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82:81 - Young führt Rasta Vechta zum Coup in Jena

Der heimische Basketball-Zweitligist setzt sich beim Tabellenführer der ProA durch und landet damit den vierten Sieg in Serie. Hier der Nachbericht mit diversen Reaktionen.

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Sieg in Jena: Joel Aminu (links) gegen Jenas Alexander Herrera. Foto: Worsch

Sieg in Jena: Joel Aminu (links) gegen Jenas Alexander Herrera. Foto: Worsch

Es wurde eifrig diskutiert. Gefühlt eine halbe Ewigkeit. Die drei Schiedsrichter tauschten sich aus, zwischendurch war auch das Kampfgericht involviert. Bei den Basketballern von Science City Jena und Rasta Vechta herrschte eine gewisse Ratlosigkeit. Was war passiert? Und wie geht's jetzt weiter? Auf der Anzeigetafel der Sparkassen-Arena in Jena leuchtete ein 81:81, noch eine Sekunde zu spielen. Es folgte des Rätsels Lösung: Freiwurf für Rasta. Freiwurf für ein technisches Foul, begangen von Jenas Guard Ray-shawn Simmons, der zuvor bei seinem Dreier-Versuch einen Foulpfiff haben wollte und dies offenbar zu forsch kundgetan hatte. Domenik Reinboth, Trainer der Thüringer, verstand die Welt nicht mehr. Frust pur.

Josh Young war das ganze Tohuwabohu an der Seitenlinie völlig schnuppe. Rastas Kapitän schritt in aller Seelenruhe zur Tat, sein zwölfter Freiwurf an diesem Sonntag – und er traf zum zwölften Mal. 82:81 für den Außenseiter. Kurz danach war Feierabend. Rasta hatte tatsächlich beim Spitzenreiter der 2. Bundesliga ProA gewonnen – was für ein spektakulärer Abschluss einer durchwachsenen Hinserie, was für ein Start ins neue Jahr.

„Wir haben immer an den Sieg geglaubt“, sagte Rastas Trainer Vladimir Lucic. Der Serbe war „sehr stolz“ auf die Mannschaft und hielt nach dem vierten Sieg in Folge fest: „Dass wir unsere Serie ausgebaut haben, war sehr wichtig. Ein tolles Statement. Wir haben ein verrücktes Spiel gewonnen.“

Treffsicher:  Josh Young (links) war Rastas Matchwinner in Jena. Foto: WorschTreffsicher:  Josh Young (links) war Rastas Matchwinner in Jena. Foto: Worsch

Verrückt war's in der Tat. Rasta führte nur zweimal – beim 79:77, als Tyrone Nash einen 9:0-Lauf krönte, sowie nach dem finalen Freiwurf von Young, der kurz zuvor bereits einen schweren Wurf aus der Ecke zum 81:81 getroffen hatte und mit 21 Punkten der Topscorer des Tages war. „Unsere erste Halbzeit war nicht gut. Aber das passiert, das ist Sport. Wir haben gekämpft und sind zurückgekommen, das zeichnet ein Team aus“, sagte Young. Und der letzte Wurf? „Ich hab' versucht, ruhig zu bleiben. Meine Mitspieler haben mir dabei geholfen. Ich bin froh, dass ich getroffen habe.“

Seine Teamkollegen waren auch froh. Der im Sommer aus Jena gekommene Joschka Ferner, der nach zwei Spielen ohne Einsatz wieder ran durfte und mit seinem Dreier zum 77:77 für den ersten Ausgleich seit dem 5:5 gesorgt hatte, räumte mit Blick auf die letzte Szene eine „gehörige Portion Glück“ ein. Er ließ aber auch die kontinuierliche Aufholjagd nicht unerwähnt: „Wir sind peu à peu rangekommen.“ Dass Rasta zum fünften Mal in den letzten sechs Spielen zur Pause zurücklag, störte ihn aber: „Wir müssen daran arbeiten, dass wir nicht immer zurückkommen müssen.“

Robin Lodders, der zweite Rastaner mit einer Jena-Vergangenheit und mit 15 Punkten an alter Wirkungsstätte sehr effektiv, formulierte es ähnlich: „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen guten Basketball gespielt. Aber wir haben einen Weg gefunden.“ Und mit Blick auf die letzten Sekunden, als Rasta wieder mit 79:81 zurücklag, meinte der Center: „Wir haben uns nicht beirren lassen. Es sah nicht gut aus, aber wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt.“ Hilfreich war, dass Jenas Julius Wolf in den letzten 17 Sekunden – nach einem technischen Foul für Lucic und einem umstrittenen unsportlichen Foul von Preston Purifoy – drei von fünf Freiwürfen verwarf. Lodders: „Ein bisschen Glück gehört immer dazu.“

Gute Laune bei Rasta, dicke Luft bei Jena, das Platz eins wieder an Rostock abgeben musste. Reinboth ärgerte sich über eine „schlechte zweite Halbzeit“ und die Tatsache, dass „wir nicht das gemacht haben, was wir machen wollten“. Er sei „hochgradig unzufrieden“ und „einfach nur enttäuscht“. Auf das nächste Spiel wollte er nicht schauen: „Mein Frust ist gerade zu groß.“ Angesprochen auf das technische Foul für Simmons, sagte Reinboth: „Das ist unnötig. Da muss man einfach mal die Klappe halten. Wir hatten davor schon zwei technische Fouls bekommen. Wie viele Spiele will die Mannschaft wegen solcher Undiszipliniertheiten noch verlieren?“

Lucic richtete den Blick nach vorne. „Wir müssen jetzt auch dafür Sorge tragen, dass Sa'eed Nelson besser integriert wird. Er ist noch nicht da, wo wir ihn haben wollen“, sagte Rastas Coach. Nelson, seit gut einer Woche Teil des Teams, hatte am Sonntag wie schon bei der Premiere gegen Itzehoe nur einen Kurzeinsatz. Und Lucic sorgte sich auch um Kristofer Krause. Der dritte Ex-Jenenser (2016 bis 2019 in der Jugend) war früh umgeknickt. Ein kleiner Wermutstropfen.

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