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Das ist der US-Amerikaner, der die Löninger Basketballer jubeln lässt

Anthony Hodge (32) aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn läuft seit Anfang Januar für den VfL in der 2. Regionalliga Nord auf. Mit seinem Team feierte er fünf Siege in sechs Spielen.

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Gut gelaunt: Anthony Hodge genießt seine Zeit in Löningen. Foto: Bettenstaedt

Gut gelaunt: Anthony Hodge genießt seine Zeit in Löningen. Foto: Bettenstaedt

Anthony Hodge grinst leicht verlegen, als er gefragt wird, ob er ein wenig Deutsch spricht. Leise antwortet er: „Moin“, „Bier“ und „Du bist wunderschön“. Nun lacht der 32 Jahre alte US-Amerikaner. Seine Teamkollegen vom VfL Löningen haben dem Basketballer immerhin schon beigebracht, wie er hier im Norden jemanden begrüßen sollte, ein „kühles Blondes“ bestellt und einer Frau ein Kompliment machen kann. Seit Anfang des Jahres trägt Hodge das VfL-Trikot in der 2. Regionalliga Nord. Sechs Spiele, fünf Siege – so lautet die eindrucksvolle Bilanz. Keine Frage: Dank des Spielmachers aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn haben sich die Löninger vom Abstiegskandidaten Nummer 1 zu einem gefürchteten Gegner gemausert.

Anthony Hodge erzielte in seinen sechs Partien im Schnitt nicht nur 30 Punkte, steuerte etliche Assists bei und überzeugte in der Defensive, „er gibt uns taktisch zudem viel mehr Möglichkeiten und macht alle anderen stärker“, sagt der Löninger Coach Guido Thöle. Der Point Guard war ganz offensichtlich das fehlende Puzzleteil einer Mannschaft, die neben einer hohen Qualität vor allem ein überragender Teamgeist auszeichnet.

Doch wie landet ein Mann, der in einer der größten Metropolen der Welt geboren wurde, ausgerechnet im beschaulichen Löningen? Anthony Hodge braucht nicht viele Sätze, um das zu erklären. „Ich liebe es einfach zu reisen, andere Kulturen kennenzulernen – und natürlich liebe ich es, Basketball zu spielen. Und Europa fand ich schon immer spannend.“

Höhenflug: Seitdem Anthony Hodge (am Ball) für Löningen spielt, feierte der VfL fünf Siege in sechs Partien und steht kurz vor dem Klassenerhalt in der 2. Regionalliga Nord. Foto: WulfersHöhenflug: Seitdem Anthony Hodge (am Ball) für Löningen spielt, feierte der VfL fünf Siege in sechs Partien und steht kurz vor dem Klassenerhalt in der 2. Regionalliga Nord. Foto: Wulfers

Nach seiner Schulzeit in Brooklyn und einigen Jahren samt eines Titelgewinns an der Hilbert-Universität in Buffalo zog es Hodge im Alter von 25 Jahren erstmals in die große weite Welt: nach Mexiko. Dort gewann der 1,80 Meter lange und 74 Kilogramm schwere Anthony Hodge in der dritthöchsten Liga eine weitere Meisterschaft. Einige Jahre später spielte er einen Sommer lang eine Turnierserie in Italien und wechselte schließlich nach Spanien zu CD San Pedro Moixent (nahe Valencia). Dann begann die Corona-Pandemie und auch Hodge war lange zum Zuschauen verdammt.

Im vergangenen Herbst begab sich der Fan des früheren NBA-Stars Allen Iverson auf die Suche nach einem neuen Job. Weil sich der US-Amerikaner in Italien mit einem Basketballer aus Dortmund angefreundet hatte, fiel seine Wahl auf Deutschland. Ein Engagement bei der BG Hagen (1. Regionalliga) platzte in letzter Sekunde, sodass Anthony Hodge Klubs in ganz Deutschland kontaktierte – unter anderem den VfL Löningen.

Hier nahm sich Routinier Nils Drees der Anfrage an. „Wir haben viel geschrieben und waren uns schnell sympathisch“, sagt er. „Er ist ein freundlicher Typ mit einer positiven Ausstrahlung.“ Drees half Anthony Hodge bei der Jobsuche – er arbeitet mittlerweile in der Dachdecker-Firma eines Mitspielers, fand eine Wohnung für ihn – und schuf somit die Voraussetzungen für dessen Aufenthaltserlaubnis. Beim VfL ist Hodge seit Anfang Januar nicht nur Spieler der 1. Herren, sondern zudem Coach der Reserve.

Sportlich und menschlich schlug der flinke Point Guard beim Klub aus Löningen voll ein. „Dass es so gut funktioniert, hätten beide Seiten nicht gedacht“, sagt Nils Drees. „Anthony ist ein Teamplayer, der vor allem für unsere jüngeren Spieler eine Art Mentor ist.“ Hodge selbst gibt die Komplimente zurück – an Drees und die Mannschaft. „Ich bin Nils sehr dankbar für alles, was er für mich getan hat. Und das Team ist großartig – wir haben jede Menge Spaß – in und außerhalb der Halle.“

„Ich drücke ihm die Daumen, dass er bald höherklassig spielen kann."Nils Drees, Spieler VfL Löningen

Im Gegensatz zu seinen bisherigen Stationen als Halbprofi im Ausland bekommt Anthony Hodge bei den 1. Herren des VfL Löningen kein Geld. „In Mexiko und Spanien konnte ich vom Basketball leben und mir durch Nebenjobs, die mir die Vereine angeboten haben, noch etwas dazu verdienen. Hier möchte ich mich vor allem für höhere Aufgaben empfehlen.“

Alles in allem fühlt sich der New Yorker in Löningen pudelwohl. Es ist aber davon auszugehen, dass er in der kommenden Saison für einen höherklassigen Verein auflaufen wird. „Das ist mein Ziel, dafür trainiere und spiele ich. Die 1. Regionalliga traue ich mir zu, vielleicht klappt es sogar mit der 2. Bundesliga.“

Trainer Guido Thöle und das VfL-Team hätten zwar sicher nichts dagegen, wenn Hodge auch in der Serie 2022/23 für den VfL auflaufen würde, doch Nils Drees spricht das aus, was wohl alle denken: „Ich drücke ihm die Daumen, dass er bald höherklassig spielen kann, die Fähigkeiten dazu hat er. So gut es geht, werde ich ihm bei der Suche nach einem Verein helfen.“

Einige Wochen lang – vier Saisonspiele stehen mit dem VfL noch an – wird Anthony Hodge seinen großen Traum, weit weg von seiner Heimat in Brooklyn Basketball zu spielen, allerdings noch in Löningen leben. Wohin es den Abenteurer danach zieht, steht derzeit noch in den Sternen.


Fakten:

  • Anthony Hodge wurde 1989 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Als Kind spielte er zunächst Baseball, American Football und etwas Fußball, bevor er den Basketball-Sport für sich entdeckte.
  • In den USA ging er für Schulteams in New York und später für Universitätsmannschafen in Buffalo unweit der kanadischen Grenze auf Punktejagd.
  • Im Alter von 25 Jahren wechselte er auf Vermittlung eines befreundeten Trainers zu einem Klub in Mexiko.
  • Es folgten Engagements in Italien und Spanien, bevor der 32-Jährige vor einigen Wochen nach Löningen kam. Auf der Suche nach einem Verein in Deutschland hatte Anthony Hodge den VfL über Facebook angeschrieben.

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