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BW Lohne stürmt wie entfesselt in die Regionalliga

Zum 8:1-Kantersieg gegen Arminia Hannover kam am Mittwochabend das passende Ergebnis aus Emden. Es folgten emotionale Momente.

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Kollektive Ekstase im Heinz-Dettmer-Stadion: Die Lohner drehten nach der Botschaft vom 2:2 in Emden völlig durch. Alle Fotos: Elke Schikora

Kollektive Ekstase im Heinz-Dettmer-Stadion: Die Lohner drehten nach der Botschaft vom 2:2 in Emden völlig durch. Alle Fotos: Elke Schikora

Als der spielerische Rausch mit dem Schlusspfiff beendet war, erreichte der emotionale Rausch im Heinz-Dettmer-Stadion eine völlig neue Dimension. Nicht wegen des letzten Tores von Frank Placke, der wenige Sekunden vor dem Ende des Heimspiels der Oberliga-Fußballer von BW Lohne gegen Arminia Hannover zum vielsagenden 8:1 (3:0)-Endstand eingeschossen hatte. Sondern wegen eines Tores von Dennis Jungk, dessen Namen in Lohne wohl die wenigsten kannten. Aber jener Dennis Jungk hat BWL am Mittwochabend zum Meister der Oberliga und zum Aufsteiger in die Regionalliga Nord gemacht: Er traf in der dritten Minute der Nachspielzeit für Lupo-Martini Wolfsburg zum 2:2 (0:1)-Endstand beim Lohner Konkurrenten Kickers Emden.

Am vorletzten Spieltag ist die Mannschaft von Trainer Henning Rießelmann an ihrem Ziel angekommen: Angesichts von fünf Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Emden kann den Lohnern nun herzlich egal sein, was bei ihrem abschließenden Gastspiel beim SV Ramlingen am Sonntag (15.00 Uhr) und bei allen anderen parallelen Oberliga-Partien passiert.

BWL ist am Mittwochabend in seine Meister-Feierlichkeiten übergegangen. Die Spieler und Funktionäre lagen sich nach dem Schlusspfiff und der Botschaft aus Ostfriesland glückselig in den Armen, sie ließen sich von den rund 1500 Zuschauern im Stadion feiern und strahlten um die Wette, während im Hintergrund „We are the Champions“ von Queen lief.

Viererpack ins Glück: BW Lohnes Toptorjäger Christopher Schepp nach der Machtdemonstration gegen Hannover.Viererpack ins Glück: BW Lohnes Toptorjäger Christopher Schepp nach der Machtdemonstration gegen Hannover.

Die Lohner Spieler intonierten danach freudetrunken „Nie mehr Oberliga, nie mehr, nie mehr“. Und die Akteure konnten ihr Glück nicht fassen. Selbst wieder eine imponierende Vorstellung geboten – und dann die frohe Kunde aus Emden, exakt passend zum Abpfiff. Lohnes Mittelfeldrenner Rilind Neziri stammelte: „Ich bin sprachlos, echt.“ Schon etwas gefasster fügte er hinzu: „Das ist das Größte, was ich als Fußballer bisher erreicht habe. Wir sind ein echtes Team. Ich bin so stolz. Heute wird gefeiert.“

Auch Frank Placke, der vor dem Spiel mit dem langjährigen Torwart Philip Kreimer sowie Philipp Selke, Nico Gill und Stadionsprecher „Hotty“ Möhlmann offiziell verabschiedet worden war, zeigte sich vollständig geplättet von den Ereignissen. Mit Tränen in den Augen bekannte er: „Ja, das ist sehr emotional, nach sechs Jahren dieser Abschied. Obwohl mein Tor am Ende ja bedeutungslos war.“ Mit einer Energieleistung hatte der eingewechselte Placke sein feines Solo mit einem platzierten Linksschuss in die rechte Ecke abgeschlossen.

Während sich das Team zusammen langsam Richtung Feierzentrum mit Fans und 250 Litern Freibier begab, schritt Trainer Henning Rießelmann für einige Momente allein über den gepflegten Rasen. Wenige Minuten zuvor hatte er im Kreis seine Jungs noch mit finalen Worten gepusht. Später sagte er, sichtlich gerührt: „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Das ist für mich noch gar nicht greifbar. Aber wir haben ab dem Tag eins darauf hingearbeitet.“ Und er fragte: „Hat man schon einmal eine Mannschaft in Lohne so Fußball spielen sehen?“ Als er anschließend von seiner Frau umarmt wurde, konnte auch der Coach seine Tränen nicht mehr zurückhalten.

In dem weltbekannten Queen-Song heißt es unter anderem „And we'll keep on fighting till the end“, zu Deutsch: Und wir werden bis zum Ende kämpfen. Das traf in der Tat auch auf den Lohner Auftritt im letzten Heimspiel der Saison zu. Gegen die Arminen, die immerhin wenige Tage zuvor mit dem 4:2 in Emden ins Titelrennen eingegriffen und daraufhin angekündigt hatten, auch Lohne „weghauen“ zu wollen, zeigte BWL einen überragenden Auftritt. Es war ein Spiegelbild der Saison. Lohner Konstanz – von Anfang bis zum Ende.

Schon in der Halbzeitpause war alles klar: Sandro Heskamp (22., abgefälschter Schuss) und Christopher Schepp (26./40.) stellten die Weichen klar auf Sieg. BWL kam danach wie erwartet auch nicht mehr vom Gleis ab – der 1:3-Treffer durch Arminias Felix Poschmann (50., Kopfball) hatte keinerlei Einfluss auf das Lohner Spiel. Stattdessen legten die Hausherren einige offensive Glanzmomente nach. Die Folge: Aaron Goldmann (54./71.), Christopher Schepp (78./83.) und Frank Placke (90.) schraubten das Ergebnis auf 8:1. So stand der höchste Sieg in der Aufstiegsrunde fest.

Es flossen Freudentränen: Henning Rießelmann (rechts) mit Phil Sarrasch.Es flossen Freudentränen: Henning Rießelmann (rechts) mit Phil Sarrasch.

Die Gäste waren dem Lohner Tempofußball nicht gewachsen. Der vierfache Torschütze Christopher Schepp, mit elf Treffern Toptorschütze der Aufstiegsrunde, sagte: „Ich hatte mir keine besondere Anzahl an Toren vorgenommen, ich wollte heute nur meinem Team helfen. Dass es so läuft – einfach unglaublich. Aber bei den Flanken brauchte ich ja teilweise nur den Fuß hinzuhalten.“ Was teilweise stark untertrieben war, denn die Dynamik, mit der der Torjäger regelmäßig in die Arminia-Hälfte vorstieß, war für die Gäste einfach nicht kontrollierbar.

Spielmacher Aaron Goldmann lehnte derweil entspannt mit einem Pils an der Bande und fragte: „Wie haben wir jetzt eigentlich genau gespielt? Egal. Ab jetzt wird gefeiert.“ Es dürfte eine lange Nacht geworden sein.


Lesen Sie zum Lohner Aufstieg hier einen Kommentar von Andreas Hausfeld.

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