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Der Weg zurück zum „richtigen“ Griechen

Der frühere langjährige Volleyballtrainer des TV Cloppenburg Panos Tsironis ist in sein Heimatland zurückgekehrt.

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Erfolgscoach: Panos Tsironis führte die TVC-Volleyballerinnen 2012 in die Dritte Liga. Dort spielt Cloppenburg noch heute.Foto: Langosch

Erfolgscoach: Panos Tsironis führte die TVC-Volleyballerinnen 2012 in die Dritte Liga. Dort spielt Cloppenburg noch heute.Foto: Langosch

Fast drei Jahrzehnte hat Panos Tsironis in Deutschland verbracht. "Es waren ziemlich genau 28 Jahre", meint der Volleyballtrainer schmunzelnd und redet somit von beinahe der Hälfte seines Lebens.

Im Dezember wird er 60 Jahre alt, seit rund zwölf Monaten ist er zurück in seiner Heimat und lebt wieder in der griechischen Hauptstadt Athen. Auch, wenn nicht alles rund läuft, fühlt er sich wohl: "Mir geht es gut, es ist nicht weit bis zum Strand, nach 15 Minuten zu Fuß bin ich am Wasser", sagt Tsironis. Was allerdings Probleme bereitet, ist die Jobsuche. "Es ist sowieso schon schwer, in Griechenland eine Arbeitsstelle zu finden, aber zu Zeiten der Coronakrise ist es noch viel komplizierter geworden."

Rückkehr zum Heimatverein Esperos

Aber Tsironis nutzt die Zeit. Der gelernte Tischler renoviert sein Haus in Eigenregie. Es ist das Haus seines Vaters, das zu einer Hälfte seiner Schwester, zur anderen Hälfte ihm gehört. Gleichwohl hat er eine Einnahmequelle, denn ist wieder bei seinem Heimatverein Esperos als Volleyballtrainer angestellt. "Die Menschen haben sich noch an mich erinnert und mir gleich eine Auszeichnung verliehen, als ich zurückgekommen bin", erzählt Tsironis. Diese Wertschätzung schmeichelt dem 59-Jährigen sehr und bildet ein Kontrastprogramm zum Abschied vom TV Cloppenburg, bei dem er lange Jahre als Trainer tätig gewesen war.

Zurück in Athen und bei Esperos: Panos Tsironis (Mitte) ist bei seinem Heimatverein herzlich aufgenommen worden. Links der ehemalige Klubvorsitzende Theodorus Fustanos, rechts ein Vertreter der Stadt. Foto: TsironisZurück in Athen und bei Esperos: Panos Tsironis (Mitte) ist bei seinem Heimatverein herzlich aufgenommen worden. Links der ehemalige Klubvorsitzende Theodorus Fustanos, rechts ein Vertreter der Stadt. Foto: Tsironis

Der Weggang ist nämlich alles andere als harmonisch verlaufen. "Da war viel Mobbing gegen mich im Spiel", sagt Tsironis. "Unter anderem haben sich einzelne Personen in alles eingemischt, das konnte nicht funktionieren. Um erfolgreich zu sein, brauchst du ein Team, in dem jeder seinen Job erledigt. Aber wenn jemand meint, alles besser zu wissen, dann wird es nichts." Denn trotz der Dissonanzen zum Schluss hängt er noch an seinem Ex-Verein. Tsironis: "Wie heißt es in einem griechischen Lied? ,Wenn du mich fragst, wie es läuft bei mir, dann antworte ich mit zwei Lügen: Ich liebe euch nicht mehr und ich habe euch vergessen.'"

Tsironis führte TVC-Volleyballer in höhere Spielklassen

Und die Verdienste, die sich Tsironis um den TVC-Volleyball erworben hat, sind immens. Nach der Ära Gunna Marks "hat mich Gisbert Witte gefragt, ob ich nicht anfangen möchte. So ist es langsam losgegangen", erinnert sich Tsironis. Unter seiner Ägide erreichten sowohl die Cloppenburger Männer als auch die Frauen die Regionalliga. Der Job als Coach für beide Mannschaften war nicht mehr zu stemmen. "Der Aufwand auf dem Niveau ist zu hoch", sagt Tsironis. Das Problem löste sich aber fast von allein, denn das Männerteam brach auseinander. Spieler gingen weg oder hörten auf.

Dafür lief es im weiblichen Bereich umso besser. Der Höhenflug gipfelte 2012 im Aufstieg in die Dritte Liga. In der Weststaffel wurden die Cloppenburgerinnen heimisch. Heute ist der TVC der einzige Klub, der seit Einführung dieser Spielklasse ununterbrochen der Dritten Liga West angehört.

Freunde und Familie empfangen den 59-Jährigen mit offenen Armen

Doch die Ära Tsironis neigte sich dem Ende zu, 2018 war es dann so weit. So unrühmlich der Weggang auch war, an den sich nach einem Jahr als Coach der Regionalligamänner des Oldenburger TB die Rückkehr nach Griechenland anschloss. "Ich war so lange weg, da brauchte ich ein bisschen Zeit, um mich wieder einzugewöhnen. Ein ,richtiger‘ Grieche bin ich noch nicht wieder. Für meine Leute hier bin ich der Deutsche, in Deutschland war ich der Grieche. Als ich im vorigen Jahr nach Athen gekommen bin, hatte ich befürchtet, dass mich die Menschen hier vergessen hätten. Aber meine Familie, meine alten Freunde und ehemaligen Mitspieler haben mich mit offenen Armen aufgenommen und so habe ich mich wieder gut eingelebt."

Freilich hat Tsironis entschieden, seinem Hetzen zu folgen und in seinem Heimatland zu bleiben, das Thema "Deutschland" ist abgeschlossen. "Hubert Kulgemeyer, der frühere Abteilungsleiter Volleyball beim TVC und inzwischen Teammanager bei den Männern des OTB, hat zwar gerade erst angefragt, ob ich nicht zurück nach Oldenburg kommen möchte. Aber ich habe abgesagt. Ich bleibe in Athen", sagt Tsironis.

"Wir müssen neu aufbauen, gerade im männlichen Bereich ist viel zu tun, bei den Mädchen läuft es besser. Da haben wir reichlich Nachwuchs."Panos Tsironis, Ex-Volleyballtrainer TV Cloppenburg

Dort möchte er bei Esperos die Volleyballabteilung verbessern. In der vergangenen Saison hatte Tsironis die U-16- und U-18-Mächen sowie die U-20-Jungen gecoacht, nun konzentriert er sich auf den männlichen Bereich. "Wir müssen neu aufbauen, gerade im männlichen Bereich ist viel zu tun, bei den Mädchen läuft es besser. Da haben wir reichlich Nachwuchs." So kümmert sich Tsironis vornehmlich darum, Kinder für Volleyball zu begeistern.

"Im Septemeber können wir wahrscheinlich mit dem Training für eine U12 starten", berichtet Tsironis von ersten Erfolgen. Aber auch bei den Herren setzt er sich ein. "Ich habe zwölf Spieler zusammen, mit denen wir in der untersten von fünf Spielklassen in Athen spielen werden", meint Tsironis. Der Weg zu alter Stärke, als Esperos mit dem Spieler Panos Tsironis in der 2. Liga unterwegs war, ist also noch weit.

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