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Das Hobby zum zweiten Beruf gemacht

Zwei Jobs, zwei Büros, aber keine zwei Gehälter: Marcel Brune schätzt den familiären Aspekt seines Vereins.

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Ehrenamtlichkeit als Lebenselixier: Marcel Brune hat sich mit Leib und Seele seinem Engagement beim SV Handorf-Langenberg verschrieben. Foto: von Holt

Ehrenamtlichkeit als Lebenselixier: Marcel Brune hat sich mit Leib und Seele seinem Engagement beim SV Handorf-Langenberg verschrieben. Foto: von Holt

Außen vor: In einer Serie rückt OM-online ehrenamtliche Mitarbeiter heimischer Sportvereine in den Vordergrund. Heute den Geschäftsführer vom SV Handorf-Langenberg.

Bei der Frage nach ihrem Hauptberuf werden die meisten Menschen wohl eine klare Antwort geben können. Das kann auch Marcel Brune, aber bei der Aufteilung seiner Arbeitszeiten verschwimmen die Grenzen schon fast. Denn er hat noch einen Nebenjob. Oder einen zweiten Fulltime-Job, je nach Sichtweise. Und ein zweites Büro – aber kein zweites Gehalt. Brune, hauptberuflich Groß- und Außenhandelskaufmann, ist Geschäftsführer des SV Handorf-Langenberg, steht aber auch seit sechs Jahren am Eingang des Sportplatzes und kassiert den Eintritt. Darüber hinaus ist der 41-Jährige „Corona-Beauftragter“ des Vereins, wie er es nennt, und Kreisehrenamtsbeauftragter des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV).

Die Aufteilung seiner zwei Jobs schildert Brune so: „Das geht von einem Büro über ins nächste Büro.“ Nach dem Feierabend in seiner kaufmännischen Tätigkeit wechselt Marcel Brune ins heimische Office, mindestens an vier Abenden in der Woche. „Das ist eben das Hobby, da interessieren dich die Stunden gar nicht“, sagt er. Für ihn gehört der Einsatz für den SVL zum Tagesgeschäft. „Morgens nach dem Aufstehen sind die ersten Aufgaben und Telefonate schon da“, sagt er. Zu den besagten Aufgaben gehören die Mitgliederverwaltung, die Akquise von Werbepartnern, Rechnungsstellung, der Schriftverkehr, Anträge. Und ordentlich Kilometer reißt der gebürtige Dinklager im ganzen Jahr auch ab: Als Kreisehrenamtsbeauftragter besucht Brune alle 55 Mitarbeiter des NFV-Kreises Vechta persönlich und überbringt Geburtstagsglückwünsche.

Der Geschäftsführer mit dem Vereinslogo -  das passt. Foto: von HoltDer Geschäftsführer mit dem Vereinslogo -  das passt. Foto: von Holt

Seine mittlerweile 34-jährige Vereinskarriere begann mit dem Eintritt in die E-Jugend. „Es gab nichts außer Fußball und von zehn Jungs in der Klasse haben neun Fußball gespielt“, sagt Brune. So eine Art Gruppenzwang also. In seine spätere und langjährige Zeit als Betreuer fällt auch der Aufstieg mit der 1. Herrenmannschaft in die Kreisliga in der Saison 2003/04, den Marcel Brune als eines seiner Highlights in der Vereinsgeschichte bezeichnet. Für zwei Jahre bekleidete Brune auch mal das Amt des 1. Vorsitzenden. „Das lag mir nicht so, da war ich froh, dass ich dann im Anschluss wieder hinter die Kulissen treten konnte“, sagt Brune.

Auf dem Weg zum Geschäftsführer des Vereins wurde er quasi abgeholt: „Die Vorstandskollegen sind eines Tages mit dem Fahrrad zum Sportplatz gekommen und haben mich verhaftet“, beschreibt der Langenberger. Natürlich musste das Ganze auf einer Mitgliederversammlung noch dingfest gemacht werden, aber das klappte. Den Antrieb zu seinem Engagement liefert die Familie, in zweierlei Hinsicht – einmal die eigentliche und einmal die sportliche. „Mir ist wichtig, dass meine Eltern auch dahinterstehen“, sagt Brune. Und das tun sie, denn: „Die schaffen die Arbeit hinter mir weg, damit ich mich hier einbringen kann.“

Aber auch im Verein selbst gehe es sehr, sehr familiär zu, wie Brune erklärt: „Dadurch leben wir und das schätze ich auch sehr.“ Er selbst lebe es aber irgendwie schon von allein mit: „Das gehört für mich schon zum Leben dazu. Auch wenn andere sagen, das sei eine Belastung“, erklärt der Langenberger.

Für weitere Hobbys bleibt da logischerweise nicht ganz so viel Zeit. Beim Schwimmen und Musikhören entspannt Marcel Brune. Gelegentlich sorgt er aber auch selbst für musikalische Unterhaltung: Einmal im Monat geht's zum Gasthof Schanko, um mit den knapp 15 Kollegen aus dem Männergesangsverein die richtigen Töne anzuschlagen. „Damit Vereinslieder und Heimatlieder nicht aussterben“, erklärt Brune auch hier seine Motivation. Ihren großen Auftritt hat die Truppe dann einmal im Jahr auf einem beliebigen Weihnachtsmarkt hier in der Region, bei dem dann in geselliger Runde gesungen wird.

SVL bleibt von einem allgemeinen Problem verschont

Und sonst? Mit der 1. Herren in der Kreisliga bleiben und den Sportverein weiterentwickeln, das sind die Ziele, die Brune formuliert. Aber: „Uns geht's gut, wir können uns nicht beklagen.“ Die Sport-Familie, sie soll erhalten bleiben. Ein Problem allerdings, das Marcel Brune ausmacht, ist, dass es immer schwieriger wird, Personen für das Ehrenamt zu begeistern. Ein Problem jedoch, das man in Langenberg nicht kennt: „Mit Ehrenamtlichen kann man sich hier totwerfen“, sagt Brune. Die freiwillige Arbeit wird in Langenberg auch mindestens einmal im Jahr gewürdigt. Am sogenannten Ehrenamtstag gehe es auch darum, mal Danke zu sagen, erklärt Marcel Brune. Und wer sagt ihm Danke? Nicht nötig, beschreibt Langenbergs Geschäftsführer: „Ich bin glücklich, wenn andere glücklich sind.“

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