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Aufgeben? Für Robin Christen ist das keine Option

Basketball-Bundesligist Rasta Vechta steht mehr denn je mit dem Rücken zur Wand – und ausgerechnet jetzt geht's gegen Bayern München. Alles Wichtige zum ungleichen Duell am Sonntag:

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Er lebt den Abstiegskampf: Rastas Allrounder Robin Christen (links), hier gegen Frankfurts Bruno Vrcic. Foto: Bremes / Hübner

Er lebt den Abstiegskampf: Rastas Allrounder Robin Christen (links), hier gegen Frankfurts Bruno Vrcic. Foto: Bremes / Hübner

Robin Christen ist ein Kämpfer, ein Teamplayer. Einer, der immer alles gibt. Das hat er bei Rasta Vechta stets unter Beweis gestellt. Erst in der 2. Liga ProA, dann in der 1. Bundesliga, vor allem in den Playoffs 2019, als er sich stark lädiert (Handgelenk, Knie) immer wieder ins Getümmel warf. Und in seiner Seuchen-Saison 2019/20, als die Teamkollegen das Abenteuer Champions League erlebten und er selbst mit kaputtem Knie um die Fortsetzung seiner Karriere kämpfte, behielt er beharrlich den Kopf oben. Kein Wunder also, dass auch die aktuelle Misere bei Rasta den 29-Jährigen nicht umwirft. „Aufgeben? Das gibt's bei mir nicht“, erklärte Christen am Donnerstagabend nach der bitteren 75:84-Niederlage bei den Skyliners Frankfurt, dem nächsten Dämpfer im Abstiegskampf. Es war keine Floskel, er tickt so.

Natürlich kennt Christen die Realitäten. Ja, es sind inzwischen 18 Niederlagen in 21 Spielen. Ja, Rasta ist Tabellenletzter – und spielt auch so. Ja, der Rückstand auf das rettende Ufer ist größer geworden. Ja, Rasta gehen so allmählich die Spiele aus. Ja, alles deutet auf den dritten BBL-Abstieg nach 2014 und 2017 hin, zumal die nächsten drei Gegner Bayern München, Ulm und Oldenburg sind. „Unsere Situation hat sich deutlich verschlechtert“, sagte Christen am Freitag, zwei Tage vor dem ungleichen Duell mit den Bayern (Sonntag, 15.00 Uhr): „Aber es bringt jetzt nichts, nur negativ zu sein.“

Emotional positiv bleiben – das war vor gut einem Jahr die Basis für seine Genesung im Reha-Marathon und das soll jetzt die Grundlage für den Endspurt sein. „Wir sollten uns im Moment nicht so viele Gedanken über das Ergebnis machen, sondern darüber, wie wir besser spielen können“, erklärte Christen. Mehr Konstanz ist für ihn der Schlüssel. „Unsere Schwächephasen im Spiel sind zu lang und zu schlecht, da müssen wir schneller raus. Fünf, sechs Minuten kosten uns das Spiel“, so Christen.

In Frankfurt war's das dritte Viertel, das den K.o. einleitete. Die Skyliners nahmen dem Schlusslicht zwei, drei Optionen weg – und nichts blieb mehr übrig. Rasta machte im dritten Viertel nur acht Punkte, fünf davon kamen von Christen, einer von Stefan Peno, zwei von Edgar Sosa. Christen hielt ganz offen fest: „Wir haben in Bonn und Frankfurt Spiele verloren, die wir trotz unser Verletzten hätten gewinnen können, wenn nicht sogar müssen.“

Am Sonntag geht's weiter, die übermächtigen Bayern sind der nächste Widersacher. Von jenen Bayern, denen Christen im Playoff-Halbfinale 2019 satte neun Dreier bei nur 15 Versuchen einschenkte, sind nur noch vier Akteure da – Vladimir Lucic (31/seit 2016 in München), Leon Radosevic (31/2018), Nihad Djedovic (31/2013) sowie Robin Amaize (27/2018). Christen ist sehr gespannt, welche Stars geschont werden und welche Akteure aus dem 17 Mann starken Luxuskader am Sonntag an der Pariser Straße auflaufen.

Für ihn steht fest: „Das ist im Moment eine der besten Mannschaften in Europa.“ Trotzdem sei die Aufgabe „leicht“, so der Allrounder mit der Nummer 33: „Wir haben absolut keinen Druck. Es erwarten ja eh alle, dass wir verlieren.“ Dass es auch übel enden könnte, wenn die Bayern 40 Minuten Vollgas geben, blendet Christen aus: „Ich schreibe das Spiel am Sonntag und auch die beiden danach nicht schon ab. Wir wollen für uns das Beste rausholen.“


FC Bayern zwischen Europa-Kür und Alltags-Pflicht

Erst 78:76 bei Roter Stern Belgrad, dann 76:71 gegen Panathinaikos Athen – die Basketballer von Bayern München, die am Sonntag (15.00 Uhr) bei Rasta Vechta gastieren, haben eine perfekte Woche in der EuroLeague hinter sich. Mit den Siegen am Dienstag und Donnerstag untermauerte das BBL-Schwergewicht die Playoff-Ambitionen in der Königsklasse. Eine Premiere rückt näher: Noch nie hat ein deutsches Team das Viertelfinale erreicht.

„Es wäre ein Riesenergebnis, wenn wir es in die Playoffs schaffen würden“, sagte Bayerns Klub-Präsident Herbert Hainer am Donnerstag nach dem 18. Sieg im 28. EuroLeague-Spiel. Mit der Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit ist der Hoeneß-Nachfolger sehr zufrieden: „Ich habe vor einem Jahr gesagt, wir wollen mit den Basketballern dahin kommen, wo die Fußballer sind – das heißt an die europäische Spitze. In dieser Saison ist das eine hervorragende Entwicklung. Wenn wir die Playoffs schaffen, dann haben wir einen hervorragenden Schritt getan.“

Dass die Bayern nach einer frustrierenden EuroLeague-Saison 19/20 (bis zum Abbruch 20 Niederlagen in 28 Spielen) nun im Konzert der Großen mitmischen und sogar den Heimvorteil im Viertelfinale im Visier haben, ist ein Verdienst von Trainer Andrea Trinchieri, der seit seiner Amtsübernahme im Sommer eine starke Einheit geformt hat. Auch gegen Athen spielte das Starensemble seine Stärke im Schlussviertel aus. Überragend dabei: Wade Baldwin, der mit 27 Punkten der Topscorer beim Sieger war. Trinchieri sagte: „Wir haben unsere Vorteile gegen Athens Größe ausgespielt. Sie haben auf mich gehört, haben flexibel gespielt. Wir hatten eine wunderbare Offense, haben uns gut unterstützt, um den Ball schnell zu spielen, um ihre Größe unterm Korb rauszunehmen. Das war der Schlüssel zum Sieg.“

Zu den großen Plänen des FC Bayern Basketball gehört auch der „SAP Garden“. Ende Februar erfolgte die Grundsteinlegung für die Arena im Olympiapark. In der 11 500 Zuschauer fassenden Halle wird der dreimalige deutsche Eishockey-Meister Red Bull München alle Heimspiele bestreiten. Die Bayern-Basketballer, die weiterhin auch im Audi Dome spielen wollen, planen mit etwa 15 Partien pro Saison im Garden. Die Eröffnung der Multifunktionsarena ist für die zweite Jahreshälfte 2022 geplant. Die Baukosten für das Projekt, das von Red Bull gestemmt wird, sollen sich auf 150 Millionen Euro belaufen.

Bevor es in der EuroLeague am 12. März bei Baskonia Vitoria weitergeht, haben die Bayern noch zwei Pflichtaufgaben im nationalen Alltag zu erfüllen – am Sonntag in Vechta sowie am Dienstag in Braunschweig. Trinchieri wird gewiss wieder kräftig rotieren, die Terminhatz lässt ihm keine Wahl. In der BBL ist der Champion von 2014, 2018 und 2019 aktuell nur Tabellenfünfter; es gab bereits vier Niederlagen in Oldenburg (95:100), in Berlin (72:85), gegen Crailsheim (103:105) und kürzlich bei Aufsteiger Chemnitz (83:85). Den Spielen in Oldenburg und gegen Crailsheim ging ebenso wie der frühen Pokal-Pleite gegen Bayreuth (89:95) ein Doppelspieltag in der EuroLeague voraus. Daraus nun größere Ambitionen für Rasta Vechta abzuleiten, erscheint sehr unrealistisch.


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