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„Anspiele waren mir wichtiger als eigene Tore“

Heinz-Werner „Heinzi" Lübbe erinnert sich an zehn Jahre als Spielmacher bei den Handballern des TV Cloppenburg. Als C-Jugendlicher hatte er sich gegen den Fuß- und für den Handballsport entschieden.

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TV Cloppenburg 1984. Oben von links: Thomas Läsche, Josef Kleier, Harry Keller, Andreas Wendeln, Axel Pries, Jochen Kühling, Theo Niehaus, Frank von Häfen. Unten von links: Ulli Lampe, Heinz-Werner Lübbe, Detlef Scheibel, Heinz Sauerland, Ralf Kerßens, Alfons Pleye, Peter Grotz, Trainer Bernd Meyer. Foto: Archiv

TV Cloppenburg 1984. Oben von links: Thomas Läsche, Josef Kleier, Harry Keller, Andreas Wendeln, Axel Pries, Jochen Kühling, Theo Niehaus, Frank von Häfen. Unten von links: Ulli Lampe, Heinz-Werner Lübbe, Detlef Scheibel, Heinz Sauerland, Ralf Kerßens, Alfons Pleye, Peter Grotz, Trainer Bernd Meyer. Foto: Archiv

Fußball oder doch lieber Handball? Heinz-Werner Lübbe favorisierte als C-Jugendlicher die Handvariante, eine Entscheidung, die der heute 61-Jährige ganz und gar nicht bereut. Satte zehn Jahre war „Heinzi“ nicht nur fester Bestandteil, sondern Leistungsträger der Handballer des TV Cloppenburg.

Mit körperlicher Robustheit den gegnerischen Abwehrreihen zu Leibe rücken war seine Sache ganz und gar nicht. Lübbe bevorzugte da eher die feine Handballklinge. Seine Spezialität: Gar nicht erst fangen, sondern im Stile eines Volleyballers den Ball an den Kreisläufer pritschen. „Auf Grund meiner Körpergröße kamen die Abwehrspieler gar nicht erst aus der Deckung heraus. Also musste ich den Ball immer schnell weiterleiten. Tolle Anspiele waren mir wichtiger als eigene Tore.“

Bei der Frage nach seinem schönsten Sportmoment hat er auf Anhieb nicht die eine Partie parat. „Die Zeit als aktiver Handballer war einfach super. Die Stimmung bei den Fans, danach der Einzug wie die Gladiatoren in den Briefkasten, einfach unvergesslich.“ Folglich stand für Lübbe ein Vereinswechsel auch nie zur Debatte. Der TV Cloppenburg war, ist und bleibt sein Verein.

Heinz-Werner Lübbe. Foto: ©LübbeHeinz-Werner Lübbe. Foto: ©Lübbe

Begonnen hat für Lübbe alles Anfang der 70er Jahre. Anton Blömer versammelte handballbegeisterte Jungs um sich, die in der D-Jugend erste Erfahrungen sammelten. Lübbe zählte dazu und entdeckte seine Leidenschaft für den Handballsport, so dass Fußball zunehmend in den Hintergrund geriet. Vater Lübbe forderte vom Sohnemann alsbald eine Entscheidung. „In der C-Jugend hatten wir mit dem BVC ein Spiel in Elsten, danach musste mich mein Vater zum Handball nach Delmenhorst fahren. Entscheide dich für eine Sportart, ließ er mich wissen und ich wollte lieber Handball spielen. Handball konnte ich einfach besser, beim Fußball war ich immer nur Torwart.“ Die Entscheidung löste bei Lübbe senior, bekennender Fußballfan, indes keinesfalls grenzenlosen Jubel aus. „Danach hat er gefühlt ein Jahr nicht mehr mit mir gesprochen“, schmunzelt Lübbe.

Der Grundstein war gelegt und Lübbe durchlief sämtliche Jugendteams beim TV Cloppenburg überaus erfolgreich. Immer dabei: Trainer Hans-Georg „Kiesi“ Wollnik, der Lübbe sechs Jahre (von der C- bis zur A-Jugend) trainierte. „Er war ein super Trainer“, hält Lübbe auch heute noch große Stücke auf seinen Jugendcoach. Mitte der 70er Jahre gelangen dem Team Rekorde mit Seltenheitswert. 50 Punktspiele blieben Lübbe und Co. unbesiegt. Unvergessen für ihn eine Partie in der A-Jugend gegen Rehden. 82:12 (!) lautete das Schlussresultat. „Lass sie schießen, wir brauchen den Ball“, riefen sich die TVC-Spieler zu und sorgten so für den nicht eben alltäglichen Endstand.

1978 dann der nächste Schritt: Lübbe schaffte als Youngster den Sprung in die erste Mannschaft. „ Mein langjähriger Trainer Wollnik im Tor und ich auf dem Feld, das war schon etwas Besonderes.“ Unter Trainer Ulf Dunkerbeck gelang der Aufstieg von der Verbandsliga in die Oberliga-Nordsee, lange Jahre sportliche Heimat der TVC-Handballer.

Hart bedrängt: Heinz-Werner Lübbe (links) nimmt es mit gleich zwei Gegenspielern auf. Foto: ArchivHart bedrängt: Heinz-Werner Lübbe (links) nimmt es mit gleich zwei Gegenspielern auf. Foto: Archiv

1983 sollte es dann höher hinausgehen. Cloppenburg verpflichtete den 26-fachen Nationalspieler Harry Keller. Höchst unschöne Erinnerungen verbindet Lübbe mit Kellers Debüt im TVC-Trikot. Im Vorbereitungsspiel gegen den vom ehemaligen Bundestrainer Vlado Stenzel trainierten Erstligisten Tura Bergkamen verletzte er sich bereits in der dritten Minute. Innenbandabriss im Knie lautete die Diagnose, doch Lübbe robbte sich nach einigen Wochen Pause wieder an das Team heran. Sechs Spieltage vor Saisonende eroberte der TVC, begleitet von 400 (!) Fans, mit einem 25:20-Erfolg bei Atlas Delmenhorst die Tabellenführung. Dass es letztlich, punktgleich mit dem VfL Oldenburg, auf Grund der schlechteren Tordifferenz „nur“ zu Platz zwei reichte, damals ärgerlich, aber heute für Lübbe zu verschmerzen.

Trotz einiger Verletzungen, unter anderem einer Hüftoperation, blickt der Verwaltungsangestellte im Cloppenburger Krankenhaus zufrieden auf seine Zeit als Handballer zurück. „Vielleicht haben wir damals die Handballeuphorie in Cloppenburg etwas entfacht. Ich würde jedenfalls alles genauso wieder machen...“

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