Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die Ballermänner und ihre 40-Tore-Saison

Der ehemalige Oyther Landesliga-Torjäger Tim Wernke und Neuenkirchens Goalgetter Jan-Bernd Middendorf blicken auf ihre Rekordspielzeit zurück.

Artikel teilen:
40 Saisontore – ohne Elfmeter: Tim Wernke traf in der Landesliga-Saison 2011/12 fast nach Belieben für den VfL Oythe. Foto: Schikora

40 Saisontore – ohne Elfmeter: Tim Wernke traf in der Landesliga-Saison 2011/12 fast nach Belieben für den VfL Oythe. Foto: Schikora

Seine Rekordsaison an der Hasenweide ist mittlerweile neun Jahre alt, aber Tim Wernke gerät immer noch ins Schwärmen, wenn er an die Landesliga-Spielzeit 2011/12 mit dem VfL Oythe denkt. „Das war so eine Saison, in der alles super zusammengepasst hat. Bei mir hat irgendwie alles geklappt, fast jeder Schuss war ein Treffer“, erzählt der Fußballer aus Mühlen. 40 Saisontore erzielte der Stürmer damals für den VfL Oythe – eine sagenhafte Ausbeute, die im Weser-Ems-Oberhaus bis heute unerreicht ist. Am letzten Spieltag Anfang Juni 2012, beim 4:3-Sieg gegen den FC Schüttorf, traf Wernke zum 4:2 und machte damit die 40 voll.

Zugegeben, der Vergleich mit Robert Lewandowski hinkt gewaltig. Der Bayern-Star, der am Samstag mit seinem 40. Saisontreffer den Bundesliga-Rekord von Gerd Müller eingestellt hat, produziert seine Tore am Fließband auf allerhöchstem Niveau. Aber: Auch im Amateurfußball sind 40 Tore in einer Spielzeit eine ungewöhnliche Leistung. Seit der Saison 2000/01 gab's das von der Kreisliga aufwärts nur zweimal – durch Tim Wernke sowie Jan-Bernd Middendorf vom TuS Neuenkirchen. „Ich kann mich noch gut daran erinnern. Das war sogar die gleiche Saison, in der Tim auch 40 Mal getroffen hat“, berichtet Middendorf. Korrekt: 2011/12 war er das Maß aller Dinge in der Kreisliga.

Zurück zu Wernke, der in seiner Glanzzeit mit seiner Wucht und Schnelligkeit ein Schrecken für jede gegnerische Abwehr war. „Die beiden Jahre in Oythe, in denen ich so viele Tore geschossen habe, waren die ersten Jahre mit Viererkette. Bei vielen Teams haben die Abstände in der Kette noch nicht so richtig gepasst. Da gab's oft große Lücken, die ich dann nutzen konnte. Manchmal war's relativ einfach“, blickt der Torjäger zurück.

Starke Mitspieler und die Sache mit der Glatze

Wernke, inzwischen 34 Jahre alt und zuletzt für seinen Heimatverein GW Mühlen in der Kreisliga-Reserve aktiv, wurde immer wieder auf die Reise geschickt. „Ich hatte auch super Mitspieler, die die Bälle immer in die Lücken gespielt haben“, so Wernke. In seiner 40-Tore-Saison kamen die offensiven Mittelfeldspieler Dennis Jex, Markus Kohls, Jan Egbers und Mike Thomas zusammen auf 44 Torvorlagen – meistens war Wernke der Profiteur.

Der VfL Oythe stand in jener Zeit in der Landesliga für Spektakel, für Schützenfeste auf dem grünen Rasen. 5:3, 5:5, zweimal 6:5, viermal 3:3, 10:1, 9:0, 7:0, 11:4, 4:5 – bisweilen war's vogelwild. Und mittendrin Wernke, der mit seiner Dynamik durch die Abwehrreihen des Gegners pflügte. Eine Wette gab's auch. Nach der Landesliga-Serie 2010/11, in der Wernke 37 Mal getroffen hatte, wettete der Goalgetter mit seinem Teamkollegen Marc Pallentien, dass er 50 Tore schafft. „Ich hab' ehrlich gesagt damals nicht daran geglaubt, dass ich die 37 toppen kann. Aber 'Palle' hat immer so viel Wert auf seine Haare gelegt, da ist das entstanden. Wenn ich 50 Tore schaffe, wollte er sich eine Glatze schneiden lassen“, erzählt Wernke. Oythes Saison begann mit einem 10:1 gegen Pewsum, Wernke traf dabei fünfmal. „Da ist Palle gleich nervös geworden“, blickt Wernke mit einem Schmunzeln zurück: „Aber am Ende ist es ja gut für ihn ausgegangen.“

Über Lewandowski sagt Wernke: „Ich hätte nie gedacht, dass Müllers Rekord mal erreicht wird. Und dabei hat Lewandowski ja nicht mal alle Spiele gemacht.“ Übrigens: Im Gegensatz zum Star des FC Bayern hat Wernke in seiner 40-Tore-Saison keinen einzigen Elfmeter geschossen. „Elfmeter? Nein, das war nicht so meins. Da hab' ich mich immer rausgehalten“, so Wernke.

Für Jan-Bernd Middendorf gehörten Elfmeter dagegen zum Alltag. „Von den 40 Toren waren bestimmt acht oder neun per Elfmeter“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Freistöße rund um den gegnerischen Strafraum waren damals beim TuS Neuenkirchen eine Sache für Dirk Neuendorf, aber im Strafraum führte kein Weg an Middendorf vorbei. „Wir hatten damals ein überragendes Team in der Kreisliga, eine mega gute Truppe“, so Middendorf.

„Wir haben damals eine Wahnsinnssaison gespielt.“Jan-Bernd Middendorf über Neuenkirchens Meisterserie 2011/12

Er selbst war damals aus Mühlen zurückgekehrt. Weitere Neuzugänge waren unter anderem Neuendorf, Dennis Wehrmann, Lukas Timphaus, Christian Buse, Arbnor Galani, Daniel Cook, Andrej Homer und Trainer Michael Peplau. „Wir haben damals eine Wahnsinnssaison gespielt“, berichtet Middendorf, der zumeist im offensiven Mittelfeld die Fäden zog.

40 Saisontore – mit Elfmetern: Jan-Bernd Middendorf vom TuS Neuenkirchen. Foto: Wenzel40 Saisontore – mit Elfmetern: Jan-Bernd Middendorf vom TuS Neuenkirchen. Foto: Wenzel

Viermal 6:0, 7:0, 7:1, 7:2, 8:0, 8:1, 9:0 und 16:0 – die stark aufgerüsteten Südkreisler schossen auf dem Weg zur Meisterschaft alles in Grund und Boden. Am Ende waren es 29 Siege in 34 Spielen sowie sagenhafte 158 Tore. „Es hat richtig Bock gemacht. Die Sportanlage war neu, wir hatten eine riesige Euphorie“, denkt Middendorf sehr gerne zurück: „Wir haben für Kreisliga-Verhältnisse guten Fußball gespielt. Ich war oft der Endabnehmer von tollen Kombinationen.“ Und das teaminterne Wettballern mit Stürmer Christian Buse, der 31 Mal traf, sei erst an den letzten Spieltagen entschieden worden: „Das war schon ein cooler Wettstreit.“

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die Ballermänner und ihre 40-Tore-Saison - OM online