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BW Lohne ist noch nicht in der Regionalliga angekommen

Trainer Henning Rießelmann äußert sich im OM-Medien-Interview zu den ersten Saisoneindrücken. Der 39-Jährige wählt auch den Vergleich mit einer Ehe. Und er spricht über schmerzhafte Entscheidungen.

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In der Coaching-Zone: BWL-Cheftrainer Henning Rießelmann mit seinen Co-Trainern Sven Apostel und Jürgen Westendorf (von links) im Spiel gegen Phönix Lübeck.  Foto: Schikora

In der Coaching-Zone: BWL-Cheftrainer Henning Rießelmann mit seinen Co-Trainern Sven Apostel und Jürgen Westendorf (von links) im Spiel gegen Phönix Lübeck.  Foto: Schikora

Nach dem Highlightspiel im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg (0:4) und dem Punktspielstart gegen Phönix Lübeck (2:3) folgt für die Fußballer von BW Lohne am Mittwoch (19.00 Uhr) das dritte Heimspiel in Folge gegen die U 23 von Werder Bremen. Es wird wieder ein dickes Brett, das Regionalliga-Aufsteiger BWL bohren muss. Henning Rießelmann (39), Trainer und Sportlicher Leiter der Lohner, beschreibt im OM-Online-Interview den Entwicklungsprozess.

Das Spiel gegen Phönix Lübeck hatte einen Top-Unterhaltungswert, es ging rauf und runter. Ist BWL trotz des 2:3 gleich in der Regionalliga angekommen?
Insgesamt haben wir ein gutes und ansprechendes Spiel gemacht. Fakt ist aber auch, dass wir verloren haben. Wir haben eindrucksvoll gesehen, wie schwer es wirklich ist, Punkte in der Regionalliga zu holen. Wenn alles passt, sind wir grundsätzlich in der Lage mitzuhalten und uns auch in der neuen Liga Torchancen zu erspielen. Die Frage ist, ob wir es auch über ein gesamtes Spiel hinbekommen – und das am besten auch Woche für Woche. Deshalb würde ich in unserem Fall auch noch nicht davon sprechen, dass wir angekommen sind.

Was muss sich genau ändern, um Erfolg zu haben?
Wie wir erfolgreich sein können, haben wir, glaube ich, in den letzten Monaten und Jahren schon recht gut transportiert bekommen. Alle haben gespürt, was es wirklich heißt und wie viel Aufwand dahintersteckt, ein Regionalliga-Spiel erfolgreich zu bestreiten. Es ist alles viel intensiver, körperbetonter, kräftezehrender und schneller als in der Oberliga. Die gegnerischen Spieler haben gerade im vorderen Bereich sowie in der Abwehr eine ganz andere Qualität – vor allem technisch und physisch. Insgesamt müssen wir alle möglichst schnell aus unseren Fehlern lernen. Alle Spieler müssen positionsunabhängig noch mehr bereit sein, gnadenlos und bis zum Abpfiff mit nach hinten  sowie gegen den Ball zu arbeiten. Hier und da brauchen wir auch noch etwas mehr Härte und Abgeklärtheit. Denn am Ende wird nicht unsere Spielweise, sondern das Ergebnis bewertet.

Könnte es für die zum Großteil erfolgsgewohnte Mannschaft ein Problem werden, wenn jetzt mal eine längere Durststrecke folgt?
Das glaube und hoffe ich nicht. Wenn es gut läuft, ist meistens auch die Stimmung gut. Man kann es ein bisschen mit einer Ehe vergleichen. Erst bei stürmischen Zeiten zeigt sich, wie gut man zusammenhält und füreinander einsteht. Auch wenn noch kein Sturm aufgekommen ist, glaube ich, dass wir als Mannschaft grundsätzlich aus diesem Holz geschnitzt sind, um stürmische Zeiten gut zu überstehen. Uns allen muss klar sein, dass wir jetzt eine völlig neue Rolle in einer völlig neuen Liga einnehmen und auch mal eine längere Durststrecke auf uns zukommen wird. Wir haben uns immer klar und offen zu unseren Zielen geäußert, was auch immer eine gewisse Erwartungshaltung mit sich bringt. Jetzt sage ich genauso klar: Bei bis zu sechs Absteigern wäre der Klassenerhalt für uns fast noch höher zu bewerten als die Meisterschaft in der Oberliga.

27 Spieler im Kader – da muss der Trainer auch ein einfühlsamer Moderator sein ...
Die Zahl 27 wird mir ein bisschen zu hoch gehängt. Man darf nicht vergessen, dass wir mit Jonas Burke und Thorsten Tönnies noch zwei Langzeitverletzte haben. Dann sind es 25 inklusive drei Torhüter. Hinzu kommen noch die üblichen Verletzungen, eine brutal lange Saison – und warten wir mal ab, was Corona im Herbst bringt. Unabhängig von der Kadergröße ist es mir persönlich wichtig, viel mit unseren Spielern zu sprechen. Ich möchte als Trainer agieren, wie ich es persönlich als Spieler auch erwarten oder einfordern würde: fair und transparent. Dennoch machst du als Trainer auch Fehler – erst recht bei einer großen Gruppe. Wichtig ist, dass man zu seinen Fehlern steht und bereit ist, daraus zu lernen. Da wir in dieser Saison einen sehr ausgeglichenen Kader haben, wird neben der Spiel- vor allem auch die Trainingsleistung immer stärker berücksichtigt. Dennoch dürfen wir bei aller Kameradschaft und Menschlichkeit nicht vergessen, dass wir uns spätestens jetzt im Leistungsfußball befinden. Dazu gehören auch schmerzhafte Entscheidungen.

Gibt es Trotzreaktionen im Training?
Das erwarten wir von jedem Spieler. Es ist am Ende auch die einzig richtige Reaktion. Ich fordere ein, dass die Spieler unsere Entscheidungen mit einer gewissen Haltung annehmen. Was nicht heißen soll, dass sie glücklich damit sind.

Alles versucht: Lohnes Torjäger Christopher Schepp (links) vor dem Lübecker Tor. Foto: SchikoraAlles versucht: Lohnes Torjäger Christopher Schepp (links) vor dem Lübecker Tor. Foto: Schikora

Am Mittwoch geht's gegen Werder Bremen II. Was kommt da auf BW Lohne zu?
Die nächste Mannschaft, die unter Vollprofibedingungen arbeitet. Da wir unter der Woche spielen, rechne ich auch damit, dass noch der ein oder andere Spieler aus dem Bundesliga-Kader dazustoßen wird. Alle Spieler sind top ausgebildet, haben ein enormes Tempo und noch das Ziel, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Das wird schon eine große Herausforderung für uns. Aber genau das macht es doch auch aus. Wir trainieren meistens drei-, vielleicht auch mal viermal die Woche. Man darf auch nicht vergessen, dass viele Spieler, die am Wochenende auf dem Platz standen, schon in der Landesliga bei uns waren. Wir müssen also unsere Trainingssteuerung sowie die allgemeine Intensität behutsam und Schritt für Schritt anpassen und erhöhen.

Bei allem Ehrgeiz und Ambitionen die wir haben, darf man nicht vergessen, wo wir herkommen und dass die Regionalliga unser Hobby ist. Wir gehen alle unserem Beruf oder Studium auf Vollzeit nach und haben neben dem Fußball auch ein Privatleben. Unsere Mannschaft geht gerne gemeinsam zum Schützenfest oder zum Stoppelmarkt, das ist auch gut so. Dennoch wollen wir mit unseren Mitteln alles versuchen, um Werder einen harten Kampf zu liefern. Für uns ist es etwas Besonderes, gegen solche Mannschaften ein Pflichtspiel absolvieren zu dürfen.

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