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73:74 - Rasta verpasst Sensation nur knapp

Für Rasta Vechta war es die vierte Niederlage im vierten BBL-Spiel. Und der Ulm-Fluch hält auch an. „Es tut weh, so knapp zu verlieren“, sagte Philipp Herkenhoff. Hier der Nachbericht.

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Zug zum Korb: Rastas Jean Salumu (rechts) gegen Ulms John Petrucelli. Foto: nph/Hafner

Zug zum Korb: Rastas Jean Salumu (rechts) gegen Ulms John Petrucelli. Foto: nph/Hafner

Als die Reisegruppe aus Südoldenburg am Sonntagabend um kurz nach 18.00 Uhr die ersten Kilometer auf der A 7 hinter sich hatte, waren die Eindrücke vom Krimi in Neu-Ulm noch ganz frisch. „Es tut weh, so knapp zu verlieren“, sagte Philipp Herkenhoff. Er brachte damit die „große Enttäuschung“ auf den Punkt, die alle Basketballer von Rasta Vechta in diesem Moment in sich trugen. Mit 73:74 (50:47) hatte Rasta eine Stunde zuvor beim Bundesliga-Tabellenführer Ratiopharm Ulm den Kürzeren gezogen. Es war die vierte Niederlage im vierten BBL-Spiel – und eine bittere dazu. „Es ist ärgerlich. Wir waren so dicht dran“, meinte Herkenhoff. Als er das sagte, lag noch eine lange Tour vor ihm und seinen Kollegen. „So um die acht Stunden“, prognostizierte Herkenhoff. Viel Zeit zum Grübeln.

Der Coup in Neu-Ulm, auf der bayrischen Seite der Donau, war zum Greifen nah. Aber es klappte nicht, der Außenseiter ging erneut leer aus und fuhr mit nunmehr 0:8 Punkten auf dem Konto gen Norden. Und: Im neunten Duell mit Ulm (8x BBL, 1x Pokal) war's die neunte Niederlage – und wie schon beim 80:81 vor fast auf den Tag genau zwei Jahren war's richtig eng.

Dass sich Rasta im Vergleich zu den Spielen gegen Würzburg und in Braunschweig erheblich steigerte und vor allem defensiv seine beste Saisonleistung zeigte, brachte ein gutes Gefühl für die kommenden Aufgaben, aber halt nichts Zählbares. Inklusive Pokal sind es nun sechs Niederlagen in Serie. „Am Ende ist es sehr ärgerlich. Man macht den Sport ja auch, um zu gewinnen“, sagte Rastas Coach Thomas Päch und ergänzte noch: „Uns fehlte ein bisschen das Glück.“ Eine Einschätzung, zu der ein Satz von Ulms Trainer Jaka Lakovic passte. „Wir hatten mit Sicherheit auch Glück zum Schluss“, gab der Slowene zu. Er dürfte dabei an den Dreier von Andreas Obst zum 69:66 oder den Zirkuswurf von Troy Caupain zum 71:68 gedacht haben. Obst, mit 13 Punkten der Topscorer beim Halbfinalisten der vergangenen Saison, sagte nur: „Wir haben es uns schwieriger gemacht als nötig.“ Es reichte für Ulm. „Job erledigt“, so der Nationalspieler. Es war schließlich das erste von sieben Spielen binnen 23 Tagen.

"Er hat's heute sensationell gemacht."Rasta-Coach Thomas Päch über Philipp Herkenhoff.

Herkenhoff hatte unterdessen eine ganz andere Szene im Kopf, die ihn mächtig wurmte – seinen vergebenen Freiwurf 45 Sekunden vor dem Ende. „Wenn ich den treffe, steht's 71:71. Den muss ich machen. Solche Spiele werden durch Kleinigkeiten entschieden, daher geht das auch auf meine Kappe“, sagte der 21-Jährige. Päch intervenierte: „Philipp soll sich keinen Kopf machen. Er hat's heute sensationell gemacht.“ Herkenhoff kam bei seinem Comeback nach einer fünfwöchigen Verletzungspause auf 13 Punkte und war damit drittbester Scorer hinter Stefan Peno (16) und Jean Salumu (15). Die Rückkehr des 21-Jährigen in die Rotation tat Rastas Spiel enorm gut – nicht nur offensiv.

Rasta Vechta, das bislang über 90 Punkte im Schnitt kassiert hatte, hielt die Ulmer Angriffsmaschinerie deutlich unter der gewohnten Ausbeute. „Wir waren defensiv sehr diszipliniert und wachsam. Wir haben es geschafft, Ulm einiges an Stärken wegzunehmen“, sagte Päch. Zur Erinnerung: Ulm hatte bei seinen ersten drei Siegen 100 Punkte im Schnitt gemacht. „Wir sehen Fortschritte. Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können – auch gegen Topteams“, erklärte Herkenhoff. Und weiter: „Nach unserem schwachen Spiel in Braunschweig war es sehr wichtig, dass wir jetzt ein gutes Spiel gezeigt haben.“

Gut war's, aber halt nicht gut genug, um dem EuroCup-Starter und FinalFour-Teilnehmer im nationalen Pokal die erste BBL-Niederlage beizubringen. Auf der Suche nach Kleinigkeiten, die fehlten, wurde Päch („Ich bin stolz auf die Mannschaft“) fündig. Ein Beispiel: Rasta verbuchte nur fünf Offensivrebounds, sonst sind's doppelt so viele. Dennis Clifford habe „wie ein Tier geackert und trotzdem keinen Offensivrebound holen können“, so Päch. Ulm habe in diesem Bereich sehr stark gearbeitet. Päch hofft nun, dass Rasta die „Hartnäckigkeit und Disziplin in der Defense“ beibehält. In der kommenden Woche stehen zwei Heimspiele in Serie an – am Mittwoch (19.00 Uhr) gegen Bayreuth, am Freitag (18.30 Uhr) gegen Bonn. Herkenhoffs Ulm-Fazit und Ausblick: „Richtig zufrieden ist man nur, wenn man auch gewinnt.“


Ulm gegen Rasta: Die Etappen des Spiels

Das Personal: Erstmals seit dem Pokalspiel gegen Göttingen (24. Oktober) war Rastas 11er-Kader komplett. Mit anderen Worten: Philipp Herkenhoff war wieder fit. Bei Ulm stand der lange verletzte Christoph Philipps ebenfalls wieder im Kader; im Gegensatz zu Thomas Klepeisz, der sich weiter gedulden muss. Sein BBL-Debüt gab Ulms Neuzugang Demitrius Conger; ein Wandervogel, der nun in zehn Ländern gespielt hat.

Das 1. Viertel: Herkenhoff eröffnete die Partie mit einem Dreier nach 15 Sekunden – toller Einstand für den 21-Jährigen. Bis zur eigenen 10:8-Führung hielt Rasta sehr gut mit, dann riss jedoch kurz der Faden. Ulm steigerte sich und schaffte bis zum Ende des Viertels eine 12:1-Serie zum 20:11. Rasta hatte Probleme in der Offense, zu oft gab's schwere Notwürfe. Und so gab Rasta zum sechsten Mal in Serie (inklusive Pokal) das erste Viertel ab (im Schnitt mit 8,6 Punkten Differenz).

Das 2. Viertel: Beim 13:26 verbuchte Rasta seinen größten Rückstand und bekam zu spüren, dass die Ulmer unheimlich viele Waffen im Angriff haben. Aber: Der Außenseiter kämpfte sich stark zurück und holte Punkt für Punkt auf. Kurz vor dem Seitenwechsel traf Herkenhoff seinen zweiten Dreier des Tages, beim 32:35 war Rasta wieder dran. Ein Halbzeitstand, der Hoffnungen auf eine Überraschung schürte.

Schwerer Wurf: Rastas Dennis Clifford. Foto: nphHafnerSchwerer Wurf: Rastas Dennis Clifford. Foto: nph/Hafner

Das 3. Viertel: Rasta schaffte es, die Ulmer weiter zu nerven. Vechta provozierte einige Ballverluste des Tabellenführers, der in den ersten sechseinhalb Minuten der zweiten Halbzeit nur zwei Punkte machte. Beim 42:37 verbuchte Rasta den größten Vorsprung. Ulm fand aber einen Weg zurück und konterte per 7:0-Serie vom 39:43 zum 46:43. Die zwei Schlusspunkte des Viertels setzte allerdings Rasta. Dritter Dreier Herkenhoff, langer Mitteldistanzwurf von Jean Salumu – der Gast ging mit einer 50:47-Führung ins letzte Viertel.

Das 4. Viertel: Große Spannung in Ulm: Es ging hin und her. Mal führte Rasta (53:49, 63:62), mal lag Ulm vorne (59:57, 69:66). 13 Sekunden vor der Schlusssirene traf Rastas Stefan Peno einen Dreier zum 73:73. Ausgerechnet Peno, der zuvor fünf Dreier zum Teil deutlich daneben gesetzt hatte. Ulms Antwort: Dylan Osetkowski trifft einen Freiwurf zum 74:73, Versuch Nummer zwei verwirft er. Auszeit Rasta, noch 0,9 Sekunden auf der Uhr. Die letzte Aktion: Pass von Peno auf Josh Young, Dreier aus über acht Metern – der Ball ging nicht rein. Das war's, vierte Niederlage für Rasta, vierter Sieg für Ulm.


Ratiopharm Ulm - Rasta Vechta 74:73 (47:50)

  • Viertel: 20:11, 15:21, 12:18, 27:23.
  • Punkte Ulm: Andreas Obst (13), Aric Holman (11), Dylan Osetkowski (10), Per Günther, Troy Caupain (je 7), Patrick Heckmann, John Petrucelli, Isaiah Wilkens (je 6), Demitrius Conger (4), Trey Landers, Christoph Philipps (je 2).  
  • Punkte Vechta: Stefan Peno (16), Jean Salumu (15), Philipp Herkenhoff (13), Robin Christen, Will Vorhees, Dennis Clifford (je 6), Josh Young (5), Jordan Barnett, Tim Hasbargen, Jannes Hundt (je 2).
  • Nächste Spiele von Vechta: Mittwoch (9.12., 19.00 Uhr) gegen Medi Bayreuth, Freitag (11.12., 18.30 Uhr) gegen Telekom Baskets Bonn.
  • Alle Spiele der BBL gibt es live bei MagentaSport.

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