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Die Leiden der alten Osterfeiner enden jetzt

Beim Fußball-Bezirksligisten hört ein Quartett auf. Das ändert nichts am positiven Saisonfazit. „Ich bin echt stolz auf die Truppe“, sagt Spielertrainer Mehmet Koc.

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Die Verschnaufpause wurde etwas zu lang: Mehmet Koc sehnt sich nach einem normalen Fußballbetrieb. Foto: Wenzel

Die Verschnaufpause wurde etwas zu lang: Mehmet Koc sehnt sich nach einem normalen Fußballbetrieb. Foto: Wenzel

Von der Winterpause bis ins Frühjahr stehen im Fußball für gewöhnlich viele Einzelgespräche an. Es ist die Hochphase der Kaderplanungen für die neue Saison. Mehmet Koc hat in seinen Unterredungen eigentlich immer nur folgenden Satz wiederholt: „Ich möchte, dass du bleibst.“ Die Erfüllung seines Wunsches haben die Bezirksliga-Fußballer von SW Osterfeine ihrem Spielertrainer dabei fast alle bestätigt. Keiner verlässt den Verein – aber vier Männer mit zusammen über 1000 Spielen auf Bezirksebene hängen die Schuhe an den Nagel.

„Ich hab' ja viel erlebt – aber das war wirklich sehr, sehr leicht. Das hat meistens nur fünf Minuten gedauert“, sagt der 38-Jährige zu den Gesprächen. Und so stand schnell fest: Das erfolgreichste Vechtaer Bezirksliga-Team der Saison 2019/20 bleibt überwiegend zusammen.

Warum auch nicht? Schließlich haben die Osterfeiner bis zur Corona-Zwangspause eine vortreffliche Serie gespielt. Nur zwei Niederlagen in 17 Spielen – das lässt sich verkraften. „Ich bin echt stolz auf die Truppe“, sagt Koc. Einzig auf den Titel „Unentschieden-König“, den SWO mit sechs Remis hält, hätten die Südkreisler gerne verzichtet. „Wenn wir ein bisschen konstanter gewesen wären, wäre sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen“, analysiert der Coach.

Osterfeines Toptorjäger: Jan Schomaker (vorne). Foto: SchikoraOsterfeines Toptorjäger: Jan Schomaker (vorne). Foto: Schikora

Für Klubchef Bernard Piening trübt dies die Bewertung nicht. „Der Verlauf der Serie war wunderbar“, lobt er. Erstes Ziel sei es immer, den Fußball auf Bezirksebene zu halten – das gelinge seit nunmehr 35 Jahren. „Christian Schiffbänker hat sehr gute Arbeit geleistet, und Mehmet hat die wirklich fortgesetzt“, freut sich Piening über den Glücksgriff namens Koc – der in seiner Premierensaison obendrein mit 14 Saisontoren noch zweitbester SWO-Torschütze hinter Jan Schomaker (15) war.

Der Spielertrainer und sein spielender „Co“ Christian Hegerfeld mussten derweil auch nicht lange nachdenken, bis sie sich zum Weitermachen entschieden. „Wir fühlen uns pudelwohl“, sagt Koc.

„Das ist halt so: Man kommt irgendwann in ein Alter, da tut alles mehr weh als sonst.“ Spielertrainer Mehmet Koc versteht das Quartett, das in Osterfeine aufhört

Einfach so weitermachen – so lautet also die Devise bei SW Osterfeine. Aber ganz so einfach wird es dann doch nicht. „Über 1000 Bezirksliga-Spiele hören auf“, berichtet Bernard Piening. Stefan Kreymborg, Christian Kohake sowie die Brüder Christian und Michael Harpenau beenden ihre aktiven Laufbahnen. Mehmet Koc hat Verständnis für ihre Entscheidungen: „Das ist halt so: Man kommt irgendwann in ein Alter, da tut alles mehr weh als sonst.“ Die Leiden der alten Osterfeiner enden nun.

Zur neuen Spielzeit rücken aus dem Kader der A-Jugend, die in die Bezirksliga aufsteigt, zwei Talente hoch: Defensivstratege David Selke und Außenbahnspieler Maximilian Bei der Hake. Koc spricht von „zwei Jungs, die sehr viel Potenzial haben“. Viel Eingewöhnung braucht es nicht: Beide trainieren schon länger bei den Herren mit. Und David Selke trifft dort zudem auf seinen Bruder Lukas.

Piening blockt das Thema Aufstieg ab

Auswärtige Neulinge gibt's nicht – der Osterfeiner Regelfall also. Mehmet Koc ist mit dem vorhandenen Personal ohnehin sehr zufrieden. „Das sind Jungs, wenn man denen was erklärt, dann gucken sie dir in die Augen“, erklärt er. So würden Veränderungen schnell umgesetzt.

Will sich Osterfeine bald noch stärker verändern, mit einem Sprung in die Landesliga? „Ich will mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen“, sagt Koc, „aber wenn es so kommt, bin ich der Letzte, der Nein sagt.“ Klubchef Piening freut sich über diesen Ehrgeiz, wiegelt aber ab: „Lass uns das Thema mal ad acta legen.“ Dies sei nicht die Maxime der Schwarz-Weißen, die aktuell einmal pro Woche trainieren.

Der Wettkampfbetrieb liegt derzeit ja ohnehin in weiter Ferne. „Wir hoffen, dass es bald wieder so losgeht, wie wir es kennen“, so Koc. Immerhin kann der Trainer von einer persönlichen Beschäftigungstherapie berichten: „Wenn man zwei Kiddies hat, ist immer was los.“

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