Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Als Klütz und Hannover 96 eine magische Saison krönten

Der ehemalige Fußballer des BV Cloppenburg erinnert sich in der Serie "Mein schönster Sportmoment" an den Gewinn des DFB-Pokals im Jahr 1992. "Für mich ging ein Kindheitstraum in Erfüllung", sagt er.

Artikel teilen:
Unvergesslicher Triumph: Am 23. Mai 1992 gewannen Jörg-Uwe Klütz (oben, Dritter von rechts) und Hannover 96 den DFB-Pokal. Im Finale setzte sich der Zweitligist gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach im Berliner Olympiastadion vor 76.200 Zuschauern mit 4:3 im Elfmeterschießen durch. Unten ist links neben dem Kapitän Karsten Surmann (mit Pokal) André Breitenreiter zu sehen, der später -wie Klütz - für den BV Cloppenburg spielte. Foto: dpa/Kneffel

Unvergesslicher Triumph: Am 23. Mai 1992 gewannen Jörg-Uwe Klütz (oben, Dritter von rechts) und Hannover 96 den DFB-Pokal. Im Finale setzte sich der Zweitligist gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach im Berliner Olympiastadion vor 76.200 Zuschauern mit 4:3 im Elfmeterschießen durch. Unten ist links neben dem Kapitän Karsten Surmann (mit Pokal) André Breitenreiter zu sehen, der später -wie Klütz - für den BV Cloppenburg spielte. Foto: dpa/Kneffel

76.200 Zuschauer im Berliner Olympiastadion, Millionen zu Hause an den Fernsehern – ganz Fußball-Deutschland blickte am 23. Mai 1992 in die Hauptstadt, wo am frühen Abend das Endspiel des DFB-Pokals ausgetragen wurde. Mittendrin: Jörg-Uwe Klütz, langjähriger Spieler und Trainer des BV Cloppenburg. Der damals 23 Jahre alte Verteidiger hatte sich mit Hannover 96 sensationell ins Finale vorgespielt. Einige Stunden später sollte der Zweitligist seine magische Saison krönen. Das Team des Trainers Michael Lorkowski besiegte den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach mit 4:3 im Elfmeterschießen (0:0/0:0) und holte so den Titel. "An diesem Tag ist für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", sagt der gebürtige Quakenbrücker. "Ich kann mich noch heute an fast jede Minute erinnern."

Dabei hatten die Tage in Berlin alles andere als glamourös begonnen. „Wir waren in einer Sportschule am Wannsee untergebracht und am Abend vor dem Spiel gab‘s Pommes“, erzählt Klütz mit einem Lächeln. Im Kader stand seinerzeit auch das blutjunge Talent André Breitenreiter, den Klütz rund 25 Jahre später beim BVC trainieren sollte.

Am Morgen des großen Finales machte sich bei Klütz und seinen Teamkollegen erstmals eine Gänsehaut breit. „Beim Spaziergang waren vom nicht weit entfernten Bahnhof Fangesänge aus den Zügen zu hören – das war überragend.“ Im Olympiastadion sollte es einige Minuten vor dem Beginn der Partie schließlich so richtig kribbeln. Bei der Nationalhymne. „Diese im Rahmen eines Spiels zu hören, wünscht sich natürlich jeder Fußballer“, so Klütz.

Jörg-Uwe Klütz. Archivfoto: WulfersJörg-Uwe Klütz. Archivfoto: Wulfers

Dann wurde es ernst. Wie ernst, sollte „Klützer“ kurz nach dem Anpfiff erfahren. „Mein direkter Gegenspieler, Kapitän Hans-Jörg Criens, trat mir voll auf den Fuß und sagte: ,Wir beide werden heute richtig Spaß haben‘. Damit hat er mich natürlich noch mehr als ohnehin schon motiviert.“

In den folgenden 120 Spielminuten sollte Jörg-Uwe Klütz den Ende 2019 verstorbenen Mittelstürmer, der damals in Topform war, kontrollieren, sodass er maßgeblich dazu beitrug, dass Gladbach keine Tore schoss. Weil auch der Außenseiter aus Niedersachsen nicht traf, musste das Elfmeterschießen entscheiden. Als Michael Schjønberg hier nach zwei gehaltenen Elfern von 96-Keeper Jörg Sievers um 20.37 Uhr zum 4:3-Endstand traf, kannte der Jubel bei Klütz und Co. keine Grenzen: Hannover hatte dank einer starken Defensivleistung verdient den „Pott“ geholt und ist bis heute der einzige Zweitligist, dem dieses Kunststück gelang. „Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war unser Erfolgsgeheimnis“, sagt Klütz.

Was folgte, war eine tagelange Party. Abends beim Bankett im noblen Steigenberger-Hotel wurde dem Team der Rote Teppich ausgerollt, später machte es in diversen Berliner Diskotheken die Nacht zum Tage.

"Andere ließen sich zu einer Polonaise mitten auf der Autobahn überreden."Jörg-Uwe Klütz

Auf dem Weg zurück nach Hannover musste der Mannschaftsbus auf der A2 mehrfach stoppen. Der Grund: 96-Anhänger wollten ihre Pokalhelden sehen. „Einige von uns sind bei den Fans ein Stück in deren Cabrios mitgefahren, andere ließen sich zu einer Polonaise mitten auf der Autobahn überreden“, sagt Klütz. Später ging es von der Geschäftsstelle in schicken Autos in Richtung Innenstadt – zum Teil im Schritttempo. Als das Team auf den Balkon des Hannoveraner Rathauses trat, jubelten ihm knapp 50.000 Fans zu. „Unvergesslich“, schwärmt Jörg-Uwe Klütz.

Nicht nur an jene Tage rund um das Pokalfinale in Berlin wird der heute 52 Jahre alte Inhaber eines Quakenbrücker Fensterbau- und Malerbetriebs wohl ewig denken. Denn die gesamte Pokalserie war ein „unglaublicher Ritt“. Der Höhepunkt: Der 3:2-Sieg bei Borussia Dortmund in Runde drei. Hannover lag beim von Ottmar Hitzfeld trainierten BVB schon 0:2 zurück, als Patrick Grün nach 71 Minuten das Anschlusstor gelang. Zwei spätere Fußballer des BV Cloppenburg sollten die Partie komplett drehen. Erst netzte André Breitenreiter zum 2:2 ein (82.), bevor Jörg-Uwe Klütz in der 89. Minute das entscheidende 3:2 erzielte. Dass beide rund acht Monate danach den DFB-Pokal in den Berliner Nachthimmel strecken sollten, dürfte für sie nach dieser Partie nicht mehr als ein unerreichbarer Traum gewesen sein.


Fakten:

  • Der Weg ins Finale: In der ersten Runde des DFB-Pokals der Saison 1991/92 siegte Hannover 96 beim Berliner Klub NSC Marathon 02 souverän mit 7:0. In Runde zwei hatte das Team beim VfL Bochum mehr Mühe, gewann aber 3:2.
  • In der dritten Runde gastierte 96 bei Borussia Dortmund. Beim Stand von 2:2 deutete alles auf eine Verlängerung hin, als Jörg-Uwe Klütz die Hannoveraner in der 89. Minute ins Achtelfinale schoss.
  • Hier setzte sich der Zweitligist gegen Bayer 05 Uerdingen ebenso mit 1:0 durch, wie im Viertelfinale gegen den Karlsruher SC mit den späteren Nationalspielern Oliver Kahn und Mehmet Scholl.
  • Im Halbfinale hatte Hannover 96 den Titelverteidiger SV Werder Bremen zu Gast. Nachdem es nach Verlängerung 1:1 gestanden hatte, setzten sich die Hausherren mit 5:4 im Elfmeterschießen durch.

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Als Klütz und Hannover 96 eine magische Saison krönten - OM online