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Derrick Allen: „Bis zur letzten Sekunde Charakter zeigen“

Der Trainer des heimischen Basketball-Bundesligisten Rasta Vechta nimmt das Absteiger-Team noch mal in die Pflicht. Am Sonntag steigt das Saisonfinale in Würzburg.

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Ein Duo, das sich versteht: Rastas Coach Derrick Allen (rechts) und sein „Co“ Mauricio Parra, hier im MBC-Spiel. Ob Parra auch in der kommenden Saison in Vechta ist, ist noch völlig offen. Foto: Schikora

Ein Duo, das sich versteht: Rastas Coach Derrick Allen (rechts) und sein „Co“ Mauricio Parra, hier im MBC-Spiel. Ob Parra auch in der kommenden Saison in Vechta ist, ist noch völlig offen. Foto: Schikora

Der sportliche Abstieg in die 2. Liga lässt sich nicht mehr verhindern, das ist seit gut einer Woche klar. Aber Derrick Allen ist weit davon entfernt, die Saison 20/21 einfach so austrudeln zu lassen. Schon als aktiver Profi in der Basketball-Bundesliga hat der Amerikaner, der in 13 Jahren insgesamt 477 BBL-Partien für acht Klubs absolvierte, immer alles gegeben – ganz egal, was die Anzeigetafel oder Tabelle sagte. Und so verwundert es nicht, dass Allen auch als Trainer von Rasta Vechta keinen Schlendrian duldet, auch nicht auf den letzten Metern der verkorksten Serie.

„Wir schulden es dem Klub, dass wir bis zur letzten Sekunde der Saison mit Charakter spielen“, sagte Allen am Mittwochabend nach dem 84:80-Erfolg im Heimfinale gegen den Mitteldeutschen BC. Den Fuß vom Gas nehmen, nur weil man den letzten Platz nicht mehr verlassen kann? Nicht mit Allen. „Wir wollen den Fans, der Stadt Vechta zeigen, dass wir jetzt nicht die Köpfe hängen lassen, obwohl wir schon abgestiegen sind“, stellte der Coach klar: „Das will ich mit dem Team noch erreichen – dass wir für nicht weniger stehen, als bis zum Ende zu kämpfen.“

Das Ende der Saison ist nun ganz nahe. Am Sonntag um 15.00 Uhr steht die letzte Begegnung bei s.Oliver Würzburg an – noch so ein Kellerduell auf der Abschiedstour. Bei den Gießen 46ers, die inzwischen als zweiter Absteiger feststehen, hatte Allens Crew den Charaktertest vergeigt – das 82:100 ärgerte den Coach gewaltig. Das 84:80 gegen den MBC drei Tage später war dann zwar alles andere als schön anzusehen, versöhnte aber mit einem guten Finish. Allen freute sich mit etwas zeitlichem Abstand zum sechsten Saisonsieg über „gute Entscheidungen der Jungs im letzten Viertel“ und ergänzte: „Sie wollten das Spiel gewinnen, das hat mir gefallen.“

Zukunft von Co-Trainer Parra noch offen

Philipp Herkenhoff, Edgar Sosa und Robin Christen bekamen im Schlussviertel keine Sekunde zum Durchschnaufen, sie spielten im letzten Abschnitt durch. Josh Young und Jannes Hundt auf der Guard-Position sowie die „Big Men“ Björn Rohwer und Will Vorhees kamen auf jeweils gut fünf Minuten. Und der Rest? Sha'Markus Kennedy und Stefan Peno spielten im Schlussviertel gar nicht mehr, Jordan Barnett nur 31 Sekunden. „Ich hatte meine Formation gefunden“, sagte Allen zum Verzicht auf das Trio. Auf die Nachfrage, ob alle noch mit dem Kopf bei der Sache sind, gab der 40-Jährige kurz zu Protokoll: „Ja, das denke ich.“

Allens Co-Trainer Mauricio Parra hatte sich Ende des dritten Viertels, als Rasta sehr schludrig mit einem 60:47-Polster umging und in einen 0:13-Lauf stolperte, weniger diplomatisch geäußert („That's shit!“) und gestenreich seinen Unmut über eine lasche Defense-Aktion kundgetan. Parra hatte die Faxen dicke – und das musste raus. Eine Aktion, die es von seinen Vorgängern im Co-Trainer-Amt (Allen, Zapata, Calles) in dieser Form selten bis gar nicht gab.

Sogar Allen zuckte kurz zusammen, als es hinter ihm laut wurde. Aber er fand's gut: „Es war genau richtig, da zu pushen. Ich vertraue Mauro total. Er erwartet einfach mehr von den Spielern, ich ja auch.“ Parra wollte die Aktion nicht überbewerten: „Manchmal hilft nur wachrütteln. Wir haben in der Phase aufgehört, zu verteidigen.“

Ob es auch in der kommenden Saison das Duo Allen/Parra gibt, ist noch offen. Der Sechs-Wochen-Vertrag des 48 Jahre alten Spaniers läuft nach dem letzten Spiel aus. Allen macht keinen Hehl daraus, dass er den erfahrenen Co-Trainer (u.a. zwei Jahre FC Bayern, fünf Jahre Alba Berlin, drei Jahre Oldenburg) gerne weiter an seiner Seite hätte. In Kürze soll es Gespräche geben, Ausgang völlig offen. Parra: „Es kann in viele Richtungen gehen.“ Fakt ist: Sein Sohn wird im August eingeschult.

Erst einmal zählt für Allen und Parra nur das Spiel in der altehrwürdigen s.Oliver-Arena, die ab der Saison 2024/25 durch eine neue, 7000 Zuschauer fassende Multifunktionshalle ersetzt werden soll. „Ich erwarte, dass wir noch mal eine gute Leistung zeigen“, so Allen. Auswärts gab's davon nicht viele, 15 von 16 Spielen in der Fremde verlor Rasta – auch ein Grund für den Abstieg. Würzburgs Saison war ebenfalls „extrem schwierig“, wie Geschäftsführer Steffen Liebler sagte. Viele Verletzte, viele Niederlagen, viele kassierte Dreier (noch mehr als Rasta), dazu eine Corona-Quarantäne. Kein Zweifel: Der Klassenerhalt war eine wackelige Angelegenheit.

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