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Das Harpenau-Gebot vom Klünenberg

Fast 20 Jahre lang spielten Christian und Michael Harpenau für SW Osterfeine – jetzt haben die Brüder ihre Fußball-Karrieren beendet.

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Lebenslang Schwarz-Weiß: Die Brüder Christian (links) und Michael Harpenau im Osterfeiner Stadion. Foto: Wenzel

Lebenslang Schwarz-Weiß: Die Brüder Christian (links) und Michael Harpenau im Osterfeiner Stadion. Foto: Wenzel

Am Berg Sinai soll Moses laut Bibel die Zehn Gebote empfangen haben. Ein paar tausend Jahre später kam man am Osterfeiner Klünenberg immer mit zwei Geboten aus. Erstes Gebot: Du sollst immer in der Fußball-Bezirksliga spielen. Zweites Gebot: Du sollst immer mindestens einen Harpenau im Kader haben. Das zweite Gebot wird nun notgedrungen abgeschafft – nach fast zwei Dekaden. Die Brüder Christian (37) und Michael Harpenau (35) hören nach 19 bzw. 17 Jahren in Diensten der ersten Mannschaft auf. Die Bilanz der Osterfeiner Urgesteine ist beeindruckend. Sollte es in fünf Jahren zum 100. Vereinsjubiläum eine SWO-Bibel geben: Das Duo wird darin sicherlich nicht fehlen.

429 Spiele, 1448 Trainingseinheiten und mit 173 Toren Toptorschütze der Osterfeiner Historie – das sind Zahlen, die Christian Harpenau mit Stolz erfüllen. „Man hat ja schon sein halbes Leben damit verbracht. Das ist auch mit Herzblut verbunden“, sagt der Ex-Mittelstürmer. Burkhard Stärk (165 Tore) in der Liste zu überholen, sei zwar nicht sein Ziel gewesen, aber es sei ein schöner Nebeneffekt der langen Laufbahn.

Ein Highlight war für Christian Harpenau die Saison 2010/ 11 mit dem (verlorenen) Meisterrennen gegen RW Damme; insbesondere das Spiel vor 1200 Zuschauern in Steinfeld. Dass es nie mit einem Aufstieg geklappt hat, stimmt den Ex-Torjäger nicht traurig. Er selbst hätte in seinen Blütejahren durchaus höher spielen können. „Da waren diverse Vereine am Telefon“, erzählt er. Dass ein Wechsel aber nie eine ernsthafte Option war, lag auch am mittlerweile verstorbenen SWO-Ehrenvorsitzenden Josef „Köster“ Fangmann, dem Großvater der Harpenau-Brüder. „Er hat mir immer gesagt: 'Junge, lass dich nicht verrückt machen. Wenn du unbedingt Geld fürs Fußballspielen haben willst, kann ich dir auch fünf Euro pro Spiel geben.'“

Immer ein Torjäger: Christian Harpenau (rechts), hier im Jahr 2003.
Lang ists her: Michael Harpenau im Jahr 2004. Foto: Kokenge
Die Anfänge: Christian Harpenau im Jahr 2002. Foto: Kokenge
Harpenau-Duo im Strafraum: Michael (Mitte) und Christian (rechts) im Spiel gegen den VfL Oythe II im Jahr 2018. Foto: Schikora

Angesichts von 429 Einsätzen wäre auch so eine stattliche Summe rumgekommen – aber Christian Harpenau brauchte kein Taschengeld, um vom Verbleib überzeugt zu werden. Bereut hat er es nie, auch weil die Beziehung mit Mannschaft und Trainern in all den Jahren immer harmonisch war.

So ging Christian Harpenau ausschließlich für SWO auf Torejagd. Der schönste Treffer sei der letzte gewesen, versichert er, „das hört sich jetzt wie 'ne Schnulze an“. Er traf in Emstekerfeld am 19. Mai 2019 per Volleyabnahme ungefähr von der Mittellinie aus in den Winkel. Sonst habe er nicht so viele Schmuck-Tore erzielt, gibt „Harpe C“ zu. Er war eben immer ein klassischer Vollstrecker.

Jetzt freut er sich darauf, auch die Sonntage mit seiner Frau und dem dreijährigen Sohn verbringen zu können. Aber ganz ohne SW Osterfeine geht's natürlich nicht: Christian Harpenau gehört seit vergangenem Jahr dem erweiterten Vorstand an – und da will er weiter mitwirken.

„Er war immer ein großes Kampfschwein.“Christian Harpenau über seinen Bruder Michael, genannt „Ackerschiene“

Über seinen Bruder Michael sagt Christian: „Er war immer ein großes Kampfschwein. Er war für uns unersetzlich.“ Der Spitzname „Ackerschiene“ verrät hier alles über den Sechser, der in 427 Partien immerhin auch noch 19 Mal getroffen hat. Die akribisch von Klubchef Bernard Piening geführte Trainingsstatistik beeindruckt ebenfalls: 1335 Einheiten wurden verbucht. Es werden nicht die letzten bleiben: Beim Training will Michael Harpenau hin und wieder noch mal mitmischen.

Er blickt zufrieden auf 17 Saisons mit im Durchschnitt 26 Einsätzen zurück. Die einzige schwere Verletzung war ein Sprunggelenksbruch, den er sich in der Serie 2004/05 beim 0:7 in Melle zuzog. Sein Comeback feierte er im Rückspiel – und SWO gewann diesmal mit 7:0.

Gelbsperren waren bei Michael fest eingeplant

Ansonsten erinnert sich Michael Harpenau gerne an starke Saisons wie 2006/07 (2.) oder 2010/11 (2.) und Spiele mit vielen Zuschauern: „Das hat 'ne Mordsgaudi gemacht.“ Und wäre die Gelbsperre nicht eingeführt worden, hätte Michael Harpenau seinen Bruder Christian, dem er eine „eingebaute Torgarantie“ attestiert, in puncto Einsätze vermutlich noch überholt. „Die Pille musste ich immer schlucken“, sagt er zu den Gelb-Zwangspausen. Er war in der ersten Mannschaft halt immer ein Arbeiter – und das, obwohl er in der A-Jugend noch den Spielmacher gegeben hatte.

Zu seinem Karriereende sagt Michael Harpenau: „Meine Frau freut sich.“ Nun werde er die freien Wochenende mit ihr und den beiden Kindern (7 und 2) genießen. Die Familie wohnt seit ein paar Jahren direkt am Stadion von RW Damme – der Nachwuchs wird sportlich also wohl eher rot-weiß statt schwarz-weiß groß werden.

Fußballerisch, das betonen die Brüder, haben sie in den letzten zwei Jahren weniger helfen können. Und doch wirkten sie aktiv am Generationswechsel mit. Der hat indes reibungslos geklappt: Das erste Gebot gilt immer noch.

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