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Biberach klappt, Melbourne auf der Kippe

Tennis-Talent Julia Middendorf spricht über die DM, ihre letzte ITF-Junior-Saison und den Spagat zwischen Alltag und Leistungssport.

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Volle Konzentration: Julia Middendorf beim Return. Foto: Becker

Volle Konzentration: Julia Middendorf beim Return. Foto: Becker

Sie sind selten, aber es gibt sie doch noch, die guten Nachrichten in Zeiten von Corona. „Die DM findet statt. Ich bin froh, dass wir das Turnier noch spielen können“, sagt Julia Middendorf. Die 17 Jahre alte Dinklagerin meint die Deutsche Meisterschaft im Tennis. Der traditionelle Saisonabschluss der Damen und Herren steigt seit 2010 im oberschwäbischen Biberach an der Riß, in diesem Jahr vom 7. bis 13. Dezember. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) als DM-Veranstalter und der Württembergische Tennis-Bund als Ausrichter haben ein Hygiene- und Sicherheitskonzept erarbeitet, das eine Durchführung der Titelkämpfe ermöglichen soll.

In Kurzform gilt: keine Qualifikation, kein Mixed, keine Zuschauer am Bezirksstützpunkt, zwei 48er-Felder im Einzel. Julia Middendorf sagt: „Es wird sicher anders sein, aber ich freue mich drauf.“ Es ist bereits ihr vierter Start bei der Damen-DM in Biberach: 2017 und 2018 war sie per Wildcard dabei. 2019 qualifizierte sie sich dann über die Damen-Rangliste des DTB für die DM und verbuchte mit dem Einzug ins Viertelfinale ihr bislang bestes Ergebnis. Auch in diesem Jahr ist Julia Middendorf, die im Juniorinnen-Bereich diverse DM-Titel in den Altersklassen gewonnen hat, über die DTB-Rangliste dabei – aktuell liegt sie auf Platz 40. Die Top 16 der Setzliste haben in Biberach in Runde eins ein Freilos.

Julia Middendorf hofft, dass sie erst am zweiten DM-Tag, also am Dienstag, ran muss. Denn: Für den 6. Dezember ist der Nordliga-Saisonstart mit dem TV Visbek geplant. Der Regionalliga-Absteiger (Winter 19/20) eröffnet die neue Hallen-Punktrunde mit einem Auswärtsspiel beim Club an der Alster II. „Da wäre ich schon gerne dabei. Matchpraxis ist wichtig, so viele Spiele hatte ich zuletzt ja nicht“, sagt Julia Middendorf.

Kurz vor Saisonende auf Platz 97 im "Girls-Ranking" der ITF

Ihr letzter Einsatz auf der Junior-Tour des Tennis-Weltverbandes ITF ist mittlerweile anderthalb Monate her; in Hannover erreichte sie Anfang Oktober wie zwei Wochen zuvor in Bruchköbel das Finale, das dann jedoch coronabedingt gestrichen wurde. „Danach gab's wenig Turniere, die für mich Sinn gemacht hätten“, sagt die Dinklagerin und spielt damit auch auf die Reise-Risiken, eine mögliche Quarantäne und die Folgen für die Schule an. Und auch aus sportlichen Gründen überwogen die Zweifel. „Ich hätte die Turniere schon fast gewinnen müssen, damit es punktemäßig was bringt“, so Julia Middendorf. Im „Girls-Ranking“ der ITF liegt sie kurz vor Saisonende auf Platz 97. Ende des Jahres fallen die Spielerinnen des Jahrgangs 2002 aus der Wertung. Das gilt aktuell für 43 Talente aus aller Welt, die vor Julia Middendorf (Jg. 2003) platziert sind, darunter mit Alexandra Vecic, Eva Lys und Angelina Wirges auch drei Kolleginnen aus den Förderkadern des DTB.

Julia Middendorf wird demnach sehr wahrscheinlich auf einem Top-60-Platz in ihr letztes ITF-Junior-Jahr starten. Die ersehnte Premiere bei einem Junior Grand Slam, die eigentlich für die Australian Open im Januar avisiert war, wird sich aber wohl verzögern. Das Abenteuer Melbourne steht auf der Kippe. „Die Veranstalter wissen noch nicht, ob sie die Junior-Turniere machen“, erzählt Julia Middendorf. Wenn ja, gibt's aber noch hierzulande „viele offene Fragen“, wie sie sagt. Wie sind die Quarantäneregeln vor und nach dem Turnier? Wer übernimmt die Kosten, wenn man vor dem ersten Aufschlag zwei Wochen ins Hotel muss? Wie sieht die Betreuung vor Ort aus? Wer fliegt aus den DTB-Kadern hin? Viele Fragen, die noch nicht beantwortet sind.

In einem anderen Punkt ist Julia Middendorf unterdessen einen Schritt weiter – gemeint ist der Spagat zwischen Schulalltag und Leistungssport. „Wir haben eine Regelung gefunden, die für alle Seiten okay ist“, sagt sie. Heißt konkret: Julia Middendorf, die derzeit die 12. Klasse der Liebfrauenschule in Vechta besucht, wird die Oberstufe auf vier Jahre strecken und ihr Abitur damit erst 2023 statt 2022 machen. Sie gewinnt Zeit, die sie in Training und Turniere investieren kann. „Nur so hab' ich die Chance, sportlich nicht den Anschluss zu verlieren“, sagt sie. Fast alle ihrer Kolleginnen im Porsche Talent Team sowie im Porsche Junior Team gehen nicht mehr klassisch zur Schule.

Apropos Junior Team: Unter der Regie von Barbara Rittner, seit 2017 Head of Women's Tennis im DTB, bereiteten sich eine Handvoll Spielerinnen der Jahrgänge 2002 und 2003 in der ersten November-Hälfte acht Tage lang am Stützpunkt Stuttgart auf die DM vor. Julia Middendorf war auch dabei – und fiebert nun dem Jahresfinale entgegen.

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