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80:82 - Rasta verpasst Sensation nur knapp

Vechtas Basketballer liefern den EWE Baskets Oldenburg einen großen Kampf - und kassieren am Ende die zehnte Niederlage im zehnten Saisonspiel. Hier der Nachbericht mit Stimmen und Video.

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Mit Dynamik zum Korb: Rastas Jean Salumu (rechts) gegen Oldenburgs Phil Pressey. Foto: Schikora

Mit Dynamik zum Korb: Rastas Jean Salumu (rechts) gegen Oldenburgs Phil Pressey. Foto: Schikora

Am Ende eines dramatischen Derby-Abends brachte Thomas Päch seine Gemütslage schnell auf den Punkt. „Das Resultat ist bitter, aber ich kann der Mannschaft jetzt eigentlich keinen Vorwurf machen“, sagte der Coach des Basketball-Bundesligisten Rasta Vechta und ergänzte: „Ich bin stolz darauf, wie wir heute gespielt und reagiert haben.“ Zum ersten Saisonsieg in der BBL hatte es am Mittwochabend wieder nicht gereicht, aber das 80:82 (44:48) gegen die EWE Baskets Oldenburg bestärkte den Tabellenletzten im Glauben, dass die Durststrecke bald endet.

„Wir haben seit langem mal wieder Basketball gespielt. Wir können seit langem mal wieder über Basketball-Sachen reden. In den letzten Spielen hat uns alles an Kleinigkeiten gefehlt, die richtige Körpersprache, der richtige Fokus“, sagte Rastas Robin Christen. Auch der Allrounder, der elf Punkte machte, war fest davon überzeugt, dass „früher oder später Siege kommen“.

Die Realität sieht aber erst mal anders aus. Rasta bleibt Schlusslicht und hat nun 0:20 Punkte auf dem Konto. Christen sagte zu dieser Negativserie: „In der 1. Liga kriegst du kein Spiel geschenkt. Wenn du nicht mit der richtigen Einstellung reingehst, dann hast du keine Chance – und als Rasta Vechta überhaupt keine Chance. Das hat jetzt hoffentlich jeder verstanden. Wir werden nicht vom Gas gehen, wir werden weiter drücken. Und dann wird der Erfolg kommen.“

Bitter für Rasta: Herkenhoff fällt erneut aus

Rasta ist jetzt der dritte Klub in den vergangenen 15 Jahren, der mit zehn Niederlagen in eine BBL-Saison gestartet ist; einen 0:20-Punkte-Auftakt hatte es zuletzt von Nürnberg (2006/07) und den Walter Tigers Tübingen (2017/18) gegeben. Und dass die beiden Kellerrivalen Gießen und Chemnitz ihre Derbys gegen Frankfurt bzw. MBC gewannen, vergrößerte Rastas Sorgen.

Bereits vor dem ungleichen Kräftemessen mit dem früheren Meister und Pokalsieger hatte Rasta eine Hiobsbotschaft hinnehmen müssen. Bei Philipp Herkenhoff ist die Sehnenverletzung in der Fußsohle wieder aufgebrochen; der 21 Jahre alte Power Forward, der bereits die ersten drei Saisonspiele verpasst hatte, muss erneut aussetzen – es droht eine längere Pause.

Das neuerliche Fehlen des jungen Big Man kompensierte Rasta nach leichten Startschwierigkeiten mit großer Leidenschaft und Moral. „Wir sind etwas zu verkrampft angefangen. Die Galligkeit und Giftigkeit, die man braucht, ist dann etwas später gekommen. Und dann waren wir sehr präsent“, sagte Päch. Dass es im Kräftemessen zwischen dem Schlusslicht und dem heißen Top-4-Kandidaten elf Führungswechsel und fünf ausgeglichene Spielstände gab, hätten vor dem Duell wahrscheinlich nur die kühnsten Optimisten erwartet. Aber Rasta biss sich rein – und das zeigte Wirkung beim Gegner.

Oldenburgs Sebastian Herrera, in der letzten Saison der Shootingstar in Crailsheim, gab zu: „Es war harte Arbeit. Vechta ist Letzter, aber sie spielen nicht so, als ob sie absteigen sollten. Wir waren leider nicht so fokussiert. Wir waren nicht so physisch, wie sie gespielt haben, und deswegen haben wir es uns heute sehr schwer gemacht.“

Frust nach dem Spiel: Rastas Spieler um Robin Christen (Nr. 33) und Will Vorhees (41). Foto: SchikoraFrust nach dem Spiel: Rastas Spieler um Robin Christen (Nr. 33) und Will Vorhees (41). Foto: Schikora

Dass die Oldenburger, für die es das dritte von vier Auswärtsspielen in Serie war, dennoch einen Weg fanden, das heiße Derby zu gewinnen, nötigte EWE-Baskets-Coach Mladen Drijencic Respekt ab: „Die Jungs haben es clever gelöst.“ Das Lob ging vor allem an den in der ersten Halbzeit überragenden Nathan Boothe, der mit 23 Punkten der Topscorer des Abends war.

Bei Rasta punkteten neben Christen auch noch Josh Young (13), Jean Salumu (12) und Neuzugang Ikenna Iroegbu (10) zweistellig. Dass Will Vorhees' Formkurve wieder ansteigend war und Björn Rohwer ein gutes BBL-Debüt im Rasta-Trikot feierte, nahm Päch erfreut zur Kenntnis. Zählbares für die Tabelle brachte es allerdings nicht.

Entscheidend war auch, dass Oldenburg elf Steals und nur sieben Ballverluste verbuchte. „Oldenburg passt gut auf den Ball auf“, sagte Päch anerkennend. Und Drijencic meinte dazu: „Die Steals haben uns sehr geholfen. Wenn die Dreier nicht fallen, gibt dir jede zusätzliche Position eine Chance.“ Oldenburg, das bislang beste Offense-Team der Liga, blieb in Vechta 13 Punkte unter seinem Saisonschnitt – auch weil Braydon Hobbs und Rickey Paulding kein Glück von jenseits der 6,75-m-Linie hatten (beide 0/5).

„Die Dreier haben uns schon gefehlt“, gab Drijencic später zu. Und er ergänzte noch: „Auch ohne Zuschauer ist ein Derby ein Derby. Das hat mit dem Tabellenstand nichts zu tun, es zählen nur die 40 Minuten.“ Sein Team habe gut angefangen, danach aber „zu viel mit Emotionen statt mit Kopf“ gespielt. Und so sei es ein „offenes Spiel bis zur letzten Sekunde“ gewesen.

Apropos letzte Sekunde: Wie sah Rastas Plan für den finalen Angriff beim Stand von 80:82 aus? Dreier zum Sieg oder doch eher ein Zweier für die Verlängerung? „Erste Option war, dass wir Salumu zum Korb bringen wollten. Aber Mahalbasic hat's überragend verteidigt. Und dann blieb nur der Dreier-Versuch übrig“, sagte Päch.

Viel Zeit zum Ärgern hat Rasta nicht. Die Terminhatz rund um die Feiertage führt den Tabellenletzten am Samstag zu den Hamburg Towers um Ex-Coach Pedro Calles. Ein Wiedersehen, das die Wende bringen soll.


Die Etappen des Derbys:

Das 1. Viertel: Die ersten sechs Minuten gehörten Nathan Boothe. Oldenburgs Big Man, einer der besten Power Forwards der BBL, machte zwölf der ersten 17 Punkte der EWE Baskets und hatte großen Anteil an der frühen Dominanz der Gäste. Und Rasta? Das Schlusslicht hatte große Probleme mit der griffigen OL-Defense, leistete sich im ersten Viertel sieben Ballverluste und lag früh deutlich zurück (4:12, 9:20, 15:26).

Big Man unter sich: Rastas Dennis Clifford (links) gegen Martin Breunig. Foto: SchikoraBig Man unter sich: Rastas Dennis Clifford (links) gegen Martin Breunig. Foto: Schikora

Das 2. Viertel: Nach einer schnellen Auszeit von Rasta-Coach Thomas Päch beim Stand von 18:31 startete der Underdog eine Aufholjagd, die sich sehen lassen konnte. Über 24:33 und 33:37 robbte sich Rasta auf 40:41 ran und war auch zur Pause in Schlagdistanz (44:48). Erfreulich aus VEC-Sicht: Der zuletzt glücklose Will Vorhees machte sieben schnelle Punkte, Dennis Clifford hatte zur Pause bereits sieben Rebounds, Stefan Peno sieben Assists. Alle standen aber im Schatten von Boothe (21 Punkte).

Das 3. Viertel: Vier Turnover in zweieinhalb Minuten – Rasta erwischte einen Rumpelstart in die zweite Halbzeit. 45:54, Auszeit von Päch. Ein Break, der eine starke Reaktion zur Folge hatte. Rasta biss sich in die Partie und ging mit einer 8:0-Serie zum 58:57 erstmals seit dem 2:0 in Führung. Und Päch zauberte einen Joker aus dem Hut: Center Björn Rohwer, bislang ohne Saisoneinsatz, machte sechs schnelle Punkte zu drei Führungen (58:57, 60:59, 62:61). Mit einem 67:66 für Rasta ging es ins letzte Viertel.

Das 4. Viertel: Bis zum 71:71 war's ein Duell auf Augenhöhe, dann kassierte Rasta eine 0:6-Serie zum 71:77, kam aber in beeindruckender Manier zurück. Ein Dreier von Josh Young bescherte Vechta eine 80:79-Führung, noch drei Minuten. 34 Sekunden vor dem Ende, Rasta lag mit 80:81 zurück, drehte sich ein Dreier von Jean Salumu wieder raus. Kurz danach hieß es 80:82, noch 14 Sekunden, Auszeit Rasta.  Oldenburg verteidigte die letzte Sequenz gut, Peno verfehlte den Dreier zum Sieg, das war's.

Der Ausblick: Das Jahr 2021 beginnt für Rasta Vechta mit einem Auswärtsspiel bei den Hamburg Towers. Das Wiedersehen mit Ex-Coach Pedro Calles, Co-Trainer Miguel Zapata und „Verteidigungsminister“ Max DiLeo steigt am Samstag (2. Januar, 20.30 Uhr) in HH-Wilhelmsburg. 



Rasta Vechta - EWE Baskets Oldenburg 80:82 (44:48)

  • Viertel: 18:26, 26:22, 23:18, 13:16.
  • Punkte Vechta: Josh Young (13), Jean Salumu (12), Robin Christen (11), Ikenna Iroegbu (10), Will Vorhees, Dennis Clifford (je 9), Tim Hasbargen (7), Björn Rohwer (6), Jannes Hundt (2) und  Stefan Peno (1).
  • Punkte Oldenburg: Nathan Boothe (23), Keith Hornsby, Rickey Paulding (je 11), Philipp Schwethelm (9),Martin Breunig, Rasid Mahalbasic, Phil Pressey (je 6), Karsten Tadda, Sebastian Herrera (je 4) und  Braydon Hobbs (2).
  • Alle Spiele der BBL gibt es live bei MagentaSport.

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