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Das große England-Abenteuer des Boxers Erdogan Kadrija

Der Profi (35) aus Lindern stieg am Wochenende in Newcastle in den Ring. Den Kampf gegen Lokalmatador Michael Webster sahen rund 15.000 Zuschauer im Stadion und Millionen an den Fernsehern.

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Starker Gegner: Erdogan Kadrija (links) musste anerkennen, dass der Engländer Michael Webster für ihn nicht nur körperlich eine Nummer zu groß war. Foto: ©Kadrija

Starker Gegner: Erdogan Kadrija (links) musste anerkennen, dass der Engländer Michael Webster für ihn nicht nur körperlich eine Nummer zu groß war. Foto: ©Kadrija

Rund 15.000 Box-Fans im Fußball-Stadion von Newcastle United, die TV-Liveübertragung seines Kampfes vor einem Millionen-Publikum und unzählige Gänsehaut-Momente – Erdogan Kadrija ist noch immer ganz berauscht, wenn er an das vergangene Wochenende denkt. „Für mich ist in Newcastle ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt der 35 Jahre alte Profi aus Lindern. Das Cruisergewicht-Duell von „Big Edi“ gegen den Engländer Michael Webster war einer von 14 Kämpfen, die bei der in der Boxszene ebenso bekannten wie beliebten Abend-Veranstaltung auf dem Programm standen.

Zwar verlor Erdogan Kadrija gegen den 27-jährigen „Webba“ in der dritten Runde durch technischen K.o., das spielte für ihn allerdings nur eine Nebenrolle. „Dass ich mich auf solch einer Bühne präsentieren konnte, ist das größte, was ich in meiner Karriere erlebt habe.“

Doch der Reihe nach. Drei Tage vor dem Kampf – am Mittwoch vor einer Woche – klingelte spätabends Kadrijas Handy. „Man fragte mich, ob ich bei dem Event einspringen könne, weil Websters eigentlicher Gegner, Mehmet Emin Bingoel, krank absagen musste. Ich habe direkt zugesagt.“ Nur 30 Stunden später checkte der gebürtige Kosovo-Albaner am Hamburger Flughafen ein, flog erst nach London und von dort aus nach Newcastle im Nordosten Englands.

Foto mit Fußballlegende: Erdogan Kadrija sitzt am Fuße der Statue des 2009 verstorbenen Sir Bobby Robson, der englischer Nationalspieler und später auch Trainer der Three Lions“ war. Foto: ©KadrijaFoto mit Fußballlegende: Erdogan Kadrija sitzt am Fuße der Statue des 2009 verstorbenen Sir Bobby Robson, der englischer Nationalspieler und später auch Trainer der „Three Lions“ war. Foto: ©Kadrija

Nun konnte das unvergessliche Box-Wochenende starten. Es begann jedoch mit einem kleinen Malheur. „Weil ich die Zeitverschiebung nicht bedacht hatte, war ich bei einem ersten Treffen mit den Veranstaltern eine Stunde zu früh“, sagt „Big Edi“ und lacht. Danach sollte alles aber wie am Schnürchen laufen.

Beim Wiegen in einem Einkaufscenter traf er nachmittags zum ersten Mal auf seinen Gegner. „Michael Webster – die Nummer 18 in England – ist ein richtig Guter und einige Zentimeter größer – ich wusste, dass das eine harte Nuss wird“, so Kadrija. Nach dem Wiegen stand noch etwas Sightseeing in Newcastle an, bevor es ins Hotel ging.

Am nächsten Tag war es dann so weit: Erdogan Kadrija und Michael Webster standen sich am frühen Abend im fünften Duell gegenüber. „Auf dem Weg in den Ring habe ich mich überall auf den Leinwänden gesehen. Ich habe die englischen Fans dazu animiert, mich anzufeuern – das hat zum Glück geklappt. Das waren unvergessliche Momente für mich.“

"Mein linkes Auge schwoll schon nach 45 Sekunden zu."Erdogan Kadrija, Profiboxer aus Lindern

Im Kampf selbst kassierte „Big Edi“ bereits in Runde eins einen Volltreffer. „Mein linkes Auge schwoll schon nach 45 Sekunden zu, ich konnte von da an kaum etwas sehen.“ Doch ans Aufgeben dachte Kadrija nicht eine Sekunde. Er wehrte sich nach Kräften und landetet sogar einige schöne Treffer. Im dritten Durchgang musste der Linderner jedoch weitere Schläge hinnehmen und den Ring wenig später als Verlierer verlassen. „Webster ist ein harter Junge, von dem man sicher noch hören wird“, sagt Erdogan Kadrija. „Es tat gut, dass er mich im Ring für meinen Auftritt gelobt hat.“

Lädiert, aber mächtig stolz ging's für „Big Edi“ danach erst auf die Aftershow-Party – und dann ins Krankenhaus. „Dort haben die Ärzte mein Auge versorgt.“ Voller Adrenalin stürzte sich Kadrija danach noch ein paar Stunden ins Nachtleben von Newcastle, wurde von Boxfans in Bars erkannt und hatte jede Menge Spaß. „Die Engländer sind genauso verrückt wie ich.“

Seit Sonntagnacht ist Erdogan Kadrija wieder zurück in Lindern. Müde, aber glückselig. Sein größtes Box-Abenteuer hat nicht nur am linken Auge Spuren hinterlassen, sondern vor allem in seinem Sportlerherzen.

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