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Dem Abbruch folgt beim TVD der Umbruch

Bei Dinklages Oberliga-Handballerinnen endet mit dieser Saison auch die Amtszeit von Trainer Harding Niehues.

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Tore sind ihr Hobby: Linkshänderin Anne Kolbeck vom TV Dinklage. Foto: Schikora

Tore sind ihr Hobby: Linkshänderin Anne Kolbeck vom TV Dinklage. Foto: Schikora

Für die Handballerinnen des TV Dinklage geht durch die Corona-Krise nicht nur die Saison in der Oberliga vorzeitig zu Ende, sondern auch eine kleine Ära. Nach sechs Jahren endet die zweite Amtszeit von Trainer Harding Niehues (53), der die TVD-Damen schon von 1993 bis 2001 betreute. Ein Rückblick – in doppelter Hinsicht.
Eine „sehr komische“ Saison
In der Tabelle bewegte sich der TVD zwischen Gut und Böse und belegte am Ende Platz fünf. „Es war eine sehr komische Saison“, fand Harding Niehues: „Hinter den ersten drei Mannschaften spielten mehr oder weniger sieben Mannschaften um die Plätze vier bis zehn.“ Dass der TVD nicht ins Titelrennen eingreifen konnte, lag vor allem an der fehlenden Konstanz. So ließ Dinklage unter anderem gegen Wilhelmshaven, Werder Bremen II, Tostedt, Garrel und Hollenstedt unnötig Punkte liegen. Niehues glaubt: „Mit etwas mehr Geradlinigkeit in den Ergebnissen wäre Platz drei sicher drin gewesen.“

Was nicht gut lief (1)

Sportlich gab es aus Trainersicht vor allem zwei Schwachpunkte: die Chancenverwertung frei vor dem Tor und zu schnelle und hastige Abschlüsse. „Wir vergeben einfach zu viele Hundertprozentige und werfen mittelmäßige Torfrauen warm“, klagt Niehues. Beim Thema Hektik sieht er sich auch selbst in der Pflicht: „Wenn eine Mannschaft einen Trainer hat, der im Training und Spiel immer mit Tempo 180 unterwegs ist, ist es für das Team schwierig, im Spiel häufiger zwei Stufen herunterzuschalten und geduldiger Chancen herauszuspielen.“

Was nicht gut lief (2)
Die Abwehr. „Wir haben deutlich zu viele Tore kassiert“, findet Niehues. Der Grund dafür liegt für ihn in der Tatsache, dass der Innenblock durch Abgänge (Mo Schilberg, Klara Germann) immer wieder umgebaut werden musste. Hinzu kamen Ausfälle wie die von Lisa Brüning und Theresa Thomann, unter denen auch die offensiven Abwehrformationen litten. Apropos Lisa Brüning: Die 23-jährige Rückraumspielerin – zurzeit am Knie verletzt – ist für Niehues die TVD-Spielerin „mit dem wohl größten Potenzial“.

Was gut lief (1)
Die beiden Mühlenerinnen Jana Stromann (197 Tore) und Anne Kolbeck (120) erzielten zusammen mehr als die Hälfte aller TVD-Treffer. Anne Kolbeck ist zudem die einzige Spielerin aus den Top 10 der Liga, die keinen Siebenmeter geworfen hat. Niehues: „Jana und Anne gehören für mich zu den fünf besten Spielerinnen der Liga.“

Was gut lief (2)
Lena Fortmann (Linksaußen), Marlene Reinke (Rückraum) und Jacko Gottkehaskamp (Rechtsaußen) waren für Niehues die Gewinner der Saison – auch wenn die beiden Erstgenannten mit Knieproblemen ausfielen und Jacko Gottkehaskamp wegen einer Weiterbildung nicht voll trainieren konnte.

Abschied vom TVD: Trainer Harding Niehues. Foto: SchikoraAbschied vom TVD: Trainer Harding Niehues. Foto: Schikora


Die Perspektive
Im Sommer übernimmt Maike Bocklage den Trainerposten – und sie muss gleich einen Umbruch gestalten. Mit Jana Stromann (27), Torfrau Karin Kossen (25), Lisa Kathmann, Lisa Kreinest (beide 27), Sabrina Haskamp (31) und Maike Bockhorst (30) steigen gleich sechs Spielerinnen aus. „Dass auf einen Schlag so viele junge Spielerinnen aufhören, ist sehr schade“, sagt Niehues. Auch das Ü-30-Duo Haskamp/Bockhorst hätte der Mannschaft noch sehr viel helfen können. Niehues: „Das hat es früher so nicht gegeben.“

Apropos früher
Niehues' erste Amtszeit beim TVD begann 1993. Seitdem hat sich einiges verändert. „Früher stand das Hobby Handball für alle an Nummer 1“, sagt Niehues: „Die Spielerinnen von heute sind – und das ist nicht schlecht – sehr auf ihre Schule, Ausbildung und das Studium fixiert.“ Doch auch andere Prioritäten hätten sich verschoben: „Früher war es selbstverständlich, freitags erst nach dem Training zum Schachtelkranz des besten Freundes zu gehen. Heute ist das nicht mehr bei allen selbstverständlich.“ Niehues' Fazit: „Oberliga heißt immer noch Hobbyhandball.“ Dafür habe die Mannschaft in den letzten Jahren viel erreicht.

  • Torjäger Oberliga Nordsee Damen
  • 1. Jana Stromann (TVD) 197
  • 2. Melanie Fragge (Garrel) 180
  • 3. Lara Witt (Stade) 142
  • 10. Anne Kolbeck (TVD) 120
  • 31. J. Gottkehaskamp (TVD) 75
  • 61. Lisa Kreinest (TVD)  49
  • 85. Lisa Kathmann (TVD) 33

Was sich verändert hat
Nach Niehues' Eindruck gibt es heute viele Jugendmannschaften, die „komplexe Auslösehandlungen“ trainieren. „Gleichzeitig sind Basics kaum noch zu sehen: Einen gut getimten Parallelstoß und ein Sperre/Absetzen beherrscht kaum noch eine Mannschaft.“ Auch die Wurfqualität sei „deutlich schlechter geworden“, findet Niehues: „Kaum eine Spielerin, die aus dem Nachwuchsbereich kommt, beherrscht einen richtigen Schlagwurf.“ Und: „Auch im athletischen Bereich sind die Spielerinnen nicht mehr so fit

Das Thema Eltern
Hier wünscht sich Niehues, selbst Vater von drei Söhnen, etwas mehr Gelassenheit. Anders als früher würden die Kinder heute zwar zu allen Spielen begleitet und es gebe auch „echte Spielerelternfreundschaften“. Aber: „Die Eltern haben vergessen, dass sie das Spiel anschauen sollen“, findet Niehues: „Stattdessen wird mittlerweile sehr viel kommentiert, kritisiert – ohne dass die Hintergründe für die eine oder andere Situation überhaupt klar sind. Das ist schade.“ Schließlich bewege man sich im Hobbyhandball. Niehues: „Und da machen die Verantwortlichen leider Fehler.“

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