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Als Cappelns Musikverein zu früh abrückte

Aloys Ovelgönne feierte mit dem SV Cappeln die Fußballkreismeisterschaft in der Saison 1962/1963. In der Serie "Mein schönster Sportmoment" erinnert er sich an einen spannenden letzten Spieltag.

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Fußballkreismeister in der Saison 1962/1963 wurde der SV Cappeln: (von links) Ferdinand Diekhaus, Otte Bramlage, Aloys Ovelgönne, Bernhard Ellmann, Alwin Sommer, Franz Riemann, Johannes Ovelgönne, Heinz Willenborg, Josef Ovelgönne, Heinz Schönigt, Auguste Ovelgönne. Es fehlt: Franz Stadtsholte. Foto: Archiv Ovelgönne

Fußballkreismeister in der Saison 1962/1963 wurde der SV Cappeln: (von links) Ferdinand Diekhaus, Otte Bramlage, Aloys Ovelgönne, Bernhard Ellmann, Alwin Sommer, Franz Riemann, Johannes Ovelgönne, Heinz Willenborg, Josef Ovelgönne, Heinz Schönigt, Auguste Ovelgönne. Es fehlt: Franz Stadtsholte. Foto: Archiv Ovelgönne

Aloys Ovelgönne konnte fast gar nicht anders, als Fußballer zu werden. 1945 in Cappeln geboren, stand für ihn und seine fünf Brüder Fußball stets auf der Tagesordnung.

„Wir haben gebolzt, wo es nur ging. Ob wir zur Kirche gingen oder zur Schule – ein Ball war immer mit dabei“, erinnert sich der gelernte Steuerberater, der sich in seinem Heimatort im Jahr 1989 selbstständig machte. „Mittags ging es dann in Südkamps Garten.“

Als 13-Jähriger ging es in bei den A-Junioren des SV Cappeln los. „Andere Jugendklassen gab es damals noch nicht, und erst mit 14 Jahren durfte ich überhaupt in den SVC eintreten“, erzählt Ovelgönne, der aber nicht nur wegen des Kickens vorbeikam, sondern sich auch der Organisation annahm. „Vier Jahre lang habe ich zusammen mit Engelbert Ording die Mannschaft gemanagt, der Vorstand musste sich um nichts kümmern.“

Mit 18 Jahren in die erste Mannschaft: Der heute 76-jährige Aloys Ovelgönne stand in der Kreismeisterelf des SV Cappeln. In der Rückserie der Saison 196263 gelangen ihm 14 Tore in 13 Spielen. Foto: llMit 18 Jahren in die erste Mannschaft: Der heute 76-jährige Aloys Ovelgönne stand in der Kreismeisterelf des SV Cappeln. In der Rückserie der Saison 1962/63 gelangen ihm 14 Tore in 13 Spielen. Foto: ll

Höhepunkt im Jugendbereich war 1962 das Entscheidungsspiel gegen den VfL Löningen um den Einzug in die neu geschaffene A-Jugendbezirksklasse. Cappeln setzte sich mit 3:1 durch, sicherte sich mit dem BV Cloppenburg als eines von zwei CLP-Teams einen Platz in der Bezirksklasse. Ein Jahr später holte sich der SVC dort den Titel.

Mit Beginn der Rückserie der Saison 1962/63 rückte Angreifer Ovelgönne jedoch schon in die erste Cappelner Herrenmannschaft auf. Ein Spieler dort war erkrankt und der gerade erst 18 Jahre alt gewordene A-Jugendliche sollte aushelfen. Das tat Aloys Ovelgönne – und wie. Bei seinem Debüt gegen den FC Sedelsberg gelangen ihm prompt zwei Tore, „aber ich habe auch einen Elfmeter verschossen“, erinnert sich der 76-Jährige schmunzelnd. Der Fehlschuss aber schmälerte die Leistung kaum, fortan gehörte er fest zur Ersten.

Als Vierter war der SVC im Februar in die restliche Serie der Kreisklasse gestartet (die Kreisliga gab es damals noch nicht) und arbeitete sich in den folgenden Wochen immer weiter nach vorne. Die Entscheidung über den Titel sollte im letzten Saisonspiel gegen den BV Neuscharrel fallen. Keine ganz leichte Aufgabe, immerhin galt BVN-Schlussmann Plaggenborg damals als einer der drei besten Torhüter im Kreis. „Wir mussten gewinnen, sonst wäre Marka Ellerbrock Meister geworden“, erzählt Aloys Ovelgönne. Cappeln ging mit einem Punkt Vorsprung in die letzte Partie. Die Nervosität im finalen Heimspiel war den Cappelnern deutlich anzumerken. Vor allem für Alwin Sommer lief es schlecht. Ihm unterliefen gleich zwei Handspiele, die zu Strafstößen führten. Beide verwandelte Neuscharrel, so dass der Favorit mit 0:2 ins Hintertreffen geriet. Aloys Ovelgönne verkürzte zwar zwischenzeitlich, aber zur Pause hieß es aus Cappelner Sicht 1:3.

"Marka Ellerbrock war ein schlechter Verlierer"Aloys Ovelgönne

Eine Blaskapelle war engagiert worden, um den Rahmen für die geplante Meisterfeier zur bilden. Als die Musiker vom Halbzeitrückstand erfuhren, zertrümmerte der Dirigent vor Wut seinen Taktstock, tief gefrustet packte die Kapelle ihre Instrumente und Ausrüstung zusammen und marschierte ab.

Sie sollte eine denkwürdige zweite Halbzeit verpassen. Die aufmunternden Worte von Schiedsrichter Lampe aus Löningen fanden bei den SVC-Kickern Gehör. „Jungs, ihr schafft das noch“, meinte der Unparteiische beim Anstoß zu den zweiten 45 Minuten, die es in sich haben sollten. Cappeln glich nicht nur aus, sondern erzielte noch den vierten und fünften Treffer zum 5:3-Endstand. Der Titel „Kreismeister 1963“ war unter Dach und Fach, auch weil Aloys Ovelgönne allein zwei Tore zu diesem Erfolg beisteuerte. Insgesamt kam der damalige Nachwuchsstürmer in 13 Einsätzen für die erste Mannschaft in jener Saison auf 14 „Buden“. Als die eilig zurückgerufene Blaskapelle wieder am Sportplatz eintraf, war die Meisterparty längst in vollem Gange.

Und der Rivale im Titelkampf? „Marka war ein schlechter Verlierer“, meint Ovelgönne. „Noch Jahre später behaupteten die Ellerbrocker in einem Artikel, unser Spiel gegen Neuscharrel sei verschoben gewesen.“

In der Bezirksklasse etablierte sich der SV Cappeln schnell. Zunächst bestand die neue Staffel nur aus Mannschaften der Kreise Cloppenburg und Vechta, später kamen Teams aus dem Raum Delmenhorst/Oldenburg-Land hinzu. Nach zehn Jahren schaffte Cappeln die Meisterschaft und den Aufstieg in die Bezirksliga. Zu diesem Zeitpunkt schied Aloys Ovelgönne mit knapp 30 Jahren aus dem Team aus. Es sollte noch annähernd die gleich lange Wegstrecke bei den Altherren folgen. Parallel dazu war der Cappelner fast ein Jahrzehnt lang Schiedsrichter und pfiff Partien bis zur Bezirksoberliga. Erst mit knapp 60 Jahren machten verschiedene Bänderrisse der aktiven Laufbahn ein Ende.

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