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BV Essen zieht Mannschaft in Kreisliga zurück

Paukenschlag in der Fußball-Landesliga: Der BV Essen zieht seine Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus dem wann auch immer wieder anlaufenden Spielbetrieb zurück.

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Ein Derby, das in Zukunft fehlt: Duelle zwischen dem BV Essen (blaue Trikots) und SV Bevern sorgten in den vergangenen Jahren nicht nur für reichlich Zuschauerinteresse, sondern auch für sportliche Brisanz. Archivfoto: Wulfers

Ein Derby, das in Zukunft fehlt: Duelle zwischen dem BV Essen (blaue Trikots) und SV Bevern sorgten in den vergangenen Jahren nicht nur für reichlich Zuschauerinteresse, sondern auch für sportliche Brisanz. Archivfoto: Wulfers

Ohne Zuschauereinnahmen und wegen der durch die Corona-Pandemie wegbrechenden Sponsorengelder ist für den BV Essen ambitionierter Fußball in der sechsthöchsten deutschen Liga nicht mehr zu stemmen. Konsequenz: Der Verein geht in der laufenden Saison in der Landesliga nicht mehr an den Start und plant in der Saison 2021/2022 einen Neuanfang in der Kreisliga.

Essens Präsident Paul Kolker begründete in einem Pressetermin den aus seiner Sicht unausweichlichen Schritt. „Ich habe viel Herzblut investiert, damit der BV Essen dahin kommt, wo er jetzt steht. Bevor ich aber den Verein finanziell an die Wand fahre, ziehe ich lieber die Reißleine. Wir sind schließlich für den Gesamtverein verantwortlich. Wir können ohne Einnahmen die Landesliga nicht finanzieren.“

Am 17. November 2019 absolvierte der BVE bei der 0:3-Niederlage gegen BW Lohne sein letztes Heimspiel. Im gesamten Kalenderjahr 2020 kam und kommt nicht eine Partie vor eigenem Publikum hinzu. Bedeutet: keinerlei Einnahmen aus Eintrittsgeldern sowie dem Getränkeverkauf.

Paul KolkerPaul Kolker

„Ohne diese Einnahmen geht es nicht. Die Sponsorengelder, die uns für die Finanzierung der Saison 2020/2021 zugesagt worden sind, kommen nur schleppend, werden geschoben oder einfach wegen der Krisensituation nicht bezahlt. Wir haben für diese Unternehmen großes Verständnis. Wenn Unternehmen um ihre Existenz bangen, Personal in Kurzarbeit schicken, abbauen und/oder entlassen müssen, ist es nachvollziehbar und verständlich, dass unsere Rechnungen erst einmal zurückgestellt werden. Die Landesligamannschaft verursacht aber zwangsläufig fortlaufende Kosten, auch wenn der Spielbetrieb ruht.“

Wie geht es nun weiter beim BV Essen? „Wir könnten in die Bezirksliga absteigen, aber auch die verursacht reichlich Kosten. Daher haben wir uns entschlossen, in der neuen Saison in der Kreisliga an den Start zu gehen. Das neue Team setzt sich dann zusammen aus den Spielern der jetzigen zweiten Mannschaft, sowie dem ein oder anderen Spieler der Ersten, der bei uns bleibt. Da müssen wir natürlich abwarten, ob sie gewillt sind, in der Kreisliga zu spielen. Den jetzigen Akteuren des Landesligakaders werden wir natürlich die Freigabe erteilen.“

Trainer Mohammad Nasari wurde der Vorstandsbeschluss am vergangenen Wochenende mitgeteilt. „Ich hatte zwei schlaflose Nächte. Ich muss jetzt erst einmal meine Gedanken sammeln. Ich habe die Spieler zum BV Essen geholt und folglich auch eine Fürsorgepflicht. Für mich stehen jetzt die Spieler an erster Stelle.“


Kommentar von Sportredakteur Rolf Wulfers:

Entscheidung konsequent

Natürlich ist der Rückzug des BV Essen in die Kreisliga zuallererst auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Freiwillig nicht mehr zu den besten drei Fußballmannschaften im Kreis Cloppenburg zu gehören: Dieser Entschluss dürfte den Entscheidungsträgern des BVE, der immerhin auf eine einhundertjährige Tradition zurückblicken kann, alles andere als leicht gefallen sein. Sie war dennoch richtig.

Wegen völlig brach liegender Einnahmen fehlt schlicht und ergreifend das Geld, um mehr oder weniger begabten Kickern ihr fußballerisches Können mit einem entsprechenden Salär zu honorieren. Als Konsequenz bleibt nur eine Verschuldung des Vereins, oder aber eine drastische Reduzierung der Kosten.

Dass sich die Verantwortlichen für Variante zwei entschieden haben, dafür gebührt ihnen unbedingt Respekt. Alles andere wäre den über 1500 Mitgliedern aber auch kaum zu vermitteln gewesen.

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