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Deutsche Fußballfrauen sind nicht der Topfavorit – aber auch nicht chancenlos

Die Europameisterschaft in England beginnt. Was hiesige Fachleute der DFB-Auswahl in diesem Turnier zutrauen.

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Zuversichtliche Blicke: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (Zweite von links) und Assistenztrainerin Britta Carlson, startet mit der DFB-Auswahl am Freitag in die Fußball-EM der Frauen. In London steigt das erste Gruppenspiel gegen Dänemark. Im Hintergrund lacht Giulia Gwinn (links). Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Zuversichtliche Blicke: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (Zweite von links) und Assistenztrainerin Britta Carlson, startet mit der DFB-Auswahl am Freitag in die Fußball-EM der Frauen. In London steigt das erste Gruppenspiel gegen Dänemark. Im Hintergrund lacht Giulia Gwinn (links). Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Am Mittwoch beginnt in England die Europameisterschaft der Fußballfrauen. Das Auftaktmatch im ausverkauften Old Trafford, der Heimspielstätte von Manchester United bestreiten die Gastgeberinnen von 21 Uhr an unserer Zeit gegen Österreich. Für die deutsche Mannschaft wird es erst 48 Stunden später mit der Partie gegen Dänemark im Londoner Brentford Stadium ernst. Was ist der DFB-Auswahl zuzutrauen und wer ist Titelfavorit? Die OM-Medien haben sich bei hiesigen Frauenfußballexperten und -expertinnen umgehört.

Imke Wübbenhorst, langjährige Spielerin und auch Trainerin beim BV Cloppenburg, hat als Titelfavoriten Gastgeber England und Spanien ganz oben auf dem Zettel. Die Ibererinnen sind Gruppengegner der deutschen Elf. „Es wäre schön, wenn Deutschland da punktet“, meint Wübbenhorst. Ihrer Meinung nach wird Dänemark der große Gegner um Platz 2 in der Gruppe B sein. „Daher hat das Auftaktspiel gegen die Däninnen fast schon entscheidende Bedeutung“, findet Wübbenhorst, die derzeit im Umzug in die Schweiz steckt. Denn dort tritt sie einen neuen Posten an, und zwar als Cheftrainerin der Frauenmannschaft der Young Boys Bern.

Die Schwachpunkte in der DFB-Auswahl sieht die 33-Jährige in der Innenverteidigung, die Stärken in der Offensive. „Nach vorne haben wir viel individuelle Qualität mit Spielerinnen wie Klara Bühl oder Lea Schüller. Insgesamt hoffe ich, dass die Mannschaft nach der WM 2019, als sie im Viertelfinale ausschied, gereift ist.“

Daumendrücken für zwei Teams: Tanja Schulte hält sowohl zu Deutschland als auch Österreich. Foto: LangoschDaumendrücken für zwei Teams: Tanja Schulte hält sowohl zu Deutschland als auch Österreich. Foto: Langosch

Tanja Schulte,die zehn Jahre lang als Trainerin und sportliche Leiterin bei den Kickerinnen des BV Cloppenburg wirkte, ist es eine besondere EM. Die 47-Jährige, derzeit beim österreichischen Vorzeigeklub SKN St. Pölten, als sportliche Leiterin tätig, hat eine Reihe „ihrer“ Spielerinnen im ÖFB-Team auf der Insel dabei, außerdem ist ihre Ehefrau, Isabel Hochstöger, die Verantwortliche für die den weiblichen Bereich im österreichischen Verband. Logisch, dass Schulte nicht nur der DFB-Elf, sondern auch der Mannschaft der Alpenrepublik die Daumen drückt. Mit Virginia Kirchberger, Jasmin Eder und Verena Henshaw (geborene Aschauer) sowie Torhüterin Jasmin Pal stehen auch vier Spielerinnen mit BVC-Vergangenheit in Österreichs Kader.

„Deutschland kann sicherlich überraschen, zählt für mich aber nicht zum absoluten Favoritenkreis“, meint Schulte. Dort platziert sie England, Frankreich und Spanien. „Deutschlands Vorteil ist ein breiter und guter Kader, aber es gibt nicht die eine herausragende Spielerin. Die Mannschaft kommt über das Kollektiv.“ Für Österreich hält Schulte einen Einzug ins Viertelfinale für „nicht unrealistisch, aber man muss einfach sehen, dass mit England und Norwegen zwei dicke Brocken in der Vorrunde warten.“ Für die Austria komme auch dazu, dass „sie spätestens seit der EM 2017 (Aus im Elfmeterschießen des Halbfinals gegen Dänemark, Anm. d. Red.) ernst genommen“ werde.

Sascha Anneken, Coach der Bunner Landesligafrauen, ist „sehr zuversichtlich“, was die deutsche Auswahl angeht: „Wir haben eine coole, junge Mannschaft. Zwar gehören die Deutschen nicht zu meinen ganz heißen Favoriten, aber sie können sehr weit kommen, wenn sie sich ins Turnier hineinbeißen. Spanien ist meiner Meinung nach die fußballerisch beste Mannschaft, aber ob das reicht, am Ende auch den Titel zu holen? Da müssen noch ein paar Faktoren hinzukommen.“

Für Lisa Josten, die von 2015 bis 2020 beim BV Cloppenburg spielte und vor wenigen Wochen mit dem SV Meppen die Rückkehr als Zweitligameister in die 1. Bundesliga feierte, zählt Deutschland nicht zu den allerersten Anwärtern auf den Titel. „Es geht zwar in Richtung Professionalisierung, aber da sind uns andere Länder noch ein Stück voraus. Viele Spielerinnen, gerade die, die international dabei sind, haben Fortschritte in ihrer Entwicklung gemacht. Die EM bietet jetzt die Chance, die nächsten zu gehen. Mit einem guten Abschneiden kann der Fokus hier in Deutschland wieder auf den Frauenfußball gelegt werden. Meine Favoriten aber sind England und Frankreich. Außerdem traue ich Schweden eine Menge zu, das ist eine richtig gute Mannschaft. Die Hat Spanien zwar auch, aber bislang hat sie international noch nicht viel gerissen.“

Steffen Boning, Trainer der Landesligafrauen vom TuS Lutten, traut dem DFB-Team einiges zu: „Deutschland hat zwar eine schwierige Gruppe, aber wenn die Mannschaft einen guten Start gegen Dänemark erwischt, kann eine Euphorie entstehen. Deutschland hat einen ausgeglichenen Kader, während viele andere Mannschaften eine gute erste Elf haben, dann aber relativ wenig nachlegen können. Außerdem ist die DFB-Truppe mit ihren starken Wolfsburg- und Bayern-Blocks eingespielt.

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