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Als beim STV die Frauen den Fußball entdeckten

Der Verein aus Barßel gehörte 1970 zu den ersten Klubs im Kreis Cloppenburg, die eine Damenmannschaft ins Leben riefen. In den folgenden Jahren feierte der Verein einige Erfolge.

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Aufstiegsmannschaft: Dieses Team des STV Barßel wurde 1986 Meister der Bezirksklasse und schaffte so den Sprung in die Bezirksliga. Foto: C. Passmann

Aufstiegsmannschaft: Dieses Team des STV Barßel wurde 1986 Meister der Bezirksklasse und schaffte so den Sprung in die Bezirksliga. Foto: C. Passmann

Was musste die Damenwelt vor 50 Jahren nicht alles über sich ergehen lassen, als sie es „wagte“, auf dem grünen Rasen dem runden Leder hinterherzulaufen. Bis dahin war der Fußball eine reine Männerdomäne gewesen. Sogar der damalige Bundestrainer Sepp Herberger meinte seinerzeit: „Fußball ist keine Sportart, die für Frauen geeignet ist.“ Doch der Weltmeister-Coach von 1954 sollte sich gewaltig irren. Ende Oktober 1970 wurde der Frauenfußball vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell in die Satzung aufgenommen. Das ist nun fast genau 50 Jahre her – und die Frauen haben längst einen festen Platz in der Fußballwelt. Zu den ersten Klubs im Kreis Cloppenburg, der ein Damenteam gründete, gehört der STV Barßel.

Über viele Jahre gehörten die STV-Frauen zu den erfolgreichsten im Kreis. Schon 1981 feierten die Barßelerinnen die Meisterschaft in der Bezirksklasse Nord und den Aufstieg in die Bezirksliga. Zahlreiche Pokalerfolge reihten sich an und als Hallenkreismeister sicherte man sich einen Platz in den Sport-Geschichtsbüchern des Fußballkreises Cloppenburg.

Bereits zwei Jahre, bevor der DFB den Damenfußball zugelassen hatte, kickten Barßels Frauen auf dem grünen Rasen. Aber nur aus reinem Spaß und Vergnügen. Anfang 1970 dann die offizielle Gründung des ersten Teams. Elisabeth Oltmanns kann sich daran noch sehr gut erinnern. Damals hieß sie noch Elisabeth (Lissy) Thoben. „Zusammen mit der bereits verstorbenen Hella Temmen machte ich in der Gymnastikgruppe Sport. Da kam uns spontan die Idee, eine Damen-Fußballmannschaft ins Leben zu rufen“, so Oltmanns.

Zum Wohl: Bärbel August (links) und Marion von Handorf genossen nach dem Aufstieg einem Schluck Sekt aus der Flasche. Foto: C. PassmannZum Wohl: Bärbel August (links) und Marion von Handorf genossen nach dem Aufstieg einem Schluck Sekt aus der Flasche. Foto: C. Passmann

Schnell waren einige Frauen gefunden und es konnte losgehen. Es gab die ersten Freundschaftsspiele unter dem Coach Bernadus Kosmis und seinen Co-Trainern Hartmut Thoben sowie Wilfried Böhning. „Im Tor stand Marianne Hoffbuhr und im Sturm sorgten Agnes Dreyer und Heidel Kosmis für Treffer. Leider sind bereits alle verstorben“, so das Gründungsmitglied.

Sie selbst gab in dieser Zeit den klassischen Linksaußen. Damals wurden die Frauen von der Männerwelt noch belächelt. Es gab zum Teil auch böse Sprüche. 1971 kam es dann zur ersten Spielrunde. Gegner waren die Mannschaften aus Altenoythe, Harkebrügge, Elisabethfehn, Mehrenkamp und Kamperfehn. Im Laufe der folgenden Jahre gab es viele Auf und Abs bei den STV-Fußballerinnen. Mit Marita Niehaus und Stephanie Büscherhoff schafften sogar zwei Spielerinnen aus Barßel den Sprung in den DFB-Kader.

Aus Auswärtsspielen wurden Familienausflüge

„Nicht selten kam es vor, dass sich die Umkleidekabine in einer Scheune befand und es keine Möglichkeit zum Duschen gab“, erinnert sich Elisabeth Oltmanns an die Anfangsjahre. „Teilweise seien die Partien, insbesondere die Auswärtsspiele, zu Familienausflügen geworden. Die Damen hatten für Nachwuchs gesorgt und so reisten viele Ehemänner und Kinder mit zu den Begegnungen. „Weil wir auf Bezirksebene spielten, waren weite Reisen – beispielsweise nach Bad Laer oder Schüttorf – angesagt. Vorsorglich wurde dann das Mittagessen mitgenommen“, so Oltmanns. Die Frauen brieten Schnitzel und Frikadellen, bereiteten Kartoffelsalate zu und brachten Gurken und Gemüse mit.

„Es war wie in einer Familie“, so Oltmanns. Geselligkeit spielte bei den Damen eine große Rolle. „Wir haben so manch tolle Fete gefeiert und schöne Ausflüge unternommen. Der Fußball war einfach ein großer Teil unseres Lebens“, so Elisabeth Oltmanns.

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