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Der Sport steht still, aber das Leben geht weiter

Auszeit – der Heimatsport im Lockdown: In einer Serie beschäftigen wir uns mit den Folgen der Corona-Einschränkungen für den Sport im Landkreis Vechta. Teil zwei: ein Blick in das Vereinsleben.

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Perfekt ausgeleuchtet: Die Visbeker Judo-Tiger stellen ein Online-Trainingsangebot auf die Beine. Foto: Judo-Tiger

Perfekt ausgeleuchtet: Die Visbeker Judo-Tiger stellen ein Online-Trainingsangebot auf die Beine. Foto: Judo-Tiger

Es ist fast schon eine Art Ritual geworden. Jeden Tag trägt Carsten Döding auf der Homepage des Reha- und Behindertensportvereins (RBS) Vechta den aktuellen Inzidenzwert ein. Und jeden Tag hofft er, dass er eine niedrigere Zahl eingeben kann als gestern. „Wir haben für unsere Mitglieder eine eigene Corona-Ampel erstellt“, erzählt Carsten Döding. Der Mitarbeiter der Geschäftsstelle möchte alle auf dem Laufenden halten. In einer Zeit, in der sich wenig bewegt. Seit drei Monaten ruht auch beim RBS Vechta der Betrieb. So ergeht es allen Vereinen im Landkreis Vechta. Drückt der wochenlange Stillstand die Stimmung da nicht in den Keller? Ist die Lage nicht zunehmend frustrierend? Carsten Döding will es nicht schlimmer machen, als es ist. Er meint: „Frustrierend würde ich nicht sagen. Aber es fehlt einem was.“

Der RBS Vechta bemüht sich in der Corona-Krise um den Kontakt zu seinen Mitgliedern. Per Post wurden Neujahrswünsche verschickt, auf den sozialen Kanälen werden regelmäßig Beiträge gepostet. Und zu Weihnachten wurden den Mitgliedern, die auf dem Sonnenhof und in den Wohnheimen des Andreaswerks leben, Präsentkörbe vorbeigebracht.

Die Sportler geben auch etwas zurück. „Die Mitglieder gucken schon mal rein und fragen, wie es einem geht. Und wann es wieder losgeht. Das ist schon ganz nett zwischendurch“, berichtet Döding, der sich zugleich über eine starke Mitgliederbindung freut: „Der Vorteil ist, dass die langjährigen Mitglieder im Verein bleiben. Wir haben kaum Kündigungen.“

Freude auch ohne Sport: Einige Mitglieder des RBS Vechta bekamen von Boris Büssing (hinten) und Co. Präsentkörbe. Foto: RBSFreude auch ohne Sport: Einige Mitglieder des RBS Vechta bekamen von Boris Büssing (hinten) und Co. Präsentkörbe. Foto: RBS

Der gemeinsame Sport fehlt trotzdem. „Es ist zurzeit etwas schwierig“, kommentiert Döding die Lage. Im September habe man für einen Monat lang Sport anbieten können – dann kam wieder das Verbot. Carsten Döding hofft, dass er in der Corona-Ampel schnellstmöglich wieder eine Zahl eintragen kann, die im grünen Bereich liegt. Damit endlich wieder Bewegung in den Reha- und Behindertensport kommt.

Sportliche Bewegung – die erhofft sich auch der SV Handorf-Langenberg in möglichst naher Zukunft. Im Moment herrscht dahin gehend Stillstand. Das schmerzt besonders beim Blick auf den nagelneuen Kunstrasen. „Da hat noch nie jemand drauf gespielt“, berichtet Klubchef Maik Escherhaus. Er selbst ist froh über die Vereinsarbeit im Rahmen der Möglichkeiten. „Dass ich mich als Vorstand mit dem Verein beschäftigen kann, das hilft einem auch in der Coronazeit. So beschissen die Situation auch ist.“

Er weiß aber auch, dass es für viele Mitglieder diese Möglichkeiten derzeit nicht gibt. Weil die festen Termine wie etwa das Treffen der „Sweet 60“-Sportgruppe wegfallen. „Die kotzt das schon richtig an“, weiß Maik Escherhaus.

Der ohnehin sehr umtriebige Sportverein hält die Füße aber nicht still. „Wir sind am Bauen, am Bauen, am Bauen“, sagt Escherhaus mit einem Grinsen. Am Kunstrasen laufen die finalen Arbeiten wie die Installation der neuen Trainerbänke, ein Ballfangnetz wird angebracht, etliche Pflasterarbeiten werden durchgeführt und eine Kabine eigenständig von der 1. und 2. Herren saniert – alles unter Corona-Bedingungen. Der Vorsitzende freut sich über das Engagement, gerade bei der Kabinen-Aktion. „Bei fussball.de gab's den Wettbewerb: 'Wer hat die schönsten Kabinen?' Da konnten wir ja nicht mitmachen“, merkt er an.

Körpereinsatz mal anders: Der Langenberger Kreisliga-Fußballer Florian Fischer bei der Kabinen-Sanierung. Foto: SVLKörpereinsatz mal anders: Der Langenberger Kreisliga-Fußballer Florian Fischer bei der Kabinen-Sanierung. Foto: SVL

Mit Blick auf den Sport werden die Infrastrukturen verbessert. Im Breitensport wurden mit der Ballschule und „Street Dance“ neue Angebote geschaffen. Außerdem steht ein großes Digitalisierungsprojekt an. Dazu laufen wie vielerorts die Gespräche mit den Herren- und Damenfußballteams sowie Jugendbetreuern mit Blick auf die neue Saison. „Wir sind in allen Bereichen zugange“, stellt Escherhaus fest. Den Kontakt zu den Mitgliedern hält der Verein auch über die sozialen Medien. Mit Erfolg: Es gab noch keine einzige Kündigung.

In diesem Punkt zeigt sich auch RW Visbek beruhigt. 100 ausgetretenen Mitgliedern standen im letzten Jahr 50 Neulinge gegenüber. Der Verein bleibt diesbezüglich also voll im Rahmen. Dass der Betrieb ruht, hält Geschäftsführer Tobias Kostka für richtig. „Da muss der Sport halt leider mal zurückstehen“, sagt er. Eine Covid-19-Erkrankung solle man „nicht verharmlosen“. Er spricht da aus Erfahrung, ist mittlerweile aber wieder vollständig genesen.

Daher kann er auch detailliert berichten, dass hinter den Kulissen in Visbek derzeit einiges passiert. „Wir investieren, wir bereiten uns extremst auf die Zeit nach Corona vor“, erzählt er. So hat beispielsweise das Vereinsheim eine neue Heizungsanlage erhalten, die Umkleiden wurden auf Vordermann gebracht. Zudem wurde ein neuer Kursraum mitten im Dorf angemietet – dorthin wird auch die Geschäftsstelle verlegt.

Auch die Rot-Weißen pflegen den Kontakt zu ihren Mitgliedern über diverse Gruppen in Messenger-Diensten oder sozialen Netzwerken. Dass die Bindung zum Verein sehr hoch ist, zeigt auch die große Beteiligung an den beiden Crowdfunding-Aktionen für einen Mähroboter und die Digitalisierung im Judobereich. Apropos digital: Bei den Judo-Tigern gab und gibt es zahlreiche Online-Aktivitäten in Form von Challenges und Trainingsangeboten. In anderen Bereichen ruht der Betrieb hingegen weitestgehend – was auch daran liege, dass Online-Angebote nicht für alle Altersgruppen sinnvoll seien.

Digitale Trainingseinheit: Die Fußball-Abteilung von RW Damme hat eine Online-Offensive gestartet. Foto: RechtienDigitale Trainingseinheit: Die Fußball-Abteilung von RW Damme hat eine Online-Offensive gestartet. Foto: Rechtien

In der Fußball-Abteilung von RW Damme wurde unlängst eine Digitaloffensive gestartet. Von der 1. Herren bis runter zur G-Jugend trainieren die Teams unter Anleitung per Videokonferenz. Die Älteren machen Workouts im Cardio- und Kraftbereich, die jüngeren koordinatives und technisches Training. „Es wird sehr gut angenommen“, freut sich Trainer Johannes Rechtien.

Dass der Trainingsbedarf da ist, merkt man auch beim OSC Damme. In dieser Woche startet die Online-Rückengymnastik, es gab viele Anfragen. Die Sportakrobaten treffen sich seit längerem schon digital. Ansonsten sind dem Verein in vielen Bereichen die Hände gebunden. „Es ist eine blöde Situation für alle“, sagt Geschäftsführer Heiko Summe. Er und eine weitere Mitarbeiterin sind in Kurzarbeit, der FSJler an der Grundschule Sierhausen im Einsatz.

„Viel machen kannst du ja nicht“, merkt Heiko Summe an. Aufräum- und Säuberungsarbeiten sind durchgeführt, es bleibt die Büroarbeit. „Ganz, ganz schlecht sieht es im Kindersport aus – und im Rehasport“, sagt Summe. „Schade, dass die Leute, die es wirklich brauchen, nicht trainieren dürfen.“

Training im Freien: Das will der OSC Damme, sobald erlaubt, wieder anbieten. Hier eine Szene vom Bauch-Beine-Po-Kurs. Foto: OSC Training im Freien: Das will der OSC Damme, sobald erlaubt, wieder anbieten. Hier eine Szene vom Bauch-Beine-Po-Kurs. Foto: OSC

Zum finanziellen Aspekt bemerkt der OSC-Geschäftsführer: „Gott sei Dank sind wir solide aufgestellt.“ Und auch die Sponsorenbindung sei hervorragend – kein einziger beendete sein Sponsoring. Darüber freut sich Summe besonders, zumal durch das vereinseigene Wasserbad in der Coronazeit jeden Monat ein mittlerer vierstelliger Betrag verloren geht.

Auch die Dammer sehnen sich nach dem normalen Vereinsleben. „Man merkt auch am Telefon: Die Leute werden immer dünnhäutiger“, berichtet Summe. Dass im vergangenen Jahr circa 110 Mitglieder aus dem Verein ausgetreten sind, sei nicht ganz ohne, „aber die kommen irgendwann wieder“. Allgemein hält Heiko Summe fest: „Wir hier im Kreis Vechta – wir können uns wirklich nicht beklagen.“

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