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Aus der Aachener Blase geht's für Klaus Roeser nach Tokio

Der Lohner fliegt als Dressur-Equipechef und Corona-Manager am Dienstag zu den Olympischen Spielen. Die Umstände sind schwierig - die Erwartungen hoch.

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Olympia kann kommen: Klaus Roeser (rechts) mit dem Dressur-Team im August 2019 als Mannschafts-Europameister. Von links Dorothee Schneider, Isabell Werth, Jessica von Bredow-Werndl und Sönke Rothenberger (fehlt in Tokio). Foto: dpa/Vennenbernd

Olympia kann kommen: Klaus Roeser (rechts) mit dem Dressur-Team im August 2019 als Mannschafts-Europameister. Von links Dorothee Schneider, Isabell Werth, Jessica von Bredow-Werndl und Sönke Rothenberger (fehlt in Tokio). Foto: dpa/Vennenbernd

Klaus Roeser freut sich auf seine dritten Olympischen Spiele als Equipechef der deutschen Dressur-Mannschaft – auch wenn vieles anders sein wird als zuvor. Der 57-jährige Lohner weiß vor Beginn der Dressur-Wettkämpfe am 24. Juli in Tokio: „Es wird sehr speziell.“ Über den Spielen und den Teilnehmern schwebt Covid-19. Dieses Thema hat Klaus Roeser fest im Blick, denn er ist auch Corona-Manager im deutschen Dressur-Team.

Seit dem vergangenen Dienstag sind die Pferde in Aachen schon in der Olympia-Quarantäne, um die Einfuhrbestimmungen für Japan zu erfüllen. Und mit den wertvollen Tieren gehen auch die begleitenden Menschen aus dem Team quasi mit in Quarantäne, sie bilden in Aachen eine Blase. Klaus Roeser: „Es ist wie ein Trainingslager, so wie wir es vor großen Veranstaltungen kennen.“

In Aachen, dem Standort des weltbekannten CHIO-Turniers in der Soers, sind alle europäischen und US-amerikanischen Pferde versammelt, um dann auf den Weg nach Asien zu gehen. Das deutsche Begleitpersonal fliegt am Dienstag (13. Juli) von Frankfurt nach Tokio, die Pferde folgen einen Tag später auf der Route Frankfurt-Dubai-Tokio. Klaus Roeser weiß trotz der langen Anreise: „Pferde fliegen lieber, als dass sie im Lkw fahren.“ Kurz vor dem Abflug zeigte sich Klaus Roeser entspannt: „Pferde und Reiterinnen sind gut drauf. Die Stimmung ist gut – das Wetter war es auch.“

Medaillenbank: Isabell Werth, hier auf Quantaz bei der DM im Juni. Foto: dpaGentschMedaillenbank: Isabell Werth, hier auf Quantaz bei der DM im Juni. Foto: dpa/Gentsch

Vor der Reise nach Fernost gab es einiges zu bedenken und zu organisieren. Vor dem Betreten der Anlage in Aachen waren Corona-Tests unerlässlich, anschließend an jedem zweiten Tag. Schon ab zwei Wochen vorher musste täglich Fieber gemessen werden, alles wurde penibel dokumentiert und wird bei der Einreise in Tokio kontrolliert. Klaus Roeser zum Gesamtaufwand: „Es ist schon extrem.“

Tokio selbst wird für den verheirateten, vierfachen Familienvater Neuland. „Ich selbst war nicht da. Aber die FN (Reiterliche Vereinigung) hat vorher eine Inspektion durchgeführt. Es sind wohl Topbedingungen dort“, sagt Roeser, im Beruf kaufmännischer Leiter der Tierklinik Lüsche, aus der auch Dr. Marc Koene als verantwortlicher Tierarzt des deutschen Dressur-Teams mit nach Tokio reist. Das Klima könnte extrem werden – mit Hitze und Schwüle, ahnt Klaus Roeser. Auf der Reitanlage in Tokio hapere es an ausreichender Stromversorgung, zusätzliche Generatoren zur Kühlung seien zu laut. Also helfen sich die Deutschen mit Camping-Batterien.

Wohnen wird das Dressurteam diesmal nicht im Olympischen Dorf, das zu klein für alle Sportler ist, sondern im Hotel. Kontakte, so Roeser, seien zu minimieren. Sightseeing falle komplett aus, man pendle nur vom Hotel zur zuschauerfreien Wettkampfstätte und ohne Umweg wieder zurück. Einkaufen? Geht nicht. Vor der Ankunft im Hotel sind PCR-Tests fällig, die japanische Corona-Warn-App, die 24 Stunden am Tag auf Sendung ist, muss runter geladen werden. Klaus Roeser resümiert. „Es wird eine lückenlose Überwachung geben.“ Kleiner Vorteil: Man habe einen guten zeitlichen Vorlauf und könne sich vor den Wettkämpfen mit den Umständen vertraut machen. Was ihn etwas sorgt, ist der Umstand, dass keine Teambuilding-Maßnahmen möglich sind. Roeser: „Die Kunst wird sein, die Stimmung in der Blase hoch zu halten.“

Rein sportlich hat die deutsche Dressur-Eqiupe Großes vor. „Der Fokus liegt wieder auf Mannschafts-Gold“, sagt Roeser klipp und klar – so wie das 2016 in Rio de Janeiro unter anderem mit der Dinklagerin Kristina Bröring-Sprehe gelang. Darüber hinaus seien erneut große Hoffnungen im Einzelwettbewerb erlaubt: „Wir sind sportlich sehr gut aufgestellt. Allerdings muss in dem neuen Wettkampfmodus jeder zünden.“

„Die Bedingungen sind für alle gleich. Also Corona ist kein Grund für Ausreden.“Klaus Roeser

Isabell Werth, Dorothee Schneider und Jessica von Bredow-Werndl bilden ein Trio, wo früher ein Quartett zum Einsatz kam; Ersatzreiterin ist Helen Langehanenberg. Neben den vier Aktiven gehören vier Pferdepflegerinnen, ein Hufschmied sowie Bundestrainerin Monica Theodorescu, Co-Trainer Jonny Hilberath, Equipe-Chef Klaus Roeser und Teamarzt Dr. Marc Koene zur 13-köpfigen Dressur-Mannschaft. Coronabedingt wurde die Zahl der Delegationsmitglieder klein gehalten; so ist kein Pferde-Physiotherapeut dabei. Klaus Roeser konstatiert: „Die Bedingungen sind für alle gleich.“ Und er lacht bei seinem Folgesatz: „Also Corona ist kein Grund für Ausreden.“

Dass die Olympischen Spiele nach langem Hin und Her und angesichts der nicht leichten Corona-Situation in Japan nun mit einjährigem Aufschub stattfinden, begrüßt Klaus Roeser: „Es gibt kein Zurück mehr. Die Sportlerinnen und Sportler können froh und dankbar sein, dass die Spiele kommen. Aber man muss auch respektieren, dass es Bedenken dagegen gibt.“ Für den deutschen Sport sei das Olympia-Event insofern wichtig, da sonst massive finanzielle Einschnitte gedroht hätten.

Die Dressur-Wettkämpfe laufen vom 24. bis 28. Juli, am 29. Juli ist der Rückflug gebucht. Es geht also sofort zurück – eine Feier oder der Besuch anderer Wettbewerbe? Fehlanzeige. Auch diesen Preis zahlen die Olympia-Teilnehmer in Tokio. In der Hoffnung, dass 2024 in Paris alles wieder wie früher sein wird.

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