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98:88 - Rasta Vechta landet wichtigen Sieg in Karlsruhe

Zwei Tage nach dem bitteren Verlängerungs-K.o. gegen Hagen macht der Basketball-Zweitligist einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt. Lesen Sie hier den Nachbericht mit Reaktionen.

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In der Defense gefordert: Preston Purifoy (links) und Tajuan Agee (rechts) gegen Karlsruhes Maurice Marko Pluskota. Foto: GES Sportfoto / Prang

In der Defense gefordert: Preston Purifoy (links) und Tajuan Agee (rechts) gegen Karlsruhes Maurice Marko Pluskota. Foto: GES Sportfoto / Prang

So schnell kann's gehen. Am Freitagabend, nach dem fünften K.o. in einer Verlängerung, schrillten bei Rasta Vechta die Alarmglocken. Das 82:93 gegen Hagen wurmte die Beteiligten ganz gewaltig, und durch den 96:94-Coup der Artland Dragons gegen Spitzenreiter Rostock waren die Sorgen um den Klassenerhalt in der 2. Basketball-Bundesliga ProA plötzlich wieder riesengroß. Ein Schockmoment an der Pariser Straße.

46 Stunden später, nach dem 98:88 (51:47)-Sieg am Sonntagabend bei den Karlsruhe Lions, gab's im Rasta-Lager ein kollektives Aufatmen. Teil zwei des Doppelspieltags hatte einen optimalen Verlauf genommen. Die eigene Ausbeute passte, die Konkurrenz im Keller patzte geschlossen – und auf einmal ging's in der Tabelle bergauf. So schnell kann's gehen.

Rastas Coach Vladimir Lucic, der am Freitag nach dem neuerlichen Overtime-Desaster schwer gezeichnet war, konnte nach der Schlusssirene in der im vergangenen Herbst eröffneten Lina-Radke-Halle wieder erleichtert strahlen. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, erklärte der Serbe und ergänzte: „Nachdem wir am Freitag einen 21-Punkte-Rückstand aufgeholt, dann aber noch nach Verlängerung verloren hatten, war ich nicht ganz sicher, wie das Team diese Enttäuschung wegstecken würde. Heute hat die Mannschaft eine sehr gute Antwort gegeben.“

Rasta klettert von Platz 14 auf Rang 12

Sein Team hatte auch nicht irgendeinen Gegner niedergerungen. Die Karlsruhe Lions, vor der Partie auf Rang sechs geführt und damit ein heißer Anwärter auf die Playoffs, hatten schließlich die aktuell längste Erfolgsserie in der ProA zu bieten. Nach vier Siegen in Folge war aber nun Schluss. Rasta meisterte die Aufgabe im „Löwenkäfig“ mit Bravour.

„Die Mannschaft hat gezeigt, zu was sie in der Lage ist“, sagte Gerrit Kersten-Thiele. Rastas neuer Sportdirektor, der seit knapp einer Woche im Amt ist, freute sich auf der Rückfahrt gen Norden über ein „erstes Viertel wie aus einem Guss“, über eine kämpferisch tadellose Leistung („Alle haben alles reingeworfen“) und hielt fest: „Das war ein Schritt in die richtige Richtung.“

Ein Schritt, der sich auch in der Tabelle bemerkbar machte. Seit Mitte Januar, seit der Niederlage in Nürnberg, parkte Rasta auf Platz 14, ganz dicht an der Kante zum Abgrund. Am Sonntag ging's rauf auf Rang zwölf – es ist die bislang beste Platzierung in einer verkorksten Saison. Rasta zog am VfL Bochum vorbei, der gegen Nürnberg verlor. Die Lucic-Crew überholte zudem die Panthers Schwenningen, die als erstes ProA-Team in dieser Saison gegen Schlusslicht Ehingen patzten. Und dass die Artland Dragons in Trier verloren, rundete Rastas Gute-Laune-Sonntag ab – der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt wieder sechs Punkte.

Lucic wollte sich aber nicht zu sehr mit dem Klassement beschäftigen. „Zur Tabellensituation muss ich sagen, dass wir uns nur auf uns konzentrieren und nicht auf die anderen schauen. Wo es für uns hingeht, liegt ganz allein an uns selbst“, erklärte er. Kersten-Thiele äußerte sich ähnlich: „Wir müssen gucken, dass wir Woche für Woche unser Maximum abrufen. Wir sollten uns nicht mit anderen Spielen befassen, die wir nicht beeinflussen können.“ Mit Blick auf die Ergebnisse vom Sonntag räumte der 41-Jährige aber auch ein: „Heute hat sich einiges gelöst.“ Er meinte damit den Druck, der sich am Freitag aufgebaut hatte.

Sechs Spiele, darunter auch drei Partien gegen das Schlusstrio der ProA, bleiben jetzt noch, um Schadensbegrenzung zu betreiben, „um den Leuten zu zeigen, dass wir es besser können als über weite Strecken der Saison“, so Kersten-Thiele: „Und es geht darum, die Fans zurückzugewinnen.“ Das Spiel in Karlsruhe war ein Anfang. Lucic sagte nach dem elften Sieg in dieser Saison: „Wir haben in den kritischen Momenten der Partie die Kontrolle behalten und wirklich klug gespielt.“ Die Dreier-Quote war glänzend (59 Prozent), und die Big-Men-Garde mit Tajuan Agee, Robin Lodders und Tyrone Nash nutzte die Lions-Defizite in der Zone eiskalt aus. „Der Plan der Trainer ist aufgegangen“, freute sich Kersten-Thiele.

Apropos Big Men: Für Adam Pechacek von den Artland Dragons, einer der besten Center der 2. Liga, ist die Saison vorzeitig beendet. Der im vergangenen Sommer aus Karlsruhe gekommene Tscheche, der bislang eine überragende Serie gespielt hat (18,8 Punkte und 7,1 Rebounds pro Spiel) und mit seinen 40 Punkten gegen Tübingen auch einen Saisonrekord hält, muss erneut an der Hüfte operiert werden – diesmal an der linken. Dragons-Geschäftsführer Marius Kröger sprach von einer „absoluten Hiobsbotschaft für uns“.


Das Restprogramm der Kellerkinder

  • Rasta Vechta (12.): Jena (H), Kirchheim (A), Tübingen (H), Artland Dragons (A), Ehingen/Urspring (H), Itzehoe Eagles (A).
  • VfL Bochum (13.): Tübingen (A), Hagen (A), VfL Kirchheim (H), Eisbären Bremerhaven (H), Karlsruhe Lions (H), Jena (A).
  • Schwenningen (14.): Kirchheim (H), Karlsruhe (H), Artland Dragons (A), Rostock (H), Leverkusen (A), Itzehoe (A), Bremerhaven (A).
  • Artland Dragons (15.): Itzehoe (A), Leverkusen (H), Schwenningen (H), Karlsruhe (H), Vechta (H), Kirchheim (A), Hagen (H).

Karlsruhe gegen Vechta: Die Etappen des Spiels

Das Personal: Auf beiden Seiten gab es keine Veränderungen im Vergleich zum Freitag: Karlsruhe musste erneut auf Center Tom Alte (verletzt) verzichten, das „Löwenrudel“ trat wieder zu neunt an. Rastas Trainer Vladimir Lucic hatte abermals die Qual der Wahl: 13 Profis im Kader, aber nur zwölf dürfen spielen. Lucic strich – wie gegen Hagen – Jannes Hundt aus dem Spieltagsaufgebot.

Das 1. Viertel: Wow, was für ein Auftakt von Rasta! Der Gast brannte in der Offensive ein wahres Feuerwerk ab. 11/17 Zweier, 4/5 Dreier, 3/3 Freiwürfe – in Summe 37 Punkte, das beste Viertel in dieser Saison. Von Verunsicherung keine Spur (nur ein Ballverlust), es war ein Auftritt wie im Rausch – angeführt von Tajuan Agee, der zum Mr. 100 Prozent avancierte (14 Punkte; 6/6 aus dem Feld). Zweimal führte Rasta sogar mit 17 Punkten (31:14, 37:20).

Das 2. Viertel: Wie gewonnen, so zerronnen: Im Angriff klappte auf einmal gar nichts mehr, Rasta kassierte binnen sechs Minuten einen 2:15-Lauf zum 39:35. Vechta berappelte sich zwar irgendwann wieder, aber das schöne Polster war weg. Elf Fehlwürfe aus dem Feld, sechs Ballverluste – zwei Fakten zum kleinen Hänger. Karlsruhe war zurück im Spiel, und Stanley Whittaker zeigte, warum er der Topscorer und wohl beste Point Guard der ProA ist.

Das 3. Viertel: Rasta Vechta kam gestärkt aus der Kabine und schaffte es, sich die Kontrolle über das Spiel peu à peu zurückzuholen. Eine 10:0-Serie zum 69:57 war sehr förderlich für den weiteren Spielverlauf. Joel Aminus dritter Dreier (von vier) zum 78:64 bildete aus Rastas Sicht den Abschluss eines guten dritten Viertels.

Das 4. Viertel: 82:69, 89:79 (nach einem Dreier von Geburtstagskind Kristofer Krause/wurde 22) und 92:81 – Rasta hatte konstant die Nase vorne. Zwei Minuten vor dem Ende der Partie schien bei einem Elf-Punkte-Vorsprung alles klar zu sein. Aber: Rasta wackelte noch mal kurz. Eine 0:7-Serie sorgte für feuchte Hände bei den Gäste-Fans. 55 Sekunden vor Schluss hieß es nur noch 92:88. James Washington blieb cool, traf vier Freiwürfe in Serie und brachte so den Sieg ins Ziel.

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