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Die Müller-Schwestern: Ein Drilling kommt selten allein

Jane und Nele Müller spielen schon seit sechs Jahren beim Handball-Drittligisten SFN Vechta. Sie kommen aus einer großen - und sportbegeisterten - Familie.

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Seit 2015 im SFN-Trikot: Jane (links) und Nele Müller. Fotos: Müller

Seit 2015 im SFN-Trikot: Jane (links) und Nele Müller. Fotos: Müller

Natürlich, es gibt Social Media. Und Videotelefonie. Und es war ja auch nur ein halbes Jahr. Und doch war dieses Semester in Ecuador eine besondere Erfahrung für Nele Müller und ihre Familie. „Ich hatte ja sonst immer so viele Leute um mich. Und dann habe ich plötzlich alleine gewohnt. Das war schon ein sehr prägendes Erlebnis“, erzählt sie. Ob sie es noch einmal machen würde? „Ja, aber nicht noch mal ganz alleine.“

Die Familie prägt einen eben. Besonders, wenn es sich dabei um eine Familie wie die der Müllers aus Barnstorf handelt: Mutter, Vater, fünf Kinder. Und die jüngsten davon Drillinge: Nele, Jane und Marie. Zwei aus diesem Trio sind vielen Sportfans im Kreis Vechta seit Langem ein Begriff: Nele und Jane, die beiden eineiigen der Drillinge, gehören seit langem zum Stammpersonal des Handball-Drittligisten SFN Vechta. 2015 wechselten sie mit gerade 19 Jahren von ihrem Heimatverein HSG Barnstorf-Diepholz zu SFN in die Oberliga. Der Kontakt war noch über die damalige SFN-Trainerin Birgit Deeben zustande gekommen, die beide unter anderem von Auswahlmaßnahmen kannte. Doch sie wurde wenig später von Kai Freese abgelöst, der bis heute bei SFN Vechta sportlich das Sagen hat.

Wenn Corona es erlaubt, gehen Nele und Jane – beide inzwischen 24 Jahre alt – im September in ihre siebte Saison bei SFN. Hier fühlen sie sich wohl. „Es ist alles familiär und trotzdem sportlich anspruchsvoll“, sagt Nele. Sie selbst trägt – vor allem seit dem Abschied von Elle Lemke (geb. Haskamp) – viel Verantwortung in der Rückraum-Mitte. Jane, die früher auch im Rückraum und am Kreis gespielt hat, kommt meist auf Linksaußen zum Einsatz. Ihre dritte Drillingsschwester Marie spielt auch noch, aber nicht mehr auf Leistungsniveau. Die älteren Geschwister Pia (31) und Marc (29) haben ebenfalls lange Handball gespielt.

Der dritte Drilling: Marie spielt auch noch Handball.Der dritte Drilling: Marie spielt auch noch Handball.

Auch vom Temperament her unterscheidet sich Marie von ihren Drillingsschwestern – da sind sich die Müllers einig. „Marie ist sehr offen und direkt, aber im guten Sinne“, sagt Jane. „Nele und ich sind eher ruhig und zurückhaltend. Aber wenn wir mit Leuten zusammen sind, die wir gut kennen, können wir auch extrovertiert sein.“

Beruflich gehen alle drei ihre eigenen Wege. Nele studiert in Vechta Mathe und Sport auf Grundschullehramt. Jane hat in Osnabrück den Bachelor in Ökotrophologie gemacht und legt jetzt in Münster den Master in Nachhaltiger Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft nach. Beide wohnen mit ihren Freunden in Osnabrück-Wüste – „nur eine Straße auseinander“, wie Nele lachend erzählt. Marie lebt in Diepholz und macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau in Wagenfeld.

Sportbegeistert sind die Müllers alle. Bevor sie sich auf den Handball konzentrierten, haben die Drillinge auch Volleyball, Fußball, Reiten und Turnen betrieben. „Wir würden gerne auch mal Schwimmen und Tennis ausprobieren“, sagt Nele. Vater Matthias war im Handball lange ihr Trainer. Mutter Gabi begleitet ihre Töchter als begeisterte Fotografin. Ihre Bilder werden oft auch in der OV abgedruckt. Nur ein einziges Punktspiel hat sie in der SFN-Zeit ihrer Töchter verpasst. „Das war 2019 gegen Mühlen. Da waren wir im Skiurlaub“, erinnert sie sich.

Auch auf dem Handballfeld sind sich Jane und Nele ähnlich. Beide sind schnell und haben ein gutes Spielverständnis. „Und wir bleiben meistens ruhig“, sagt Jane: „Wir sind auch nicht wirklich nervös vor einem Spiel.“ In Sachen Torgefährlichkeit sehen beide noch Steigerungspotenzial. Ebenso bei der Trainingsmoral. „Wir sind recht trainingsfaul“, gibt Jane zu und lacht: „Wir sind immer da, aber wir könnten manchmal noch mehr geben.“

Energie hoch drei: Die Drillinge Jane, Marie und Nele Müller (von links) auf einem Bild aus Kindertagen.Energie hoch drei: Die Drillinge Jane, Marie und Nele Müller (von links) auf einem Bild aus Kindertagen.

Dazu passt, dass sie ihr Training in der Corona-Zeit lieber alleine absolvieren statt zu zweit: „Sonst würden wir nur quatschen“, gibt Jane zu. Und auch wenn sie sich mit Joggen und Übungen auf der Yoga-Matte fit halten – ihr liebster Sport ist im Moment das gemeinsame Spazierengehen. „Das hört unser Trainer aber nicht gerne. Für den ist das kein Sport“, erzählt Jane.

Die „Älteste“ aus dem Drillings-Trio ist übrigens Nele, gefolgt von Marie und Jane. Wobei Mutter Gabi das relativiert. Sie erinnert sich noch gut an jenen 12. Juli 1996 im Vechtaer Krankenhaus: „Das war ein Kaiserschnitt. Und Nele lag halt vorne und wurde zuerst rausgeholt.“ Auch die Monate vorher sind ihr noch gut im Gedächtnis: „Erst hatten wir erfahren, dass es zwei werden. Beim nächsten Mal beim Arzt wollte ich dann gerne ein Ultraschallbild, auf dem beide zu erkennen waren – und dann waren da auf einmal drei zu sehen.“ Heute gibt sie zu: „Ich bin heulend nach Hause gefahren und brauchte erst mal eine Woche, um damit klarzukommen.“

Drei auf einen Streich – das änderte alles. „Wir waren gerade dabei, unser Haus umzubauen, und hatten drei Kinderzimmer geplant. Und dann sind da auf einmal fünf“, erzählt Gabi Müller. Auch finanziell mussten die Müllers umplanen: Statt der Einbauküche musste erst mal ein VW-Bus her. Auch die Schwangerschaft war nicht immer leicht. „Am schwersten war das Treppensteigen – man holt halt immer für vier Leute Luft“, erinnert sich Gabi Müller.

25 Jahre ist das nun her. Vergessen sind die anstrengenden Anfangsjahre nicht („Wenig Schlaf und waschen, waschen, waschen“). Aber dafür können Gabi und Matthias Müller heute die schönen Momente mit ihrer Fünferbande genießen. Demnächst hoffentlich auch wieder in der Halle West in Vechta.

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