäßig? Wohl kaum. Die finanzielle Misere, in die der BV Cloppenburg geraten ist, hat ihre Ursachen keineswegs in den vergangenen Wochen und Monaten. Sie liegen tiefer. Notvorstände, aber auch gewählte Vereinsvertreter haben ihren Anteil daran, dass jetzt einem über 100 Jahre alten Traditionsverein die Insolvenz droht. Bleibt zu hoffen, dass der Ballspielverein von 1919 nicht völlig aus dem Vereinsregister verschwindet und es Menschen gibt, die einen Neuanfang ohne Altlasten und ohne völlige Abhängigkeit von unzuverlässigen Geldgebern wagen.

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