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76:104 - Rasta nur ein Spielball für Bamberg

Nach einer guten ersten Halbzeit werden Vechtas Basketballer vom enormen Druck des Ex-Abo-Meisters zermürbt. Rasta bleibt damit Tabellenletzter - und die Zeit läuft davon.

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Duell der Brüder: Rastas Jannes Hundt (links) in der Defense gegen Bambergs Bennet Hundt. Foto: Daniel Löb

Duell der Brüder: Rastas Jannes Hundt (links) in der Defense gegen Bambergs Bennet Hundt. Foto: Daniel Löb

Sie wollten die Gunst der Stunde nutzen und irgendwie eine Überraschung landen, doch daraus wurde nichts – ein bärenstarker Gegner aus dem oberen Regal der 1. Basketball-Bundesliga legte humorlos sein Veto ein: Rasta Vechta hat im Abstiegskampf der BBL eine bittere Lehrstunde erhalten und die Chance verpasst, Boden auf die größten Konkurrenten gutzumachen. Vier Tage nach dem 82:69-Lebenszeichen gegen die Niners Chemnitz kassierte der Tabellenletzte am Mittwochabend eine 76:104 (43:47)-Abreibung bei Brose Bamberg.

Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit war Rasta, das seine Topscorer in Josh Young (20 Punkte) und Philipp Herkenhoff (16) hatte, nur noch ein Spielball für die Bamberger, die nach dem Ende ihrer Champions-League-Reise immer besser in Fahrt kommen und in dieser Verfassung ein überaus unangenehmer Playoff-Gegner sein dürften. Eine starke Dreier-Quote von 43 Prozent (10/23) reichte dem Team von Coach Derrick Allen nicht, um Bamberg gefährlich zu werden. Denn: Die Oberfranken konnten das noch toppen (17/31; 55 Prozent). Das Spiel und seine Etappen:

Rastas Ausgangslage: Zwei Ergebnisse vom Dienstagabend hatten Rastas Hoffnungen auf ein Happy End im Abstiegskampf geschürt. Dass der Mitteldeutsche BC und die Gießen 46ers ihre Spiele gegen Göttingen bzw. Berlin verloren, spielte der Allen-Crew in die Karten. Diese doppelte Schützenhilfe wollte Rasta nutzen. Die Perspektive vor dem Sprungball: Verbesserung auf Rang 17, nur noch vier Punkte Rückstand auf den MBC.

Guard gegen Center: Rastas Topscorer Josh Young (rechts) gegen Bambergs David Kravish. Foto: LöbGuard gegen Center: Rastas Topscorer Josh Young (rechts) gegen Bambergs David Kravish. Foto: Löb

Bambergs Ausgangslage: Der Ex-Abo-Meister, nach mäßiger Hinrunde deutlich verbessert, wollte den nächsten Schritt in Richtung Playoff-Ticket machen – und das ohne Druck von einem Verfolger. Selten war das Rennen um Platz acht so langweilig. Ab Rang neun sind die Punktekonten klar negativ. Kleine BBL-Notiz am Rande: Seit der Rückkehr zu den Playoffs mit den Top 8 der Hauptrunde (ab Saison 2000/01) betrug der Abstand zwischen Platz acht und Rang neun maximal zwei Siege, das gab's viermal. Achtmal musste indes bei Punktgleichheit der direkte Vergleich entscheiden.

Das Personal:  Rasta musste erneut auf Jean Salumu und Dennis Clifford verzichten, auch Jesse Hunt konnte nach seiner leichten Gehirnerschütterung aus dem Hamburg-Spiel noch nicht mitmischen. Bei Bamberg fehlten Michele Vitali (Oberschenkel) und Alex Ruoff (Rücken). Im Fokus standen die Hundt-Brüder Bennet (22/Bamberg) und Jannes (24/Vechta). Das Hinspiel hatte Jannes mit 90:82 gewonnen. Logisch, dass Bennet nun Revanche wollte: „Wir haben etwas gut zu machen.“ Kurios: Der Spieltag bot drei Familienduelle; die Babb-Brüder bei Bonn - München, die Hollatz-Brüder bei Hamburg - Oldenburg und dazu die Hundt-Brüder, die im Hinspiel beide keine Punkte gemacht hatten.

Das 1. Viertel:  Rastas ehrgeiziger Defense-Plan, den Gegner pro Viertel unter 20 Punkten zu halten, ging im ersten Abschnitt schief. Der Grund: Bamberg, zuletzt in prächtiger Form (6 Siege in 7 Spielen), feuerte aus allen Rohren – und traf hochprozentig (u.a. fünf Dreier). Rasta konnte offensiv zunächst ganz gut mithalten (11:11, 13:16, 15:19), musste dann aber abreißen lassen (15:27). Nach sieben Minuten hatte Vechta bereits fünf Turnover – einen mehr als im gesamten Chemnitz-Spiel.

Das 2. Viertel:  Beim 23:32 und 28:36 war Rastas Rückstand noch relativ groß, die Antwort kam aber prompt. Das Schlusslicht robbte sich ran – angeführt von Josh Young, der elf Punkte in Folge machte und mit seinem dritten Dreier für eine 41:40-Führung des Außenseiters sorgte. Und Bamberg? Der Konter trug die Handschrift von Bennet Hundt, der an der Freiwurflinie sieben Punkte in Serie zum 47:41 machte.

Das 3. Viertel: Bamberg schaltete in der Defense einen Gang höher, Rastas Aktionen waren viel zu wild, der Spielfluss war weg. Einzelaktionen statt Teambasketball – das konnte nicht funktionieren. Folge: die Turnover 11 bis 13, Vechta fiel auf 49:60 zurück, Auszeit Allen. Aber es wurde nicht besser. Turnover 14 und 15, das Unheil nahm seinen Lauf. 52:68, 54:73 – Rasta zerbrach unter dem Druck der Franken, die Edgar Sosa aus dem Spiel nahmen und in Bennet Hundt einen famosen Taktgeber hatten.

Etwas zu spät: Rastas Robin Christen (links) gegen Bambergs Chase Fieler. Foto: LöbEtwas zu spät: Rastas Robin Christen (links) gegen Bambergs Chase Fieler. Foto: Löb

Das 4. Viertel: Um noch an eine Aufholjagd von Rasta zu glauben, war viel Fantasie nötig – zu dominant in der Defense und spielfreudig im Angriff war Bamberg zuvor im dritten Abschnitt. Und daran änderte sich auch in den ersten Minuten des Schlussviertels nichts. Im Stile eines Topteams spulte Bamberg sein Programm ab, ohne großartig nachzulassen. 56:75, 60:84, 62:88, 64:92 – Rasta war nur ein Spielball für den Tabellenachten, der den Ball stark laufen ließ und irgendwann auch in die Showkiste greifen konnte.

Die Reaktionen: Herkenhoff, nach einem Zusammenprall mit Robin Christen im ersten Viertel arg ramponiert mit einer dicken Lippe, sagte: „Wir müssen eine bessere Defense spielen. Wir haben zu viele Dreier zugelassen.“ 47 Gegenpunkte in der ersten Halbzeit, 57 nach der Pause – Herkenhoff war geknickt und hielt fest: „Wir kreieren keine Offense aus unserer Defense.“ Auch Jannes Hundt war genervt. „Mir fehlen echt die Worte. Wir verlieren die zweite Halbzeit mit 24 Punkten. Das darf nicht sein, so kann man sich nicht präsentieren“, sagte Rastas Guard und ergänzte: „Nach dem letzten Spiel hab' ich wirklich gedacht, dass wir es abgestellt haben, eine Halbzeit komplett zu verkacken. Es tut weh, so zu verlieren.“ Diesmal war der kleine Bruder obenauf. Bennet Hundt, der neben seinen 25 Punkten auch sieben Assists verbuchte, sagte: „Wir konnten in der zweiten Halbzeit die Intensität in der Defense hochschrauben. Wir sind ins Laufen gekommen, dann sind wir stark, dann haben wir Räume.“ Sprach es – und machte sich auf die Suche nach dem Bruder.

Der Ausblick: Am kommenden Wochenende pausiert die Liga. Die Pokal-Endrunde in München genießt die volle Aufmerksamkeit. Von Montag bis Donnerstag folgen vier Nachholspiele, an die sich der 30. Spieltag direkt anschließt. Für Rasta geht's am 24. April zu den Crailsheim Merlins, die das Playoff-Ticket bereits in der Tasche haben und zu Wochenbeginn sowohl den Abgang ihres Erfolgstrainers Tuomas Iisalo nach fünf Jahren als auch die Verpflichtung von Sebastian Gleim als Nachfolger des Finnen bekanntgaben. Das Match bei den Merlins ist Rastas fünftletztes Spiel, danach folgen nur noch die Partien gegen Berlin, in Gießen, gegen MBC und in Würzburg.


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Brose Bamberg - Rasta Vechta 104:76 (47:43)

  • Viertel: 29:23, 18:20, 26:11, 31:22
  • Punkte Bamberg: Bennet Hundt (25; 7 Assists; 10/11 FW), Devon Hall (20), Dominic Lockhart (14), Chase Fieler, Kenneth Ogbe (je 10), Christian Sengfelder (9), Shevon Thompson (5), Tyler Larson, Moritz Plescher, Mateo Seric (je 3) und David Kravish (2).
  • Punkte Vechta: Josh Young (20), Philipp Herkenhoff (16), Will Vorhees, Sha'Markus Kennedy (beide 9), Jannes Hundt (8), Edgar Sosa (6), Robin Christen (3), Jordan Barnett, Björn Rohwer (je 2), Stefan Peno (1).

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