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Beim Heimrennen winkt die DM-Krone

Lukas Fienhage (21) aus Brockdorf hat eine durchwachsene Bahnsport-Saison hinter sich. Bei der Langbahn-DM am Samstag im Reiterwaldstadion in Vechta soll es besser laufen.

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Den Verfolger im Nacken: Lukas Fienhage (links) bei einem Speedway-Rennen in Brokstedt. Am Samstag steigt die DM. Foto: Bandy

Den Verfolger im Nacken: Lukas Fienhage (links) bei einem Speedway-Rennen in Brokstedt. Am Samstag steigt die DM. Foto: Bandy

Lukas Fienhage nimmt kein Blatt vor den Mund. Keine Schönfärberei, keine Suche nach Ausreden. Es gibt Klartext, als der 21 Jahre alte Motorradsportler aus Brockdorf den bisherigen Verlauf seiner Saison zusammenfasst. „Ich hatte mehr von mir erwartet. Es war kein gutes Jahr“, sagt Fienhage. Und weiter: „Ich konnte nicht an 2020 anknüpfen. Ich muss mich auf jeden Fall steigern, ich muss 2022 eine Schippe drauflegen.“

Ehrliche Worte eines ehrgeizigen Bahnsportlers, der vor einem Jahr als Langbahn-Weltmeister für Furore gesorgt hatte. Die Saison 2021, die laut Fienhage bislang „mehr Schatten als Licht“ hatte, könnte aber noch ein versöhnliches Ende bekommen. Am Samstag (11. September, 19.00 Uhr) steigt im Rahmen des Flutlichtrennens im Reiterwaldstadion Vechta die Deutsche Langbahn-Meisterschaft der Solisten. „Den Titel würde ich schon ganz gerne haben“, sagt Fienhage.

Er gehört zum Kreis der Favoriten, sagt aber auch: „Es muss alles passen.“ Klar ist, dass Fienhage am Samstag einen Heimvorteil hat. Vechta – das ist seine Bahn, dort ist er Lokalmatador. „Ich bin ja quasi auf der Bahn aufgewachsen, dort bin ich mein erstes Rennen gefahren. Es ist für mich immer etwas Besonderes, dort zu fahren – egal, um was es gerade geht“, sagt der Fahrer des AC Vechta.

Der Lokalmatador hat starke Konkurrenz

2020 war sein Heimrennen wegen Corona ausgefallen. Auch 2017 und 2018 konnte er in Vechta nicht ans Startband rollen; vor vier Jahren kollidierte das Event im Reiterwaldstadion mit der U-21-Team-EM in Polen, ein Jahr später war's die U-21-Speedway-EM in Stralsund, die Vorrang hatte. Immerhin: 2019, als der AC Vechta die Team-WM ausrichtete, war Fienhage am Start und mit 24 Punkten einer der Top-Fahrer eines spektakulären Abends – am Ende gab's aber nur Bronze statt der angestrebten Goldmedaille.

Bei der Langbahn-DM 2018 in Scheeßel war Fienhage Fünfter. Das gleiche Resultat gab's ein Jahr später auch in Berghaupten, wo er nach den Vorläufen klar auf Titelkurs lag, dann aber sowohl im Finale als auch im Stechen um Platz zwei wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert wurde.

Klappt's nun am Samstag mit DM-Gold auf der Langbahn? „Ich versuche es“, sagt Fienhage, schickt jedoch hinterher: „Es gibt starke Konkurrenz.“ Fienhage denkt dabei an den 2019-Champion Michael Härtel, an Max Dilger, an den 2018-Meister Jörg Tebbe, an Routinier Stephan Katt und natürlich an Ex-Langbahn-Weltmeister Martin Smolinski, der 2013 und 2016 die DM-Krone auf der Langbahn gewann. Ob Smolinski in Vechta startet, ist aber noch offen. Er steht mit den Landshut Devils vor dem Einzug ins Playoff-Finale der polnischen Speedway-Liga – und der Rückkampf gegen Rawitsch steigt parallel zur DM in Vechta.

Apropos Speedway in Polen: Fienhages erste Erstliga-Saison für Wybrzeze Danzig verlief „sehr durchwachsen“, wie er nach 15 Rennterminen sagt: „Meine Starts waren schlecht, daher hatte ich nicht so viele Einsätze. Ich hatte zwar ein paar gute Ergebnisse, aber auch einige Rennen, die echt zum Vergessen waren.“


Fakten zum Flutlichtrennen in Vechta

  • Das Rennen in Vechta steigt am Samstag (11.9.) ab 19.00 Uhr im Reiterwaldstadion. Nachmittags wird trainiert. Fahrervorstellung: 18.30 Uhr.
  • Highlight der Veranstaltung ist die Deutsche Langbahn-Meisterschaft der Solisten. Die DM, an der 15 Fahrer teilnehmen, umfasst 18 Rennen: 15 Vorläufe, zwei Halbfinals und das Finale.
  • Die DM der Seitenwagen, die auch in Vechta stattfinden sollte, wurde vom Deutschen Motorsport Bund abgesagt.
  • Das Rahmenprogramm bilden die B-Lizenz-Fahrer und die 125er Jugendklasse mit dem frischgekürten Weltmeister Leister Matthijssen (Niederlande), der in dritter Matthijssen-Generation für den AC Vechta startet.
  • Ein Oldtimer-Showlauf für Seitenwagen rundet das Programm ab. Bahnsport- Recken wie Egon Walla, Edgar Starke oder Ditmar Hans präsentieren ihre Maschinen.
  • 5000 Zuschauer sind zugelassen (3G-Regel). Eintrittskarten gibt's auf der Homepage des AC Vechta und am Samstag zwischen 14.00 und 15.30 Uhr an der Tageskasse.

Der Brockdorfer, der auch eine Handvoll Rennen für Piraterna Motala in Schwedens Speedway-Liga fuhr und am Vorabend der DM in Vechta noch beim Speedway-Team-Cup in Cloppenburg startet, ist froh, dass er sich zumindest für die Langbahn-WM 2022 qualifizieren und das Minimalziel in schwierigen Wochen erreichen konnte. Nach einem völlig verkorksten WM-Auftakt in Marmande mit Platz elf („Ich bin mit der Bahn nicht klar gekommen“) sowie Absagen in Herxheim, Mühldorf und Morizes war der Druck beim letzten Grand Prix in Rzeszow/ Polen groß. Aber dort, wo er im Herbst 2020 den WM-Titel gewonnen hatte, raste er dann Ende August auf Platz vier und damit auf Rang sechs der WM-Gesamtwertung. Das reichte, um das Ticket für die WM 2022 zu lösen. „Gott sei Dank“, atmete Fienhage tief durch. Mit dieser Erleichterung im Kopf soll's nun auch in Vechta weit nach vorne gehen – und das am Vorabend seines 22. Geburtstages.

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