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Auch ohne Deutschland gibt's vier interessante Konstellationen

EM-Kolumnist Oliver Hüsing sagt: „Jedes Viertelfinale hat seinen eigenen Charme.“ Und der Zweitliga-Profi aus Bühren hegt Sympathien für Italien, Dänemark und die Schweiz. Warum? Das verrät er hier.

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Ein EM-Viertelfinale ohne deutsche Beteiligung, das fällt mir schon schwer. Ich bin ein Fan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – egal, wie gut oder schlecht sie gerade spielt. Ich verfolge das gerne. Eine Ausnahme bildet allerdings dieses Nations-League-Ding. Das ist in den letzten Jahren komplett an mir vorbeigegangen. Für mich ist dieser Überfluss an Spielen totaler Schwachsinn. EM- und WM-Turniere oder die Qualifikationsspiele – da bin ich voll dabei, da macht das Mitfiebern richtig Spaß.

Ohne Deutschland ist die EM auf den ersten Blick natürlich nur noch halb so spannend. Das ändert aber nichts daran, dass es im Viertelfinale vier interessante Konstellationen gibt. Jedes Spiel hat für mich seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charme. Alle acht Teams sind völlig zu Recht im Viertelfinale, sie haben sich das verdient.

Man hat im Achtelfinale auch wieder gesehen, dass im K.o.-Modus alles möglich ist. Und man merkt, dass Nationalmannschaften einfach etwas anderes sind als Klubmannschaften, wo Dinge etwas planbarer und leichter zu prognostizieren sind. Auf Klubebene werden die Teams über einen längeren Zeitraum aufgebaut. Die Nationalmannschaften sind im Vergleich dazu ja eher zusammengewürfelt. Vermeintlich große Nationen haben dann auch mal Probleme gegen Mannschaften, die mit ihrem Teamgeist bestechen, die als Kollektiv überzeugen.

Und da wären wir auch schon bei der Schweiz. Nach dem 3:1 für Frankreich, als Pogba fünf Minuten getanzt hat, war ich kurz davor, den Fernseher auszuschalten. Wir hatten in Heidenheim an dem Tag zweimal Training, es war richtig heiß und anstrengend. Ich hab' gedacht: 'Okay, das Ding ist durch, geh' mal besser schlafen.' Zum Glück bin ich auf der Couch geblieben. Unglaublich, wie die Schweizer zurückgekommen sind. Ich habe große Sympathien für diese Bundesliga-Truppe. Die Spanier haben aber auch eine spannende Mannschaft. Eine neue Generation mit jungen Spielern, die ich vorher gar nicht so kannte. Sie sind mitten im Umbruch, viele aus der dominanten Weltmeister- und Europameister-Generation sind weg – mit Ausnahme von Busquets. Trotzdem merkt man, dass es Spanien ist. Sie spielen einen tollen Fußball.

Belgien gegen Italien, das ist mein Lieblingsspiel im Viertelfinale. Für die Belgier, das habe ich in einer der ersten Kolumnen ja schon geschrieben, ist es wohl die letzte große Chance für diese goldene Generation. Sie haben bislang ein gutes Turnier gespielt. Eden Hazard ist deutlich verbessert im Vergleich zu seiner Saison bei Real Madrid. Lukaku vorne drin ist der Wahnsinn mit seiner Physis. Und de Bruyne ist zum Glück wieder fit nach seiner Verletzung im Champions-League-Finale. Sie haben einfach viel Qualität auf dem Platz. Italien hat für mich nach wie vor den bislang besten Fußball gespielt, auch wenn sie gegen Österreich gestrauchelt sind. Ihre Spielweise finde ich am spannendsten.

Spiel Nummer drei ist Tschechien - Dänemark. Die Tschechen hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Aber sie haben einem guten holländischen Team den Zahn gezogen. In dem Spiel hat man gesehen, was mit Teamgeist möglich ist. Mit ihrem Kollektiv haben sie Holland den Nerv geraubt. Schön, dass so etwas möglich ist. Und für die Dänen freue ich mich durch die Geschehnisse in der Gruppenphase umso mehr. Sie haben dadurch eine Energie entwickelt, mit der sie weit kommen können.

Fehlt noch Ukraine - England. Die Ukraine hatte ich noch weniger auf dem Zettel als die Tschechen. Dass sie im Viertelfinale stehen, ist die größte Überraschung. Ich bin sehr gespannt, wie es die Engländer lösen, ob sie ihre Kompaktheit ganz nach vorne tragen wird.

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