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Auch bei Rasta hängt alles am seidenen Faden

Fehlende Einnahmen sorgen für großen Druck in der Basketball-Bundesliga. Niemeyer: „Es ist existenziell“.

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Zum letzten Mal im Scheinwerferlicht? Rasta Vechtas Team am 8. März im Derby bei den EWE Baskets Oldenburg. Die Bundesliga-Saison ist wegen der Corona-Krise unterbrochen – ob und wann sie fortgesetzt wird, ist völlig offen. Foto: nph/Rojahn

Zum letzten Mal im Scheinwerferlicht? Rasta Vechtas Team am 8. März im Derby bei den EWE Baskets Oldenburg. Die Bundesliga-Saison ist wegen der Corona-Krise unterbrochen – ob und wann sie fortgesetzt wird, ist völlig offen. Foto: nph/Rojahn

In der Basketball-Bundesliga ruht seit Donnerstagnachmittag der Spielbetrieb. Die Corona-Krise hat die BBL bis auf Weiteres lahmgelegt, bei Rasta Vechta und den 16 Liga-Gefährten ist die Ungewissheit riesig. Alle Klubs – egal, ob groß oder klein – fürchten um die Existenz, denn sie sind im hohen Maße von den Spieltagseinnahmen abhängig. „Das ist die größte Krise in der Geschichte der BBL“, sagt Martin Geissler, Geschäftsführer des Mitteldeutschen BC. Nachfolgend ein paar Fragen und Antworten zur Situation von Rasta Vechta und der BBL.

Wie bewertet man bei Rasta Vechta den Ist-Zustand?

Stefan Niemeyer machte am Samstagmittag im OV-Gespräch keinen Hehl aus seinen Sorgen um die Zukunft des Tabellensechsten. „Es ist existenziell. Von Konkurs bis Überleben ist alles möglich“, sagte der Klubchef und meinte damit sowohl die Rasta-Dome GmbH als auch die Rasta Vechta Sportmarketing GmbH. Die Lage sei „prekär“, so der Geschäftsführer. Den Eindruck diverser Liga-Gefährten, dass gerade vieles am seidenen Faden hängt, teilt der Rasta-Chef: „Ich halte nichts von Untergangsszenarien, aber uns ist sehr wohl klar, dass wir jetzt alle Kräfte bündeln müssen, sonst sieht es schlecht aus. Und wir werden Unterstützung brauchen.“

Was steht als Nächstes an?

Ab Montag schauen sich Niemeyer und Co. die Bilanzen genauer an. „Wir müssen jetzt gucken: Wie kommen wir da raus, wenn die Saison zu Ende ist. Das ist ja der schlimmste Fall, für den man vorbereitet sein muss“, sagt der Geschäftsführer: „Wir müssen alles sortieren und stehen da noch ganz am Anfang. Aber das geht ja allen so.“ Ziel es sei, aus groben Schätzungen halbwegs verlässliche Zahlen zu machen. Fakt ist: Inklusive Champions League hat Rasta Vechta 18 seiner 23 Heimspiele bereits absolviert. Fünf BBL-Heimspiele gegen Berlin, Hamburg, Ulm, Göttingen und Crailsheim stehen noch auf dem Spielplan, der eingefroren ist. Rasta kalkulierte vor der Saison mit einem Etat von 3,2 Millionen Euro sowie mit Einnahmen von rund 50000 Euro pro Heimspiel. „Das kann sich ja jeder ausrechnen, was uns fehlen würde“, sagt Niemeyer. Und er ergänzt: „Klar ist: Um zu überleben, müssen wir Kosten sparen, wo es nur geht. Das ist hart.“

Glaubt man bei Rasta noch an die Fortsetzung der Saison?

„Ich kann es überhaupt nicht einschätzen“, gibt Niemeyer zu: „Es gibt ja täglich ganz neue Entwicklungen.“ Die Liga- und Klubvertreter hatten am vergangenen Donnerstag bei ihrer Tagung in Stuttgart eine weitere Zusammenkunft innerhalb von 14 Tagen verabredet, um die Lage dann neu zu bewerten.

Wie geht's Rastas Spielern?

Die Mannschaft wurde am Freitagvormittag über die Spielpause in der BBL und das weitere Vorgehen informiert. Das Team von Coach Pedro Calles hat erst mal trainingsfrei bekommen. Wie lange diese Pause dauert, ist noch völlig offen. „Es ist eine komische Situation“, sagte Rastas Kapitän Josh Young am Samstagabend im OV-Gespräch: „Keiner hat Erfahrungen mit so etwas, und es geht allen so. Man sitzt zu Hause, hält Abstand vom Team und versucht, bereit zu sein für den Tag, an dem es wieder los geht. Keine Ahnung, wann das ist.“ Und er ergänzte: „Die Gesundheit ist das Wichtigste. Wir hoffen das Beste und warten ab, was die nächsten Schritte sind.“ Young, der vier Schwestern und einen Bruder hat, sei täglich mehrfach in Kontakt mit seiner Familie in Amerika: „Alle versuchen irgendwie zu verstehen, was gerade passiert.“

Wie ist die Vertragssituation innerhalb des Teams?

Mit Ausnahme von Philipp Herkenhoff, der 2017 einen Fünf-Jahres-Vertrag bis 2022 unterschrieben hat, haben alle Rasta-Spieler einen Kontrakt, der mit dem Ende der Hauptrunde (2. Mai) ausläuft, sich allerdings im Fall von Playoffs automatisch bis zum letzten Rasta-Spiel in der K.o.-Phase verlängert. Im Trainerstab hat nur Chefcoach Calles einen Vertrag, der über diese Saison hinausgeht. Der Spanier hatte im vergangenen Oktober seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2022 verlängert.

Gibt's bei Rasta Vechta schon erste Rückforderungen von Zuschauern und Sponsoren?

„Bislang ist es noch komplett ruhig in diesem Bereich“, erklärt Niemeyer: „Viele sind ja noch mit sich selbst beschäftigt. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.“ Über die Ankündigung des Fanclubs Klettverschluss, unabhängig von eventuellen Regelungen geschlossen auf Rückforderungen für bereits bezahlte Tickets zu verzichten, hat sich der Klubchef riesig gefreut: „Ich war echt baff, ich hatte fast Tränen in den Augen.“

Ist Kurzarbeit ein Thema?

„Auch das müssen wir in den Tagen prüfen“, sagt Niemeyer. Liga-Gefährte Ulm geht bereits ab dem heutigen Montag befristet in Kurzarbeit. „Die Mitarbeiter reduzieren also auf 60 Prozent. Ich war sehr begeistert, dass sich alle Mitarbeiter dazu freiwillig bekannt haben. Es war sofort ein Verständnis für unsere Situation da“, erklärt Ulms Geschäftsführer Andreas Oettel: „Sportler können allerdings nicht in Kurzarbeit gehen. Die sind von der Regelung ausgeschlossen.“

Wie reagiert MagentaSport?

Kein Eishockey, kein Basketball, keine 3. Liga im Fußball – alle Live-Übertragungen sind gestrichen. Die Deutsche Telekom, seit 2014 Partner der BBL, hat auf die von der Corona-Krise verursachten Spielausfälle reagiert. Allen MagentaSport- und Einzelsport-Abo-Kunden mit einem Telekom-TV-, Festnetz- oder Mobilfunkvertrag wird „proaktiv ein monatlicher Abo-Betrag mit einer der nächsten Rechnungen gutgeschrieben“. Für die Kunden ohne Telekom-Vertrag ist eine Lösung in Arbeit. Nach Angaben des Basketball-Fachmagazins BIG erhält die Basketball-Bundesliga beim aktuellen Vertrag mit der Telekom, der noch bis zur Saison 2022/23 läuft, eine Summe von über vier Millionen Euro pro Spielzeit. Eine Summe, von der auch die Vereine profitieren (rund 250000 Euro pro Klub und Saison).

Was gibt's für Reaktionen an den anderen BBL-Standorten?

Überall ruht der Trainingsbetrieb, keiner weiß so richtig, wie es weitergeht, überall wird hektisch gerechnet – auch bei den Branchenriesen. „Wir haben laut Plan bis zum 19. April noch acht Heimspiele. Das ist dann schnell ein siebenstelliger Betrag, der uns fehlt“, sagte Marko Pesic, Geschäftsführer beim Meister FC Bayern München, am Sonntag im Sport1-Doppelpass. Alba Berlin, mit 8698 Zuschauern pro Partie auch in dieser Saison der Krösus der BBL, hat inklusive EuroLeague sogar noch zwölf Heimspiele – da ist die Lücke im Etat schnell bei zwei Millionen Euro. „Mr. Alba“ Marco Baldi, seit über 30 Jahren als Geschäftsführer beim frischgebackenen Pokalsieger tätig, sagte im Tagesspiegel-Interview: „Die Lage ist ernst, auch für Alba Berlin. Aber ich neige nicht dazu, Untergangsszenarien zu designen – sondern: Ärmel hochkrempeln und loslegen.“ Man habe jetzt Zeit gewonnen, „um jedem zu ermöglichen, seine Hausaufgaben zu machen“. Baldi mahnte zur Besonnenheit und sagte mit Blick auf die gesamte Bundesliga: „Es ist klar geworden, dass es wichtig ist, sich sehr eng abzustimmen und ein solidarisches Grundgefühl zu entwickeln.“

Gibt's ausländische Profis, die wegen der Corona-Krise bereits in ihre Heimat gereist sind?

Bayreuth meldete am Freitag den Abgang von Reid Travis, der auf eigenen Wunsch in die USA geflogen sei. Und beim Mitteldeutschen BC hat Kaza Kajami-Keane die Koffer gepackt. Wie der Klub am Sonntag mitteilte, sorgte sich der Kanadier „um die immer härter werdenden Einreisebestimmungen in seinem Heimatland und um immer weniger werdende Flugoptionen“. Der Vertrag mit dem 26-Jährigen, mit mehr als 15 Punkten pro Spiel einer der Topscorer des MBC, wurde aufgelöst.

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