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Destiny – der langbeinige Hoffnungsträger

Drei Starts, drei Siege: Der Saisonauftakt für Kristina Bröring-Sprehe war erfolgreich – und dann kam Corona.

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Es sind spannende Tage im Hause Bröring-Sprehe. In Sachen Hausbau geht's auf die Zielgerade. Das Gröbste, also das, was von außen ruck, zuck sichtbar ist, ist fertig. Jetzt geht's innen ans Eingemachte. „Gar nicht so einfach, sich zu entscheiden“, sagt Kristina Bröring-Sprehe mit einem Schmunzeln. Für die richtige Wahl des Parketts oder der Fliesen hat die 33-Jährige in diesen Tagen aber etwas mehr Zeit als eigentlich gedacht. Denn: Die Corona-Krise hat auch die Dressurreiterin aus Dinklage ausgebremst. „Der Turnierkalender ist bis in den Mai hinein wie leergefegt“, berichtet Kristina Bröring-Sprehe. Da drängt sich ja eine Frage auf: Was passiert denn früher – der Umzug ins neue Eigenheim oder der nächste Turnierstart? „Oh, schwer zu sagen. Der Einzug war eigentlich für Juni geplant. Aber ich glaub', das schaffen wir nicht ganz. Und ob es dann wieder Turniere gibt? Ich bin echt gespannt. Das wird ein knappes Rennen.“

Die Corona-bedingte Zwangspause erwischte „KBS“ und Co. zu Beginn der neuen Saison. In Neumünster hatte die frühere Weltranglistenerste Mitte Februar ihren ersten Grand-Prix-Sieg nach ihrer Babypause gefeiert. Anfang März triumphierte sie im dänischen Herning im Grand Prix und im Grand Prix Special – der erste Doppelsieg für Kristina Bröring-Sprehe mit ihrem elf Jahre alten Wallach Destiny. „Wir wollten eigentlich so richtig durchstarten. Wir waren auf einem guten Weg. Destiny war gut in Schuss“, sagt die Reiterin.

„Dass Desperados nicht mehr da ist, tut nach wie vor weh“

So richtig durchstarten nach Momenten des Innehaltens. Gut einen Monat ist es her, dass die Familie Sprehe eine schockierende Nachricht erhielt. Desperados, das Erfolgspferd der Dinklagerin, verstarb am 14. Februar plötzlich an einem Aortenabriss. Kristina Bröring-Sprehe erfuhr davon während des Turniers in Neumünster. „Dass Desperados nicht mehr da ist, tut nach wie vor weh. Sein Tod ist immer noch präsent“, sagt sie mit etwas Abstand. Die Trauer hält an. „Er war ja nicht nur ein Pferd, sondern ein Familienmitglied. Es war für alle sehr schwer. Ich bin unheimlich froh und glücklich, dass ich Mila hab'. Sie hat mir drüber weggeholfen.“ Mila – das ist die knapp sieben Monate alte Tochter von Kristina und ihrem Mann Christian Bröring.

Mit dem Hengst Desperados, der 19 Jahre alt wurde, hatte Kristina Bröring-Sprehe ihre größten Erfolge gefeiert. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London holten sie Team-Silber, vier Jahre später in Rio Mannschaftsgold sowie Bronze im Einzel. Zweimal holte das Duo Team-Gold bei Europa- und Weltmeisterschaften, dazu zwei Einzel-Silbermedaillen bei der EM in Aachen im Jahr 2015 und weitere Medaillen bei deutschen und internationalen Meisterschaften.

Gelungener Saisonstart in Schleswig-Holstein: Kristina Bröring-Sprehe und Destiny Mitte Februar beim Grand-Prix-Sieg in Neumünster. Foto: LL-FotoGelungener Saisonstart in Schleswig-Holstein: Kristina Bröring-Sprehe und Destiny Mitte Februar beim Grand-Prix-Sieg in Neumünster. Foto: LL-Foto

Die Erfolgsstory mit ihrem geliebten „Despi“, zu der auch fast 40 internationale Erfolge auf Grand-Prix-Niveau gehörten, ist beendet. Die Zukunft im Viereck soll Destiny gehören. Kristina Bröring-Sprehe gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn sie über den Sohn von Desperados spricht. „Er ist ein Hingucker mit viel Ausdruck“, sagt die Reiterin und verrät dem Laien noch ein paar Details bezüglich der Eleganz. Destiny sei „langbeiniger“ als Desperados, „ein bisschen filigraner“. Und weiter: „Vom Kopf her ist er einfach super, die Einstellung hat er vom Papa geerbt. Destiny hat immer Lust zu arbeiten. Er ist total gehfreudig.“ Zudem habe der neue Hoffnungsträger im Stall „keine richtige Schwäche“.

Worte, die darauf schließen lassen, dass sich Destiny einreihen könnte in die Liste jener Pferde, mit denen Kristina Bröring-Sprehe erfolgreich war. Mit Nathan und Diddi Keeps Cool ging es einst im Pony-Bereich los, gefolgt von Wyoming, Rose Noir und Royal Flash bei den Junioren und Jungen Reitern sowie Donnerball und natürlich dem überragenden Desperados. Neben Destiny hat Kristina Bröring-Sprehe noch ein weiteres Eisen im Feuer – gemeint ist die elfjährige Stute Safira Royal, die einen russischen Besitzer hat.

Ziel der Dinklagerin ist es, sich wieder der nationalen und damit auch der internationalen Spitze zu nähern. Die aktuelle Top 3 in Deutschland ist namhaft besetzt. Isabell Werth ist als hochdekorierte Titelsammlerin nach wie vor das Maß aller Dinge, dahinter folgen Dorothee Schneider und Jessica von Bredow-Werndl sowie mit etwas Abstand noch Sönke Rothenberger. „Die deutschen Reiter sind gerade sehr stark. Es ist nicht so einfach, an dieses Niveau heranzukommen“, analysiert Kristina Bröring-Sprehe den Ist-Zustand in der Dressurszene. Aber: Ihr Ehrgeiz ist groß, ihre Zuversicht ist es auch. „Wir sind ja noch nicht an unserem Limit“, sagt sie mit Blick auf Destiny.

„Horses & Dreams“ fällt aus, DM verlegt, Aachen noch fraglich

Mittelfristige Ziele sind die Europameisterschaften 2021 in Budapest und die Weltmeisterschaften 2022 in Herning. „Die beiden Turniere hab' ich natürlich im Hinterkopf“, erklärt sie. Welche Highlights es 2020 gibt, steht noch in den Sternen. Fakt ist: Das renommierte Reitsportfestival „Horses & Dreams“ auf dem Hof Kasselmann in Hagen am Teutoburger Wald, das vom 22. bis 26. April stattfinden sollte, ist abgesagt. Die für den 7. bis 10. Mai geplante DM auf der Anlage von Schloss Wocklum im sauerländischen Balve wurde am Montag in den September verschoben. Das CHIO in Aachen soll nach wie vor vom 29. Mai bis 7. Juni steigen. Kristina Bröring-Sprehe hofft natürlich, dass die Events nicht abgesagt werden. Ihr Optimismus hält sich jedoch in Grenzen: „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass die Turniere stattfinden.“ Grundsätzlich hält sie fest: „Wir Sportler sollten da nicht zu egoistisch sein. Der Sport ist schön, aber die Gesundheit geht vor.“

Im Trainingsalltag versucht sie, das Beste aus der Situation zu machen: „Es ist gar nicht so einfach, das richtige Timing, den richtigen Rhythmus zu finden. Man weiß ja gar nicht, wann es wieder losgeht.“ Eine Feststellung, die viele Heimatsportler in diesen Tagen so unterschreiben können. Mit Blick auf die Arbeit mit Destiny und Safira Royal ergänzt sie: „Voll durchtrainieren bis zum Tag X ist nicht möglich. Da müssen wir einfach abwarten, was in den nächsten Wochen passiert. Wir müssen jetzt Geduld haben. In diesen Tagen ist der Sport eher nebensächlich.“

Wir – das ist die Crew, die sich im Turnierstall in Herbergen um gut 20 Sportpferde kümmert. Kristina Bröring-Sprehe ist dort ebenso im Einsatz wie ihre Zwillingsschwester Tanja und ihre Cousine Kristine. Hinzu kommen noch zwei weitere Reiter. Das Gestüt Sprehe, in dem der volle Fokus auf der Zucht liegt, ist unterdessen in Löningen-Benstrup beheimatet. Gut 20 Minuten ist Kristina Bröring-Sprehe unterwegs, wenn sie von Dinklage nach Herbergen fährt. Ein bisschen Zeit, um auch über Fliesen und Parkett zu grübeln.

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