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Aus Angola über die Ukraine nach Vechta

Hinter Edna Esteves liegt eine unfreiwillige Odyssee. Jetzt hat die 22-Jährige eine neue sportliche Heimat gefunden: bei den Handballerinnen von SFN Vechta.

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Neu im SFN-Kader: Handballerin Edna Esteves (22) aus Angola. Foto: Gabi Müller

Neu im SFN-Kader: Handballerin Edna Esteves (22) aus Angola. Foto: Gabi Müller

Es ist eine abenteuerliche Reise, die hinter Edna Esteves liegt – eine Reise, auf die die junge Frau in dieser Form wohl gerne verzichtet hätte. Sie begann vor gut einem halben Jahr in Angola. Sie führte Edna Esteves in die Ukraine – und dann wurde aus der Reise eine Flucht. Sie führte Edna Esteves in ein Flüchtlingslager im Landkreis Helmstedt. Nun endet diese Reise vorerst in Vechta.

Und das hat neben unerfreulichen weltpolitischen auch einen erfreulichen sportlichen Grund. Denn Edna Esteves (22) ist nicht nur eine junge Frau, deren Studienpläne vom russischen Angriff auf die Ukraine über den Haufen geworfen wurden, sondern auch eine talentierte Handballerin. Beim Drittligisten SFN Vechta hat sie nun über Umwege eine neue sportliche Heimat gefunden.

Als Neuzugang steht Edna Esteves, die im linken Rückraum spielt und in ihrer Heimat Angola im Südwesten Afrikas in mehreren Auswahlmannschaften spielte, ab sofort im Kader der SFN-Damen. Der Antrag auf Übertragung der Spielberechtigung ist laut Trainer Christoph Nisius gestellt. „Der liegt wohl jetzt beim angolanischen Verband“, berichtet Nisius.

„Wir verständigen uns mit Hand und Fuß und Google Translate“SFN-Trainer Christoph Nisius

Über die Spielerberaterin Eva Wortmann (Greven), die gute Kontakte nach Angola hat, war Christoph Nisius auf den Fall von Edna Esteves aufmerksam geworden. Die war Anfang des Jahres in die Ukraine gezogen, um dort ein Studium aufzunehmen. Doch schon nach zwei Monaten endete ihr Aufenthalt. Als Russland das Land angriff, flüchtete sie und kam im März in einer Unterkunft in Lelm (Königslutter) unter. Das Geld für einen Rückflug nach Angola konnten sie und ihre Familie nicht aufbringen.

SFN Vechta lud Edna Esteves zu einem Probetraining ein. Nach einer Woche stand für Christoph Nisius und Abteilungsleiter Jörn Borchardt fest: Sie soll bleiben – auch wenn sie der Mannschaft sportlich noch nicht sofort weiterhilft. „Sie ist abwehrstark, aber sie hat ein Dreivierteljahr kein Handball gespielt und spricht nur Portugiesisch“, erklärt Nisius: „Sie ist eher eine Verstärkung für die übernächste Saison. Aber hier geht es auch um die soziale Komponente: Einer jungen Frau zu helfen, die unverschuldet in schwere Not geraten ist.“

Über einen Unterstützer des Vereins besorgte SFN Edna Esteves eine Wohnung in Vechta. Hier lernt sie nun Deutsch, soll in einer Eisdiele mit portugiesischen Betreibern jobben und will irgendwann Wirtschaftsrecht studieren. Und sie spielt Handball. „Wir verständigen uns mit Hand und Fuß und Google Translate“, erzählt Christoph Nisius.

Edna Esteves freut sich jedenfalls, in Vechta zu sein. „Es ist mir eine Freude, Teil des Vechtaer Teams zu sein“, sagt sie: „Ich danke allen Teammitgliedern für die sehr gute Aufnahme und auch den Kollegen, die mir bei allem geholfen haben.“ Ihre Pläne seien, „der Mannschaft in der neuen Saison helfen zu können und mich auch akademisch weiterzubilden“.

Beim Testturnier in eigener Halle am vergangenen Samstag konnte Edna Esteves noch nicht mitspielen. SFN trat stark ersatzgeschwächt an. Neben Trainer Nisius (privat verhindert), der von der spielenden Co-Trainerin Maike Deeben vertreten wurde, fehlten auch Luca Vodde, Svenja Ruhöfer, Klara Germann, Maylin Aumann, Marie Majewski und Ria Hacek, die mit den Beach Unicorns Hannover an der Beach-DM teilnahm.

Hier mal mit links: Vechtas Paula Zerhusen beim Testturnier in der Halle West. Foto: SchikoraHier mal mit links: Vechtas Paula Zerhusen beim Testturnier in der Halle West. Foto: Schikora

Die Ergebnisse waren nebensächlich. SFN feierte einen 25:24 (13:12)-Sieg gegen den künftigen Staffelrivalen Handball Bad Salzuflen und spielte 27:27 (15:15) gegen den Nordost-Drittligisten Rostocker HC. Rostock sicherte sich mit einem klaren 42:28 gegen Bad Salzuflen den Turniersieg vor SFN. Vechtas Tore teilten sich Paula Clasen (13), Paula Zerhusen, Maya Janssen (je 10), Tina Schwarz (7), Nele Wessels (5), Leonie Schreiber (4) und Carla Clasen (3).

Am kommenden Samstag (12.00 Uhr, Halle West) bestreitet SFN Vechta ein weiteres Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten DSVD Deurningen. Anschließend lädt Christoph Nisius sein Team zu einer Fortbildung zum Thema Sportpsychologie. Und am Abend geht es gemeinsam auf den Stoppelmarkt. Auch Edna Esteves soll dann dabei sein. Integration soll ja schließlich auch Spaß machen.

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