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Die schönste Zeit und das schlimmste Jahr

Barna-Zsolt Akacsos blickt im Interview mit OM online auf seine Trainertätigkeit bei den Handballmännern des TV Cloppenburg zurück. Der rumänische Coach war 2017 zum TVC gekommen.

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Immer mit vollem Einsatz: Barna-Zsolt Akacsos (Mitte) hat in seinen vier Jahren als Trainer der TVC-Handballmänner viel erreicht. Foto: Langosch

Immer mit vollem Einsatz: Barna-Zsolt Akacsos (Mitte) hat in seinen vier Jahren als Trainer der TVC-Handballmänner viel erreicht. Foto: Langosch

Nach vier Jahren ist am vergangenen Freitag die Amtszeit von Barna-Zsolt Akacsos als Trainer der Handballmänner vom TV Cloppenburg zu Ende gegangen. In den vier Jahren schaffte der 53-Jährige den Aufstieg in die 3. Liga. Im OM-online-Interview blickt er unter anderem darauf zurück.

Am Freitag ist es ja noch einmal richtig emotional geworden. Wie haben Sie Ihre Verabschiedung erlebt?
Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn Zuschauer da gewesen wären. Da wären reichlich Tränen geflossen. So war die Atmosphäre in der leeren Halle etwas befremdlich. Wir haben noch nett zusammengesessen, ich habe mich aber beizeiten auf den Heimweg gemacht. Die Mannschaft hat mich dann mit Applaus verabschiedet, das hat mich sehr bewegt. Als ich dann fast aus der Halle war, habe ich mich noch einmal umgedreht und mich gefragt: ,Axy, bist du zufrieden mit dem, was du hier erreicht hast?' Die Frage habe ich aus vollem Herzen mit Ja beantwortet.

4 Jahre haben Sie beim TVC gewirkt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Ich muss diese Zeit aufteilen, und zwar in die drei ersten Jahre und dann das vierte, also ein drei plus eins. Wenn ich auf die ersten drei Jahre schaue, dann war das die schönste Zeit in meinem Leben als Handballer. Wir haben hier viel aufgebaut, ich habe in Cloppenburg so viele tolle Menschen kennengelernt. Nicht nur die Spieler, sondern auch die Verantwortlichen in der Abteilung und im Teammanagement. Hier zu arbeiten, war mir immer eine riesige Freude. Ich musste allerdings so manches Mal um Geduld bitten. Ich hatte mir einen Plan aufgestellt, wie ich die Mannschaft entwickeln und die einzelnen Spieler besser machen wollte. Das war mir wichtiger als auf Ergebnisse zu schauen. Als ich anfing, hatten vielleicht 20 Prozent der Spieler Drittliganiveau, jetzt sind es mindestens 80 Prozent. Dass wir dann den Aufstieg in die 3. Liga geschafft haben, war die Krönung. Wir haben es gepackt, obwohl sich im Hinspiel in Habenhausen Mark Schulat verletzt hat und später dann mit Erik Gülzow ein ganz wichtiger Eckpfeiler weggebrochen ist. Mit ihm wären wir durchmarschiert, Habenhausen hätte uns nicht mehr eingeholt. Aber es hat ja trotzdem zum Aufstieg gereicht.

Bleibt das 4. Jahr.
Ja, das war das schlimmste meiner Karriere. Die Saison war im Grunde schon wieder vorbei, noch bevor sie richtig begonnen hatte. Wegen Corona haben wir nur drei Punktspiele bestritten und mussten dann in eine monatelange Zwangspause. Dann durften wir zwar nach viel zu kurzer Vorbereitung im Ligapokal antreten und haben haben gleich im ersten Spiel beim TSV Altenholz eine 21:47-Klatsche bekommen. Eine solch' schlimme Niederlage habe ich noch nie erlebt – und will ich auch nicht noch einmal erleben.

Abschied: Die TVC-Verantwortlichen Maik Niehaus (links) und Maximilian Mayerhofer (rechts) sagten Danke. Foto: LangoschAbschied: Die TVC-Verantwortlichen Maik Niehaus (links) und Maximilian Mayerhofer (rechts) sagten "Danke". Foto: Langosch

Die Mannschaft hat sich dann aber gefangen und ordentlich mitgehalten – auch, wenn es in den anderen fünf Spielen nur zu einem Punkt gereicht hat.
Das stimmt und das beweist, dass wir eine absolut drittligataugliche Truppe haben. Wir waren mit den anderen Mannschaften auf Augenhöhe, obwohl wir deutlichen Trainingsrückstand hatten, der gar nicht aufzuholen war. So, wie wir uns präsentiert haben, war es eine mega Leistung. Ich bin sicher, dass wir in einer normalen Saison nichts mit dem Abstieg zu tun gehabt hätten. Ich bin stolz auf meine Jungs.

Nun steht ein großer Umbruch an, viele Spieler verlassen den Verein. Wie sehen Sie die Zukunft des TVC?
Auf meinen Nachfolger, Leszek Krowicki, kommt eine ordentliche Aufgabe zu. Er muss eine neue Mannschaft formen. Aber das wird ihm gelingen. So schwerwiegend die Abgänge auch sind, hat das Teammanagement tolle Arbeit geleistet und richtig gute Verpflichtungen getätigt. Vielleicht wird der ,neue' TVC in der Hinrunde ein paar Punkte verlieren, weil er sich noch einspielen muss. Aber so wie es aussieht, wird im Kader noch mehr Qualität sein, als ohnehin schon drin war.

Nun haben Sie viel Zeit zur Verfügung. Droht Langeweile?
(lacht) Nein, bestimmt nicht. Das Wort existiert für mich gar nicht. Ich habe schon einige Pläne. Ich werde mich in Sachen Handball auf jeden Fall weiterbilden. Ich möchte auf dem neuesten Stand der Trainingslehre bleiben und zudem meine A-Lizenz verlängern. In erster Linie aber freue ich mich darauf, viel gemeinsam mit meiner Frau zu unternehmen. Sie ist das Beste, was mir überhaupt passiert ist und sie hat sehr viel Verständnis für mich aufgebracht. Nun ist sie einfach an der Reihe. Aber dennoch will ich noch andere Projekte verfolgen. Ich kümmere mich etwa in meiner rumänischen Heimat um verwahrloste Hunde, die auf der Straße leben. Ich habe einen Hof, auf dem die Tiere ein Zuhause und Pflege finden. Ach, ja: Und ich möchte auch an meiner eigenen Fitness arbeiten. Zweimal pro Woche werde ich laufen gehen und jeden Tag trainieren. Vielleicht reicht es ja mal für einen Halbmarathon.

Klingt so, als habe auch künftig ein Tag für Sie nicht genug Stunden. Wird noch Zeit bleiben, um Spiele des TVC zu sehen?
Auf jeden Fall. Ich werde öfter in der Halle sein als viele denken. Der TVC und Cloppenburg sind mir ans Herz gewachsen, die Verbindung werde ich auf alle Fälle aufrechterhalten.

Können Sie sich denn vorstellen, irgendwann einmal wieder einen Posten beim TVC zu übernehmen.
Auf jeden Fall. Wer weiß, was passiert? Erst einmal freue ich mich zwar auf mein neues Leben. Aber wenn sich in ein paar Jahren mal etwas ergibt, kann es sehr gut sein, dass ich beim TVC wieder etwas mache. Warum nicht?


Zur Person:

  • Barna-Zsolt Akacsos kam am 12. September 1967 im rumänischen Sfantu Gheorghe zur Welt und lebt in Bockhorn bei Varel.
  • Er ist mit Elisabeth, einer ehemaligen Handballerin, verheiratet. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder und inzwischen vier Enkelkinder.
  • Für sein Heimatland bestritt Barna-Zsolt Akacsos 34 Länderspiele.
  • In Deutschland spielte er für Frisch auf Göppingen, CSG Erlangen, SG VTB/Atjührden, PSV Wilhelmshaven, ATSV Habenhausen und die HSG Varel-Friesland II.
  • Die HSG-Zweite war auch eine seiner Trainerstationen. In der Saison 2016/2017 coachte er den Oberligisten SG HC Bremen/Hastedt, bevor er innerhalb der Liga zum TV Cloppenburg wechselte.
  • In der Spielzeit 2017/2018 landete er mit dem TVC in der Oberliga auf Rang drei (32:20 Punkte bei 748:721 Toren), ein Jahr später auf Platz vier (33:19/760:698).
  • In der Serie 2019/2020 lag das Akacsos-Team nach 20 Spieltagen nach Punkten gleichauf mit dem ATSV Habenhausen, als die Saison abgebrochen wurde. Später sollten beide Teams aufsteigen.
  • In der regulären Spielzeit 2020/21 bestritt der TVC in der 3. Liga Nord-West nur 3 Spiele, bis es zu einer coronabedingten Unterbrechung kam.

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