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Das Unwohlsein nimmt immer mehr zu

Keine Einnahmen, hohe Kosten: Der Volleyball-Zweitligist VfL Oythe plädiert für eine Unterbrechung der Saison. Am Mittwoch gibt es eine Videoschalte.

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Einmal desinfizieren bitte: Bei jedem Seitenwechsel, also nach jedem Satz, müssen alle Stühle der Teams desinfiziert werden – hier eine Szene vom Oyther Spiel gegen BBSC Berlin. Foto: Schikora

Einmal desinfizieren bitte: Bei jedem Seitenwechsel, also nach jedem Satz, müssen alle Stühle der Teams desinfiziert werden – hier eine Szene vom Oyther Spiel gegen BBSC Berlin. Foto: Schikora

Sportlich läuft's längst noch nicht rund, das ist kein Geheimnis. Die Volleyballerinnen des VfL Oythe haben in der 2. Bundesliga Nord einen schlechten Start erwischt, sechs von sieben Partien gingen verloren, das Team von Trainer Ali Hobst liegt auf dem vorletzten Platz – eine Tabellenregion, die dem Zweitliga-Dauerbrenner und langjährigen Spitzenteam eher fremd ist. Der sportliche Ist-Zustand ist jedoch nicht die einzige Baustelle, die Coronavirus-Pandemie und ihre Folgen bereiten zunehmend Kopfschmerzen.

Die Sorgen sind inzwischen so groß, dass der VfL Oythe zu jenen Vereinen in der 2. Liga Nord gehört, die für eine Unterbrechung der Saison plädieren. „In der Liga regt sich ein gewisser Widerstand gegen das Weiterspielen“, berichtet Oythes Volleyballobmann Matthias Schumacher. Es gebe auch eine kleine Abbruch-Fraktion, der Oythe allerdings nicht angehört. „Ich bin dafür, dass wir jetzt erst mal unterbrechen. Wir haben nach hinten raus ja Zeit genug, um die Spiele nachzuholen“, erklärt Schumacher. Im März hat der VfL Oythe beispielsweise nur ein Spiel, im April nur drei und der Mai wäre ja auch noch da.

Es sind viele kleine Faktoren, die Schumacher in Summe zum Befürworter einer Spielpause machen. Da wäre der finanzielle Druck. „Es macht in meinen Augen vor allem wirtschaftlich gar keinen Sinn, weiterzuspielen. Wir haben keinerlei Zuschauer-Einnahmen und die Kosten werden immer höher, die Löcher in den Kassen werden immer größer“, erklärt der VfL-Obmann. Beim Oyther Saisonstart gegen Fortuna Bonn Mitte September waren nur 150 Zuschauer zugelassen, die Partien gegen Köln am 10. Oktober und BBSC Berlin am vergangenen Samstag waren dann Geisterspiele. Normalerweise, also in Zeiten ohne Corona, kommen zwischen 200 und 300 Zuschauer zu den Oyther Heimspielen.

Hohe Kosten durch Corona-Testungen

Im Bereich der Kosten schlagen vor allem die regelmäßigen Corona-Testungen zu Buche. Ab einem 7-Tages-Inzidenzwert von 35 besteht die Testpflicht vor den Partien – und zwar für alle, für die Spielerinnen, den kompletten Trainer- und Betreuerstab, die Helferschar in der Halle bzw. die Fahrer bei Auswärtsspielen. Im Fall des VfL Oythe umfasst die Testgruppe rund 20 Personen. Und: Bei Spielen in Risikogebieten (Wert über 50) ist sogar eine Testung am Tag nach der Begegnung vorgesehen. Da kommt einiges zusammen. Bei rund 200 Euro pro Testreihe ist Oythe längst im vierstelligen Bereich angekommen.

Hinzu kommt die Umsetzung des eigenen Hygienekonzepts für den Trainings- und Spielbetrieb in der Antonianumhalle. „Es läuft gut, wir nehmen das auch sehr ernst, denn wir wollen uns ja keinen Ärger einhandeln. Aber klar ist auch: Das ist eine sehr kostspielige Angelegenheit, alleine die umfangreichen Desinfektionen“, so Schumacher.

Da die 2. Bundesliga laut Corona-Hilfspaket des Staates sowie dem Bund-Länder-Beschluss zum Profisport zählt, darf offiziell trainiert und gespielt werden. Oythe trainiert auch vorerst weiter, innerhalb der Mannschaft nehme das Unwohlsein aber immer mehr zu, so Schumacher. „So ganz frei ist der Kopf nicht“, sagt er: „Und natürlich stellt die eine oder andere mal die Frage, wie es weitergeht.“ Laut Spielplan würde es für den VfL Oythe am Samstag (7. November, 19.30 Uhr) mit einem Spiel in Eimsbüttel weitergehen. Das Wochenende 14./15. November ist spielfrei, danach geht's nach Essen, ehe am 28. November das nächste Heimspiel gegen Leverkusen anstehen würde – so viel zur Theorie.

Schumacher steht in Kontakt zu diversen Liga-Gefährten und berichtet von Klubs, die „richtig Druck“ von Firmen und Eltern kriegen. „Firmen verbieten ihren Mitarbeiterinnen, zum Training zu gehen. Und das gilt auch für Eltern von jüngeren Spielerinnen“, so Schumacher. In Oy᠆the habe es beides noch nicht gegeben. Sehr wohl gibt's aber den einen oder anderen Sponsor, der seine finanzielle Unterstützung kündigte, weil seine Werbung bei einem Heimspiel ohne Zuschauer ja keinen Sinn mache.

Am Mittwoch treffen sich die Klubs der vier Zweitliga-Staffeln (Nord und Süd bei Damen und Herren, insgesamt 55 Teams) zu einer Videokonferenz, um die Lage zu erörtern. „Wir brauchen eine vernünftige Entscheidung. Als Sportler will man natürlich trainieren und spielen und nicht pausieren, aber die Vernunft sollte siegen“, sagt Schumacher.

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